Wie soll man sein Schamhaar den nun tragen?

Badeanzug? Check! Aber wie steht’s um Ihre Bikinizone? Dr. Ada Borkenhagen erklärt, warum das bisschen Haar für so viel Gesprächsstoff sorgt und was der neuste Trend für Untenrum ist.

Hier schreibt Leonie Heilig

BARBARA: Geht ’ne Frau ins Schwimmbad – und ein Schamhaar blitzt aus ihrem Bikinihöschen hervor. Was ist daran so provokant?


Dr. Ada Borkenhagen: Das aktuell noch vorherrschende Schönheitsideal lautet: bloß keine Schamhaare haben. Das empfinden wir als ästhetisch. Es handelt sich um ein kulturelles Phänomen, dass sich im Laufe der vergangenen Jahrzehnte die Haarlosigkeit des weiblichen Körpers durchgesetzt hat. Was wir heute unter Bikinizone verstehen, ist etwas ganz anderes als das, was unsere Omas unter Bikinizoneverstanden haben. Deren Höschen waren noch nicht so knapp.


Seit wann wird denn vermehrt auf die Bikinizone geachtet?


In Deutschland machen sich Frauen erst seit etwa 25 Jahren Gedanken über ihr Schamhaar. Das war vorher gar kein Thema. Die Teil- beziehungsweise Totalentfernung der Intimbehaarung wurde erst Ende der 1990er zu einem Trend, der aus Nordamerika exportiert wurde.


Und was ist mit ungewollten Haaren an Achseln und Beinen?


Frauen begannen Anfang des 19. Jahrhunderts, sich die Achselhaare zu rasieren, als ärmellose Abendkleider in Mode kamen. Weiter ging es mit immer kürzeren Röcken. 1915 kam der erste Damenrasierer auf den Markt, mit dem sich Frauen „professionell“ Beine und Achseln enthaaren konnten. Je mehr Teile des weiblichen Körpers von der Mode freigelegt wurden, desto mehr musste enthaart werden. Kulturell bedingt hat das mit immer knapperen Bikinis auch auf den Schambereich übergegriffen. Die Haarlosigkeit des weiblichen Körpers bei dichtem Haupthaar ist somit das erste Modeideal unserer Spezies.


Aber wenn da was wächst, ist es doch auch für etwas gut, oder?


Darüber streiten sich die Biologen! Interessanterweise haben unsere nächsten Artverwandten, die Primaten, sowie andere Säugetiere keine Schambehaarung. Es ist also nicht so einfach, deren Funktion zu bestimmen. Sicherlich dient das Schamhaar dazu, Pheromone zu verbreiten. Aber hygienischer als ohne ist es sicher nicht.


Warum sind so ein paar Haare eigentlich so ein Riesenthema?


Weil ich heute bewusst eine Entscheidung treffe, wie ich mein Schamhaar trage. Die Schamregion hat ihre Unschuld verloren. Heute ist es immer ein Statement, egal welche Frisur ich wähle, ob komplett entfernt, in Form gestutzt oder völlig naturbelassen.


Was sage ich also damit aus, wenn ich enthaart bin?


Ich zeige, dass ich dem aktuellen Körperideal entsprechen möchte und das auch schön finde. Es liegt aber nun mal auch im Wesen der Mode, sich zu verändern. Gerade kann man beobachten: Viele, besonders jüngere Frauen, wollen jetzt ein Statement setzen gegen das haarfreie Schönheitsideal.


Also tragen demnächst alle wieder einen vollen Busch?


Die Tendenz geht auf jeden Fall wieder zu mehr Schamhaar. Aber auf keinen Fall einfach wachsen lassen! Das kommt nicht mehr zurück. Ein gepflegtes Dreieck ist meine Prognose für die kommenden Jahre.

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