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Schwangerschaftsstreifen: Sie zeigen mir, wie stark ich bin!

Werdende Mutter pflegt ihren Bauch
© baipooh / Shutterstock
Gecremt, geölt, gebürstet: Unsere Autorin hat alles versucht, um Schwangerschaftsstreifen zu vermeiden. Nun hat das Bindegewebe im 8. Monat aufgegeben – sie selbst bleibt erstaunlich gelassen.

Ein bisschen Hoffnung hatte ich ja. Zwar haben die zwei Schwangerschaften bei meiner Mutter auch ihre deutlichen Spuren hinterlassen, aber sie war unglaubliche zwölf Jahre eher schwanger als ich es heute bin. Heißt es nicht, dass Schwangere über 30 weniger zu Dehnungsstreifen neigen als Jüngere? Dazu auch die vielversprechende Öl-Industrie. Die Drogerien halten etliche Bauch-Öle für werdende Mamas bereit, die es früher noch nicht gab und Schwangerschaftsstreifen vorbeugen sollen. Jetzt am Ende des achten Monats habe ich sie bereits flaschenweise vernichtet, jeden Morgen meinen Bauch gebürstet und mich zu ungemütlichen Wechselduschen überwunden. Ich wollte nichts unversucht lassen. Bis lezte Woche hat’s auch gut geklappt: Die Haut ist wirklich sehr geschmeidig und mir juckt da auch nichts – trotzdem hat das Bindegewebe jetzt „versagt“. Wie es zu Bindegewebsschwäche kommt, erfährst du in diesem Artikel.

Genetisch bedingt: Schwangerschaftsstreifen kann man nicht aufhalten

Da sind sie nun. Die Schwangerschaftsstreifen, die ich unbedingt verhindern wollte. Der Blick in den Spiegel hat sie mir offenbart: Rosarot zieren sie die untere Hälfte meines Bauches. Doch wie lange hielt der Schock an? Vielleicht ein paar Sekunden. Ein bisschen gekränkte Eitelkeit gab es und natürlich kurz die Sorge, dass mein Partner das unattraktiv findet. Und dann? Schulterzucken! Mal ehrlich? Wie oft müssen wir denn noch lesen, dass Schwangerschaftsstreifen genetische Ursachen haben bis wir es endlich glauben? Die Sache war klar. Ich bin jedoch ziemlich erstaunt darüber, wie gelassen ich die bleibenden Schäden nun hinnehmen kann. Sind für diesen Zen-Modus auch die Hormone verantwortlich?

Oder ist das ein weiterer Schritt in Richtung Body Positivity? Schließlich hat es niemanden zu interessieren, wie mein Bauch aussieht. Oder ist einem nach der ganzen Übelkeit, diversen Schmerzen oder Wassereinlagerungen ein gesunder Körper wichtiger geworden als ein makelloser? Oder bereiten einen Schwangerschaftsstreifen vielleicht auf noch eine viel größere (körperliche) Herausforderung vor – einer Geburt zum Beispiel oder ganz allgemein: dem Muttersein? Klar ist, mich haben sie definitiv stärker gemacht.

Schwangerschaftsstreifen: Sie zeigen, wie stark ich wirklich bin

Auf geht’s in die letzten Wochen der Schwangerschaft – und zwar mit Gebrüll. Ihr kleinen Streifen könnt mir gar nichts. Mein Partner nennt die Dehnungsstreifen übrigens liebevoll „Kampfspuren“ und vergleicht sie mit den Narben aus seinen Sportverletzungen. Zu jeder gibt’s natürlich eine mutige Story zu erzählen. Die Sichtweise gefällt mir. In den vierzig Wochen Schwangerschaft vollbringt unser Körper schließlich auch eine Art Leistungssport: Er lässt in sich ein komplettes neues Leben entstehen. Warum sollte das nicht auch Narben hinterlassen dürfen, zu denen man hinterher eine stolze Geschichte erzählen kann? Ich weiß jetzt schon, dass ich mich sehr gerne an diese wundervolle Zeit der Schwangerschaft erinnern werde. Ja, vielleicht hätte ich gern auf die Streifen verzichtet. Aber das hätte der werdende Papa auf seine Sportverletzungen auch gerne – und jetzt präsentiert er sie trotzdem stolz. Liebe Frauen, die vielleicht noch am Beginn ihrer Schwangerschaft stehen: Auch wenn ihr aktuell Angst vor Schwangerschaftsstreifen habt. Sollte es dazu kommen, wird es völlig okay sein!


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