Zurück zur Naturhaarfarbe? Warum ich mir weiterhin die Haare färbe

Der Trend geht zum natürlichen Look und damit auch zur Naturhaarfarbe. Nur leider funktioniert das nicht für jede Frau. Unsere Autorin liebt ihr gefärbtes Haar.

Die Naturhaarfarbe soll ja angeblich die sein, die einem am besten steht. Ja, das mag in der Steinzeithöhle vielleicht auch so sein. Wenn ich täglich meine Ration Sonne bekommen und einen ausgeglichenen, gesunden Lifestyle pflegen würde, könnte das vielleicht auch hinkommen. Aber grundsätzlich verbringe ich viel Zeit im Büro, schlafe zu wenig, bekomme zu wenig frische Luft und ernähre mich viel zu oft von Fast Food. Das führt dazu, dass ich zu Augenringen neige und blass wie eine Kalkwand bin. Meine Naturhaarfarbe bewegt sich irgendwo zwischen Sandstein und Felsbrocken. Das mag in einer Landschaft vielleicht ganz harmonisch wirken. Im Alltag macht meine Naturhaarfarbe lediglich, dass ich stinklangweilig aussehe – dazu auch noch müde und irgendwie krank. Ich fühle mich dann ungefähr so attraktiv wie eine verputzte Mauer.

Naturhaarfarbe macht mich älter als ich bin

Und nicht nur das: Meine Naturhaarfarbe macht mich auch älter. Die Mauer bröckelt also auch noch. Es ist toll, wenn mich die trendy Fashionistas mit Mitte 20 darauf aufmerksam machen wollen, dass einem die Naturhaarfarbe doch viel besser steht als jede künstlich gefärbte Haarpracht. Gut, diese Ladies haben im Zweifel noch kein Hormonchaos mit Haarausfall durchgemacht. Meine dünnen Haare hängen einfach nur runter und ich habe auch keine Zeit, sie täglich mit einem Lockenstab zurecht zu curlen. Außerdem fehlt den jungen Damen noch die Erfahrung, dass jede Naturhaarfarbe auch irgendwann ihren persönlichen Endpunkt erreicht. Achtung, Spoiler! Dann wird aus dem natürlichen Mittelbraun nämlich ganz schnell Hellgrau oder direkt Weiß – Rauhputz lässt grüßen. Klar, man kann auch stolz wie Birgit Schrowange seine natürliche, graue Haarpracht tragen – finde ich super! Bei mir sieht das dann eher aus, als hätte mich eine Staubwolke auf dem Bau erwischt. Graue Haare machen erwiesenermaßen älter, ich schließe mich da mit ein. Fassen wir also zusammen: Nicht jede Frau kann gut ihre Naturhaarfarbe tragen.

Barbara über...Haare färben

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Haare färben für mehr Leben im Gesicht

Meine Haare haben tatsächlich schon einiges durchgemacht: Knallrot, blonde Strähnen, braune Strähnen, Highlights, Schwarz, ein leichtes Violett. Ich habe auch schon viel mit Friseuren diskutiert, billige Drogerie-Farbe ausprobiert und meine Haare extrem strapaziert. Jetzt mit Mitte 30 bin ich nicht mehr auf der Suche odermuss herumexperimentieren. Ich weiß sehr genau, was mir steht und was ich will – und das ist definitiv nicht meine Naturhaarfarbe, sondern ein sehr dunkles, kühles Braun. Bitte ohne Rotstich. Etwas mehr Baumrinde als Steinwand also. Das passt sowohl gut zu meiner Haut- und Augenfarbe als auch zu meiner Kleidung und dem Make-Up, das ich gerne trage. Es lässt die grauen Haare verschwinden, meine dünne Haarpracht insgesamt satter und voller erscheinen und haucht mir dank Leuchtkraft etwas mehr Leben ein. Etwas Schneewitchen halt (vor dem Biss in den Apfel). Etwa alle sechs bis acht Wochen braucht mein Schopf die Coloration, die meinen Friseur zwar enorm langweilt, aus mir aber die Frau macht, die ich sein möchte. Immerhin darf er meine Haare noch färben. Den Trend Naturhaarfarbe hält er übrigens für einen Mythos oder scheinheilige Ausrede: „Frauen mit gefärbten Haaren fühlen sich einfach besser, weil sie ihren individuellen Typ unterstreichen und regelmäßig etwas für sich tun.“ Na bitte!

Wer hier schreibt:

Jessica Seiffert
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