Muckibuden-Bingo: Dieses Spiel bringt Spaß ins Gym

Neues Jahr, neues Fitness-Abo, alte Unlust. Kennen wir. Damit der Winterspeck aber nicht zur Frühlingsschwarte wird, haben wir für euch ein prima Spiel erfunden: Muckibuden-Bingo. So macht Fitness Freude, echt jetzt! 

von Rex Valentino

Also, seien wir mal ehrlich: Die Wahrscheinlichkeit, dass ihr diesen Artikel in Leggins und Schweissband auf dem Rudergerät lest, ist ja vernichtend klein. Kleiner noch, als dass Kinder plötzlich eine Liebe für Rosenkohl entwickeln. Oder dass es morgen Lindt-Kugeln vom Himmel schneit und Rotwein regnet und jeder Mensch anstelle eines Schirms mit einem Glas durch die Gegend hüpft.

Tatsache ist, dass Sport tausend mal anstrengender ist als Netflix gucken. Erst recht, wenn dieser sogenannte Sport im Fitness-Studio absolviert werden soll. Wir urteilen übrigens überhaupt nicht!

Fakt ist aber auch, dass mit dem neuen Jahr jeweils ganze Armadas von top motivierten Sport-Muffeln die Fitness-Studios von Los Angeles über Shanghai bis Paderborn fluten. Allesamt mit der Vision, den kommenden Sommer mit gestählten Körpern durchs Freibad zu stolzieren.

Fitness-Lust, leicht gemacht

Deutsche Fitness-Studios verzeichnen im Januar bis zu 50 Prozent mehr Neuanmeldungen. Die nehmen dann stetig ab, bis im Juni die Kündigungsrate ihren Zenit erreicht. Wir haben noch mehr lustige Infos: Die meisten gehen dann trotz Mitgliedschaft selten hin und essen daheim lieber Pasta oder so. Ja ja, schon klar, der Wille zählt. 

Nicht gerade motivierend – aber wenn ihr jetzt sagt: "Siehste wohl, da kann ich des ja gleich sei lasse," dann kennt ihr unser neues Wundermittel noch nicht – Muckibuden-Bingo! Wir versprechen euch, dass ihr danach die Chips-Griffel an den Socken abputzt und schreit: "Hossa, das ist ja besser als der teuerste Personaltrainer der Welt!"

Und so geht's:

Klar, ins Fitness-Studio müsst ihr dafür leider schon – aber dann wird es lustig: Beim Muckibuden-Bingo geht es nämlich darum, alle "Fitness-Typen" zu sammeln, die es in dieser schönen, großen, Testosteron schwangeren Welt der geölten Torsos gibt. Am besten spielt ihr das übrigens zu zweit, macht mehr Spass.

Ihr strampelt, hebelt und schwitzt also so lange, bis ihr alle zehn Kreaturen identifiziert habt. Dann ruft ihr laut "Kreatin" und gebt euch selbst ein High-Five! Erst dann dürft ihr nach Hause gehen. Ach ja: Wer den Bonus-Typen entdeckt, darf sich einen Protein-Riegel gönnen. Alles klar? Dann mal ran an die Hanteln! 

Die Fitness-Typen:

Die Athletin

Extrem hoher Pferdeschwanz-Faktor. Hautenge Leggins und violettes Tanktop. Hört sich einen Podcast über die neuesten Yoga-Trends an. Kann scheinbar nicht schwitzen. Ist immer schon vor uns da und crosstrainiert wie blöd. Ach ja, ist auch noch dran, wenn wir uns wieder hundemüde in die Kabine verziehen. Da fragt man sich ja: Leute, wieso tut ihr das hier? Ist doch voll ungemütlich. Geht zum Laufen doch in den Wald oder so!

Lieblingsübung: Crosstrainer, Laufband. Eine Menge davon. Bis zum Umfallen.

Der "No-Cardio"-Oberkörper-Muskulant

So klassisch wie ein Long Island Ice Tea – und etwa gleich intelligent. Dürfte im Fitness-Center wohl am einfachsten aufzustöbern sein, bewegt sich selten von den 40kg-Plus Hanteln weg. Grunzt und stöhnt wie ein Mammut mit Diarrhö und besitzt eine Trinkflasche grösser als sein Kopf. Liebt Trägershirts mit frei liegenden Nippeln. Kriegt die Arme nicht mehr runter und findet Cardio doof. Sieht in Eiweiss den Sinn des Lebens. 

Lieblingsübung: Bankpresse, Freigewichte – Hauptsache massiv viel drücken.

Die 16-jährigen Brudis

Treten nur im Pack zu zweit oder zu dritt auf. Kaum Bartwuchs und dünn wie Bandwürmer, aber hängen mit den Augen an den Muskeln der aufgepumpten Jungs. Motivieren sich gegenseitig Hanteln zu heben, die schwerer sind als die Audis, von denen sie träumen. Brechen sich dabei fast den Rücken. Outfit: Mehr als fragwürdig. Wer zum Teufel braucht beim Sport ein Cap? Rappen stumm zu der schlechten Musik, die läuft. Machen dabei Bewegungen mit den Fingern in der Luft. So, wie das wohl dieser Bushido tut.

Lieblingsübung: Bankpresse. Eine Wiederholung mit 70 Kilo.

Die alten Nachbarn

Sind ja ganz süß, der Dietmar und die Maria, wie sie da ihre Knochen stretchen. Im Fitness-Raum selbst sehr angenehm. Ruhig, freundlich und eigentlich so inaktiv wie eine gute alte, ledrige Polstergarnitur. Stöhnen teilweise gedämpft, wollen den jungen Menschen aber nicht auch noch hier auf den Zeiger gehen. Im Supermarkt reicht. Nachteile: Kleben fast schon an den Geräten und sind in der Umkleide sehr unnötig lange nackt.

Lieblingsübung: Dasitzen und keuchen.

Die Reality-TV-Freundinnen

Das Zicken-Team. Heissen zum Beispiel beide Jessica. Marschieren konsequent auf ihren Steppern wie die Koreanische Volksarmee bei einer Militärparade. Erhöhen den Lärmpegel eigenständig durch ihr Weight-Watchers-Geschwatz. Begießen jeden im Umkreis von fünf Metern mit den neusten Infos zu "Dschungelcamp", "Bauer sucht Frau" oder "Supertalent". Pinke Wasserflasche ist Teil des Dresscodes.

Lieblingsübung: Plaudern und süßen Jungs auf den Hintern schauen. Hihi.

Das Crossfit-Wesen

Die Exoten, denn eigentlich wären sie ja lieber draußen im Wald und würden mit Baumstämmen jonglieren. Erkennt man an ihrer brachialen Art. Nur mal so als Beispiel: Diese Seile, die sie so gerne schwingen, nennt man "Battle Ropes": Schlachtseile. Eben. Spielen auch gerne mit Hämmern als seien sie Wikinger. Geräte werden gern unkonventionell genutzt und auf alle Arten Übungen interpretiert. Lieben Freigewichte, Vollbärte und wahrscheinlich rohen Fisch.

Lieblingsübung: Alle. Hauptsache nicht so, wie's in der Anleitung steht.

Der Banker

Der Typ aus American Psycho. Trainiert mit den neusten Markenkleidern, zwei Kilo Haargel und kleinen Handschuhen, damit die zarten Bürofinger geschont werden. Hat gerne einen Bankerkumpel dabei. Ist rücksichtslos, benützt gerne mehrere Geräte auf einmal und stellt die Gewichte nie zurück. Glaubt Karriere und Bizeps stehen in Wechselwirkung.

Lieblingsübung: Sich im Spiegel anschauen.

Die Beauty-Queen

Einzelgängerin, mag nämlich keine Konkurrenz. Bewegt sich unnötig oft zwischen Laufband und Freigewichten hin und her, damit sie auffällt. Hautenge Kleidung, Hintern straff wie bei einer Eiskunstläuferin und die Nase beinahe an der Decke. Ziemlich bipolares Gehabe: Wird oft angemacht und mag das auch – aber nein, mag es nicht! So quasi: "Lass mich in Ruhe! Sprich mit mir! Aber lass mich trainieren! Schau mir auf den Arsch! Schau mir nicht auf den Arsch! Jetzt schau mal wie straff mein Arsch ist!

Lieblingsübung: Alles, bei dem man den Po rausstrecken kann.

Das Fitness-Pärchen

Doppelpack! Finden aus einem unerfindlichen Grund, dass man als Paar besser trainiert. Schwatzen aber die meiste Zeit und stehen wohl auf Eifersuchtsspiele. Kann aus jeglichen zwei erwähnten Typen bestehen – häufigste Konstellation: Banker und Beauty-Queen, zwei Crossfitter, Muskelprotz und Reality-TV-Freundin.

Lieblingsübung: Rumpfbeugen-Küsschen.

Der Realitätsfremde

Passt ins Fitness-Studio etwa so gut, wie glasierte Kirschen auf die Pizza. Im höchsten Grad verwirrt, nicht nur was die Benutzung der Geräte angeht, sondern gestaltet den Trainingsablauf auch eher nach dem Spiessruten-Muster. Konzentrationsfähigkeit eines Kleinkindes. Macht meist minutenlang Pause und tippt irgendwas auf dem Handy. Wohl die Steuererklärung. Verschwindet so unauffällig, wie er gekommen ist.

Lieblingsübung: Aus dem Fenster gucken.

Bonus: Die Bingo-Spieler

Versuchen routiniert zu wirken, wissen aber eigentlich überhaupt nicht, was sie hier machen. Schauen eher den anderen Leuten zu, als selbst zu trainieren. Sind aber ziemlich in Ordnung.

Lieblingsübung: Wieder nach Hause gehen.