Oh no: Die Vokuhila ist wieder da!

Geht es schlimmer als Dauerwelle? Unsere Autorin findet ja. Und zwar mit Igel vorne und Matte hinten. Ein Trauma-Bericht.


von Viola Kaiser

Es gibt Ausnahmen, das müssen wir hier vorab melden. Es gibt ja immer Ausnahmen. Billy von "Stranger Things" ist so eine. Von mir aus auch Diego Maradona. Was wäre der ohne seine Frisur? mit David Bowie will ich gar nicht erst anfangen. Ich würde da tiefer ansetzen. Erinnert ihr euch noch an Nicki? Sehe ich eine Vokuhila bei einer Frau, hab ich sofort einen Ohrwurm von "Wenn i mit dir tanz". Das ist irgendwie Kult, auch wenn es damals schon bescheuert aussah. Es ist nicht schön oder klassisch oder ästhetisch. Es ist auf dem Bildschirm mit genügend Abstand amüsant anzusehen, für Normalsterbliche heutzutage im Alltagsleben deswegen aber nicht unbedingt passend oder attraktiv.  

Mir kommt eine Vokuhila nie mehr auf den Kopf

Wir sind hier natürlich nicht bei der Modepolizei: Trotzdem sind manche Trends einfach schwer zu ertragen. Zumindest für mich persönlich. Das liegt daran, dass ich in den 70ern geboren bin. Ich habe manche Dinge übel in Erinnerung, weil ich sie erlebt habe, im schlimmsten Fall an mir selbst. Tatsächlich hatte ich einen ganz furchtbaren Look, vorne Igel, hinten lange glatte Matte. Der Igel stand ab und betonte mein Gesicht keinesfalls vorteilhaft. Die paar Ponyfransen, die das ganze auflockern sollten, halfen da kein bisschen. Egal, in welcher Version: So eine Vokuhila kommt mir nicht noch mal auf den Kopf. Ich bin mir zumindest darüber bewusst, dass schlechter Geschmack schlechter Geschmack bleibt  – egal, ob es 1989 oder 2019 ist. 

2019 ist es auf jeden Fall so weit, dass der Guardiandie "step mullet" preist ("mullet" heißt übrigens auf Deutsch nicht nur "Vokuhila" und "Fußballerfrisur", sondern auch "Meeräsche", aber das nur am Rande). Das ist die modernere Version der Vokuhila aus den 80ern. Sie zeigt im wortwörtlichen Sinne eine klare Kante. Will heißen: Vorne kurz, krasse Kante, hinten lange Matte. Das ist hipper als Diegos und Rudis Look damals, aber sieht trotzdem kein bisschen gut aus.

Wie bei den Hipster-Schnäuzern: Es begann als Gag

Ich glaube, es ist ein bisschen wie mit den sehr langen Osama-Bärten und merkwürdigen Schnäuzern, die junge Männer auf einmal trugen. Es begann als Witz, ein ironischer Angang an einen Look, ein lustiges "Guck mal, ich traue mich was", das auf einmal viele hatten, obwohl es sie nicht unbedingt hübscher machte. Es ist ein bisschen tragisch aber trotzdem wahr: Was in den In-Vierteln von London, New York und Berlin beknackt aussieht aber trotzdem cool wirkt, ist in Oer-Erkenschwick vielleicht nur noch gestrig. Wobei man sich auch in Shoreditch und Kreuzkölln manchmal fragt, ob das jetzt in ist oder vielleicht nur ein Versehen. 

Aber zurück zu heute: Was ich eigentlich sagen wollte, ist, dass natürlich jeder tragen kann, was er will. Ist ja klar. Aber dieses Vokuhila-Sache, die geht wirklich nur bedingt. Es sei denn, man heißt Nicki. Oder Billy. 

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