Nagellack in der Schwangerschaft: Ich mach' das jetzt einfach!

Alkohol, Sushi, Nagellack: Die Liste mit den Dingen, auf die eine Frau in der Schwangerschaft angeblich verzichten soll, ist lang. Unsere schwangere Autorin wählt den galanten Mittelweg.

von Franziska Steinberg

Mit einem Baby im Bauch trägt man eine enorme Verantwortung und so ein paar Monate Verzicht auf gewisse Dinge tun ja auch echt nicht weh, denk ich mir oft. So ist es für mich völlig unverständlich, wie man schwanger Alkohol trinken oder Zigaretten rauchen kann. „Ach, das eine Glas.“ Nee, da bin ich raus. Wenn ich mir vorstelle, dass dieser winzige Körper Alkohol verabreicht bekommt, wird mir ganz anders. Beim Essen stelle ich mich in den Augen manch anderer sowieso ganz schön an. Ich esse zum Beispiel in der Schwangerschaft keinen Salat in Kantinen oder Restaurants, wenn ich ihn nicht selbst gewaschen habe. Natürlich verzichte ich auf rohe Speisen, trinke meinen Kaffee entkoffeiniert und sorge dafür, dass das Küken alle Vitamine bekommt, die es zum Heranwachsen so braucht – und es fällt mir überhaupt nicht schwer. Obwohl... auf so einen Cocktail mit Sekt freue ich mich wirklich schon!

Aber Nagellack in der Schwangerschaft? Na klar doch!

Ich weiß nicht, woran es liegt, aber der Verzicht auf bestimmte Kosmetik und Beauty-Rituale stößt bei mir hingegen auf gleichgültiges Schulterzucken. Vielleicht, weil es für meinen Kopf zu abstrakt ist: Es löst keine Viren aus, das Kind wird damit nicht über die Nabelschnur versorgt. Mit Salmonellen, Toxoplasmose und anderen Erregern kann ich was anfangen – das will ich nicht für mein Baby. Aber Haare färben, Nägel lackieren oder bestimmte Cremes benutzen? Es gibt immer wieder Spekulationen, was die Chemikalien, die vermutlich ins mütterliche Blut gelangen, mit dem ungeborenen Kind anrichten könnten. Aber ist es schon jemals passiert? Aussagekräftige Studien sucht man vergebens und sogar Ärzte geben grünes Licht für Nagellack und Haarfarbe. Wer auf Nummer Sicher gehen möchte, lässt die Farbe zumindest die ersten drei Monate, der kritischen Phase, bleiben. Hab ich sogar gemacht. Danach gab es für mich keinen Grund, mir wieder meinen liebsten Chanel-Lack aufzutragen.

Schwanger und trotzdem schön sein? Ja, ich will.

Eine Schwangerschaft ist kein Zuckerschlecken. Ich habe vergleichsweise Glück und meine Beschwerden sind wirklich überschaubar – und natürlich weiß frau ja auch ungefähr, auf was sie sich einlässt: Dehnungsstreifen, Wasser in den Beinen, Hautprobleme, dunkle Augenringe aufgrund von schlaflosen Nächten, Sodbrennen, Rückenschmerzen, Krampfadern, Verstopfung. Das sind noch längst nicht alle Wehwehchen, mit denen Schwangere so zu kämpfen haben – und trotzdem erwarten alle, dass sie das pure Glück ausstrahlen. Ich persönlich fühle mich wohler, wenn ich mir Zeit für mich nehme und mich schlichtweg so oft es geht um mein Wohlbefinden kümmere. Das beinhaltet für mich sowohl Ausflüge ins Schwimmbad, Massagen, Shoppingbummel als auch Besuche beim Friseur oder im Nagelstudio. So ist es mir auch gelungen, die Schwangerschaft wirklich genießen zu können.

Nagellack, Friseur, Kaffee: Lasst Schwangere einfach machen!

Da ich beim Thema Ernährung ja schon eher die extreme Auffassung gewählt habe, kann ich jede werdende Mama verstehen, die auf Nagellack und Haare färben verzichten möchte. Für viele ist der Verzicht auch gar nicht so groß, denn nicht selten profitieren Haare als auch Nägel von Schwangerschaftshormonen und Vitamin-Überschuss und sehen auch so super aus. Und Kaffee schmeckt eh nicht so gut. Und in der Kantine sieht der Gemüseauflauf sowieso appetitlicher aus als das Salatbuffet. Ich kann aber auch jede Schwangere verstehen, die lieber neun Monate die Wohnung nicht verlassen möchte. Schwangere und Mütter sind nur Menschen. Sie machen auch mal was falsch. Oder tun etwas Verbotenes. Und wissen auch nicht auf Anhieb alles. Oder wissen eben selbst ganz genau, was ihnen selbst gut tut und dem Baby nicht schadet. Oder wollen sich einfach mal die Nägel lackieren - lasst sie! 

Wer hier schreibt:

Franziska Steinberg