Müde Augen: Diese Ringe sind leider kein Schmuck

Ihr halbes Leben hat sich unsere Autorin über die schwarzen Schatten mitten in ihrem Gesicht geärgert. Bis ihr auffiel, dass müde Augen durchaus Vorteile haben.

von Viola Kaiser

Edward aus "Twilight" und ich haben etwas gemeinsam – und es ist ganz sicher nicht unsere Liebe zu Bella. Unsere Haut ist so bleich, dass sie fast durchscheinend wirkt. Leider glitzere ich aber anders als Eddie kein bisschen im Sonnenlicht. Ich sehe vor allem im Winter nicht aus wie ein sexy Vampir, sondern einfach wie jemand, der mal einen Urlaub gebrauchen könnte und schlicht sehr ausgeprägte Augenringe hat. Müde Augen sind mein Markenzeichen. Ich bin nicht besonders dünn, sonst würde ich einfach behaupten, dass mein Look sich am Heroin Chic der 90er orientiert. Allerdings haben wir ja auch schon 2018. 

Nein, mein Lieblingssong ist nicht "Insomnia"

Es ist, als wäre ich mit diesen Ringen, die leider überhaupt kein Schmuck sind, geboren. Sie begleiten mich, seitdem ich denken kann. Alle anderen Anfang 20-Jährigen interessierten sich für Lippenstift? Ich wollte vor allem Concealer und Wimperntusche gegen meine müden Augen. Ich wollte frisch, erholt und ausgeschlafen aussehen. Nicht wie eine Frau mit Anämie, deren Lieblingssong "Insomnia" ist. Gehe ich mal ungeschminkt raus, fragen mich seit mindestens 20 Jahren wirklich alle (zumindest die extrem Sensiblen und besonders Unsensiblen, mit unterschiedlichen Intentionen), ob ich müde oder krank bin – oder vielleicht beides gleichzeitig. Sehr, sehr lange Zeit nervte mich das kolossal! 

Müde Augen können sehr hilfreich sein

Doch dann entdeckte ich die Vorteile dieses Makels: Immer, wenn ich jetzt mal meine Ruhe will, nicht quatschen oder ein bisschen Mitleid, gehe ich einfach ungeschminkt raus. Dann fragt mich garantiert keiner, ob ich ihm bei irgendwas helfen kann, sondern eher, ob alles okay sei, ob man mir die Kinder abnehmen solle – oder ob ich mich nicht mal hinlegen wolle. Selbst mein Mann fällt darauf rein, wenn ich den Pandalook später als 9 Uhr morgens trage. Ich weiß, dass das ein mieser, kleiner Trick ist, aber er ist so einfach, verführerisch und lässt mich diesen doofen schwarzen Rändern endlich mal etwas Positives abgewinnen. Außerdem passiert noch etwas nach diesen Bad-Eye-Days: Am nächsten Tag, wenn ich ordentlich um meine Augen herumgemalt habe, fühle ich mich gleich total fit und schön. Und vor allem merkwürdigerweise ausgeschlafen.  

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