Cluburlaub mit Kindern – Ein (Alb-)Traum

Andere Menschen freuen sich auf den Jahresurlaub, Eltern treibt er auch schon mal Schweißperlen auf die Stirn. Zehn Tage mit den Kindern, 24 Stunden am Stück...Ist es eigentlich verwerflich, nur deshalb plötzlich auf Cluburlaub zu stehen, weil es da Kinderbetreuung gibt?

von Julia Ballerstädt

Unser erster Familien-Urlaub sollte schön werden. Wir hatten ihn auch bitter nötig. Aber mal ehrlich: Wie entspannt kann das mit zwei Kindern werden? Ich mache mir da keine Illusionen, aber wenn ich genauer darüber nachdenke, gehe ich vielleicht doch lieber arbeiten. Allein der Flug: Die Große ist ja tiefenentspannt, aber das kleine Kind macht Randale für zwei. Ich sehe mich schon mit schreiendem Kind auf dem Sitz hocken, während mich alle anderen Fluggäste abgrundtief hassen. Ja, ich weiß, sollte mir egal sein, aber Hand aufs Herz: Wem ist es das wirklich? Ich meine, das Kind ist wirklich laut und die armen Menschen können ja auch nicht einfach an der nächsten Wolke aussteigen. Also kaufe ich vorsichtshalber ganz viel Essen und bete inständig, dass sie sich das zwei Stunden lang in den Mund stopfen. Zum Glück haben wir Cluburlaub mit Kinderbetreuung gebucht. 

Kann ja nur noch besser werden – oder auch nicht! 

Die Idee war richtig gut: Kinder in die Betreuung, Muddi und Vaddi Füße hoch. Dumm nur, wenn die Kinder bei 35°C im Schatten so null Bock auf Basteln, Schatzsuche und Co mit wildfremden Menschen haben und stattdessen lieber mit den Eltern baden wollen. Die haben vielleicht Ideen. Nichts half, es führte kein Weg in den Mini-Club. Bedeutet im Umkehrschluss: 10 Tage Kreuzfahrt auf dem Piratenschiff. Im Kinderpool. Was kann es Schöneres geben? Außer vielleicht diese verlockende Liege da drüber, mein Buch, ein Cocktail, oder ganz exklusiv: Schlafen! Stattdessen entern wir mit diversen Schwimmutensilien das Planschbecken, in dem sich neben diversen Einhorn-Floatys schon unzählige Eltern mit ihren lautstarken Kindern tummeln. Das schreit doch förmlich nach Erholung pur! 

Alltag über Board! 

Ja, ich weiß, es ist ein Familienhotel. Ein bisschen Erholung darf ich doch wohl trotzdem erwarten! Doch keine Panik an Deck, ein Club punktet, auch wenn die Kinder auf das Animationsprogramm nicht so abfahren. Ein entscheidender Vorteil von Urlaub gegenüber dem stressigen Alltag sind nämlich: entspannte Eltern. Und daraus folgen entspannte Kinder. Kein Zeitdruck, keine Besorgungen, kein kochen, putzen, Wäsche legen. Wen stört es, wenn die Kinder spät im Bett sind, statt sich anzuziehen lieber im Bett spielen und es jeden Tag Chicken Nuggets mit Pommes gibt. Richtig: Niemanden! 

Urlaub geht auch ohne Club... 

...aber: Gerade mit kleineren Kindern ist eine kindgerechte Hotelanlage Gold wert. Großer Kinderpool, Wasserrutschen, Spielplätze, Minidisco – da freut sich doch der Nachwuchs. Klar, ist auch ganz schön trubelig. Dafür stört sich aber auch niemand daran, wenn die eigenen Kinder beim Abendessen lauthals Paw Patrol interpretieren, die Tischdecke von oben bis unten mit Schokoeis eincremen oder vor lauter Glückseligkeit rumquengeln, wann denn endlich das merkwürdige Hotel-Maskottchen auftritt. Da hilft dann nur eins: Zeit bis zur Minidisco überbrücken. „Na klar, hol dir doch noch ein Eis.“ 

Das Beste am Cluburlaub mit Kindern? 

Quality time! Eine Studie belegt: Kinder profitieren wesentlich mehr von Eltern, die sich in ihrer kurzen Freizeit intensiv mit ihren Kindern befassen, als von solchen, die in Stress verfallen, um quantitativ möglichst viel Zeit mit ihren Kindern zu verbringen. Und Quality Time geht gut in einer solchen Anlage. Ganz viel Planschen im Pool – kann auch mal nur einer machen, während der andere erholsam vor sich hin dämmert. Lange im Bett kuscheln. Stressfrei frühstücken, Mittagessen und Abendessen – Eis essen versteht sich von selbst oder? Vorlesen und einander zuhören. Smartphones auch mal liegen lassen, statt die Kinder davor zu parken. Ausflüge ans Meer, wenn man mal keine Lust auf Pool hat und die Schaumparty! Ja, es gab eine Schaumparty, eigentlich natürlich für die Kids, aber Mutti war auch voll in ihrem Element. Und das ist es doch, was am Ende wirklich zählt: Ganz nah beieinander sein. Und auch mal einem Cocktail am Nachmittag! Und Schaumparty!

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