VG-Wort Pixel

Diebstahl: Welches Verhalten verrät den Ladendieb


Als Ladendetektiv durchschaut man keine Tüten und Taschen, aber deren Träger. Ein Dieb verrät sich meist durch auffälliges Verhalten.

Florian Ziegler, 38, führt eine Detektei in Frankfurt und ist zurzeit bei H&M im Einsatz. Er verrät uns Verdächtiges über den Ladendieb. 
BARBARA: Wie wird man Ladendetektiv?

Florian Ziegler: Ich war Verkäufer im Einzelhandel und habe dort mehr Ladendiebe beim Klauen erwischt als Artikel verkauft. So wurde ich von der Detektei im Haus abgeworben.

Ein Naturtalent!

Ich habe ein gutes Gespür für auffälliges Verhalten. Das entscheidende ist das Bauchgefühl, und das hat mich in 20 Jahren nie enttäuscht. Ich war unter anderem in Supermärkten, in Kaufhäusern, in Büchereien und Baumärkten tätig.

Was ist so Standard im Baumarkt?

Da werden Besen auf Stiele geschraubt, die eigentlich getrennt bezahlt werden müssten.

Was Sie nicht sagen.

Oder 1000 Euro teure Rasenmäher in den Karton von dem Modell für 100 Euro umgepackt.

Wann nehmen Sie die Verfolgung einer Person auf?

Manche Kunden sind schon beim Betreten des Ladens auffällig. Sie haben leere Rucksäcke dabei, verwurschteln Berge von Kleidung über dem Arm. Oder sie kommen Nägel kauend aus der Kabine und telefonieren, obwohl keiner dran ist.

Wie behält man an einem knallvollen Samstag den Überblick?

Mit der Zeit sammelt man Erfahrungen, bekommt Routine. Ich bewege mich inkognito über die Fläche. Ich zähle die Bügel, während Kunden an mir vorbeilaufen – deshalb darf man auch nicht so viele Teile mit hineinnehmen. Außerdem achte ich auf Kunden mit abgewetzter Kleidung und kaputten Schuhen. Es kommt vor, dass uns Leute ihre alten Sachen dalassen und mit etwas Neuem rausgehen.

Haben Sie manchmal Mitleid?

In Supermärkten wird überwiegend aus der Not heraus gestohlen. Gerade wenn man neu im Job ist, ist das schwer, wenn eine Oma Brot klaut, weil sie Hunger hat, aber kein Geld. Ich habe auch schon mal einer etwas gekauft, weil sie mir leidtat. Aber: Bei jedem Diebstahl wird Anzeige erstattet und ein Hausverbot erteilt.

Ihr dreistester Dieb?

Eine Frau, die Stammkundin in einem Kaufhaus war. Sie kam täglich, grüßte das Personal. Die Polizei machte eine Hausdurchsuchung und brachte uns Diebesgut im Wert von 10.000 Euro zurück.

Klauen Leute heute anders als früher?

Es wird immer noch eingesteckt, was nicht niet- und nagelfest ist. Doch viele Produkte sind heute in Vitrinen verschlossen. Bricht man die auf, gilt das als schwerer Diebstahl – genau wie das Herausschneiden von Sicherungen in Klamotten. Der Kunde bekommt ein Riesenproblem, wenn er ein Messer oder eine Schere dabeihat, die man als Waffe werten kann.


Mehr zum Thema