Blödeste Frage der Welt: Wolltest Du keine Kinder?

Unsere Autorin hat keine Kinder. Dass das ein Thema ist, weiß sie, weil sie ständig danach gefragt wird. Bislang fehlten ihr oft die Worte. Nun hat sie ein paar Antworten parat...

Hier schreibt Kerstin Freund

Es gibt Fragen, die sich ausschließlich an Frauen richten: „Haste mal ’nen Tampon?“, zum Beispiel. Und: „Wolltest du keine Kinder?“ Die letzte Frage steht im Raum wie ein Scheinwerfer, volle Wattzahl auf mich, nun mal raus mit der Sprache. Denn: Heutzutage können wir doch über alles ganz offen reden. Ach ja?

Eine Frau, die keine Kinder hat, weiß: Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Frage als verletzend empfunden wird, liegt hoch. 13 Prozent aller Menschen ohne Kinder sind nämlich aus biologischen Gründen ungewollt ohne Kinder. Und 46 Prozent sind es, weil sie einfach in dem betreffenden Zeitraum keinen geeigneten Partner gefunden haben. Wir reden also von fast 60 Prozent, die sich nicht bewusst gegen Kinder entschieden haben.

Unverschämtheit in der Kantine

Allen, die sich nach nicht vorhandenem Nachwuchs erkundigen, scheint das nicht bewusst zu sein. Denn irgendwie erwartet jeder, dass wir unsere Gründe mal eben in der Kantine in aller Öffentlichkeit nennen, wenn jemand „einfach mal interessehalber“ nachfragt. Niemand findet es angemessen, einfach mal interessehalber nach dem Tod der Eltern zu fragen. Oder nach der Ursache einer Scheidung. Aber die Kinderfrage wird mir ständig gestellt. Mal gerade heraus, mal mit dieser mitleidig gesenkten Stimme, die vorab Mitgefühl heuchelt, aber eigentlich bloß neugierig ist.

Ich wollte keine Kinder. Nie. Und ich vermisse nichts. Trotzdem fühle ich mich durch Eure Fragen an den Pranger gestellt, denn meine Antwort passt nicht ins System: Ich möchte einfach keine Kinder. Es gibt offenbar noch immer eine Menge Leute, die glauben, Frauen entzögen sich durch Kinderlosigkeit ihrer natürlichen Aufgabe (Männer könnten ja jederzeit ihre Meinung ändern und doch noch ...).

Schließlich kriegen Frauen doch extra schon keine Führungspositionen, damit sie irgendwann ungestört in die Mutterschaft verschwinden können. Ja, ich bin sarkastisch. Weil ich jedes Mal genau spüre, dass man mir meine bewusste Entscheidung nicht abnimmt. Und weil ich merke, dass so ein unterschwelliges Unbehagen hinzukommt: Wenn eine nicht Mutter sein will, kann sie dann überhaupt empathisch sein? Ist die überhaupt eine „echte“ Frau? Was stimmt nicht mit der?

Ich kann euch versichern: Mit mir stimmt alles. Ich habe nur entschieden, dass ich keine Mutter sein möchte. Es ist vorgekommen, dass mir Menschen vorwerfen, wie ungerecht es sei, dass die nachfolgende Generation auch meine Rente finanzieren soll.

Aber hey: Ich finanziere ja in diesem Moment mit meinen Steuern auch die Kindergärten und Schulen Eurer Kinder! Und ich tu das sogar gern. Denn ich glaube, dass in einer Gesellschaft einer des anderen Last tragen sollte. Dazu gehört auch: Den anderen selbst entscheiden zu lassen, wie er leben will. Ob ich Kinder möchte oder nicht, ob ich sie kriegen könnte, wenn ich wollte – ganz allein meine Privatsache.

Und von uns gleich mitgeliefert – ein paar passende Antworten auf die Frage: Wolltest Du keine Kinder?

Ich zahle so viele Steuern, da konnte ich mir einfach keine leisten.

Könnten wir ein anderes Mal darüber sprechen?

Hoppla, kennen wir uns echt schon so gut?

Nein, ich wollte gern ungestört lesen.

Doch. Aber mein Mann mochte seinen Job nicht aufgeben.