Schnellschuss Penis-Selfie: Das Gehänge in Frontansicht

Damit wir uns ein besseres Bild machen können, versenden Männer Selfies von ihrem besten Stück. Zu viel Information, findet unsere Kolumnistin.

von Karina Lübke

Früher war alles stilvoller, sogar die Perversen. Da konnte man von Exhibitionisten wenigstens Schuhe und einen schicken Trenchcoat erwarten! Beim Online-Dating läuft die Selbstpräsentation oft so: 1) Porträtbild. 2) Ganzkörperbild mit Hund, Motorrad, Weinglas. 3) Penis. Daraufhin gerät die Unterhaltung natürlich ins Stocken und man selbst in die Versuchung zu blocken. Beziehungstechnisch kann der Typ einpacken.

Porno to go

Liegt es an Internetpornografie, die Männer – laut Studien – heute selbstverständlich auf ihren Handys bei sich tragen und damit Porn to go konsumieren, sodass ihnen der nächste Schritt, sich selbst zu produzieren, winzig erscheint?

Der Erhalt unerwünschter Penisbilder wird zu einer eigenen Form von Standup- Comedy, weshalb sich auch Kabarettistin Carolin Kebekus in ihrem Klagelied „Dick Pic“ damit beschäftigt.

Diese Erfahrung ist nicht auf schmuddelige Erotikseiten beschränkt, auch Elite-Partner verschicken nach unverfänglichem Kurzdialog („Willst du noch mehr Bilder sehen? Komm mal auf What’sApp“) Fotos ihres gefühlten Elite-Penis. Stop, in the name of love!

Ab und zu ein Schnellschuss

Klar wünsche ich mir, dass Männer Größe zeigen. Aber zuerst bitte geistig, da bin ich spießig. Offenherzig gern, offenhosig nur auf explizite Nachfrage, denn Schönheit liegt im Auge des Betrachters – sexuelle Belästigung auch.

Männer haben offenbar einen starken Hang zum spontanen Nackigmachen, nur seelisch nicht. An ihre Oberkörper oder Unterleiber hingegen lassen sie gern Licht, Luft und schockierte Blicke. Denn nach Logik krawalliger Kinder ist negative Aufmerksamkeit besser als nix und Frauen verursachte Ekelgefühle besser als gar keine.

Es ist diese Macht, die ihn anmacht: Per Handy kann der Mann jederzeit und von überall mit Nachrichten oder Bildern in die Intimsphäre einer Frau eindringen, sei sie ihm noch so haushoch überlegen. Zusammen mit Einsamkeit, warmer Jahreszeit und Alkohol kommt es da zu Schnellschüssen.

Erstklassiges Erpressermaterial

Darf der das? Strafbar wird das ungefragte Versenden derartiger Intimselfies höchstens, wenn die Empfängerin minderjährig ist. Ansonsten fällt dies eher unter „Beleidigung“. Sträflich dumm ist es unbedingt, schließlich gibt man damit einer Fremden erstklassiges Erpressermaterial in die Hand.

Warum nur tun Kerle sich und uns das an? Psychologen meinen: Weil sie Gleichberechtigung eben so verstehen, dass ihnen die Frau daraufhin eigene Nacktansichten zurückschicken müsste.

Man kann aus der Vorzeigemanie aber auch Kunst machen, wie die New Yorkerin Soraya Doolbaz, die in ihrer Dicture Gallery Fotos von zu Berühmtheiten gestylten Penissen ausstellt. Für schlaflose Nächte bleibt einem das Buch „Penis-Mandalas“, das „das beste Stück des Mannes ins Zentrum der Kreativität stellt“.

Und dann gibt es durchaus auch reizende Dick-Pic-Seiten, etwa thingsmydickdoes. tumblr.com, wo ein Kalifornier seinen Penis als Hauptdarsteller in täglich neuen Abenteuern inszeniert, so kreativ und lustig, dass man ihn richtig lieb gewinnt. Und ihn.