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Achtsames Essen Soll ich jetzt bei Mittag meditieren, oder was?

Achtsames Essen: Frau isst vor dem Laptop
© Fiordaliso / Getty Images
Laut Pinterest ist die Suchanfrage für "achtsames Essen" um 44 % gestiegen. Unsere Autorin will den Begriff mal unter die Lupe nehmen. Muss sie jetzt um ihre Chipstüte bangen? 

Achtsamkeit scheint das Lieblingswort der Millennials zu sein – egal ob in Verbindung mit dem Alltag, dem Job oder der Liebe. Ja, selbst beim Thema Mode findet das buzzige Trendwort Anklang. Was Achtsamkeit überhaupt bedeutet? Ich stelle mir das Ganze wie eine Autofahrt vor. Kennt ihr das, wenn ihr den gleichen Weg immer wieder fahrt, irgendwann schaltet ihr ab, das Fahren geht von ganz allein. Und bei der Ankunft fragt ihr euch: "Mensch, wie bin ich hier her gekommen?". Man versinkt in seinem Alltagstrott, der Autopilot ist an. Und da kommt die Achtsamkeit ins Spiel, die einem empfiehlt, einen Gang runterzuschalten und die Umwelt wieder bewusster wahrzunehmen. Klingt einleuchtend, doch was hat das jetzt mit Essen zu tun?

Essen? Das kann ich!

Bin ich nicht schon achtsam genug? Immerhin setze ich mich täglich BEWUSST mit dem Thema Essen auseinander. Nein, wirklich! Bin ich gerade mit dem Frühstück fertig, denke ich schon an meinen Nachmittags-Snack. Ich liebe es, zu essen, ja, ich esse sogar manchmal, wenn ich keinen Hunger habe. Tja, und da liegt anscheinend das Problem. 

Zwar setze ich mich mit Essen auseinander, aber nur selten damit, wie ich esse. Oft passiert es einfach aus Gewohnheit (es ist jetzt schließlich Mittagszeit) oder aus Vernunft (oh schon lange nicht mehr gegessen) oder aus Langeweile (der Klassiker). Doch hier schreitet die Achtsamkeit ein. Ich solle besser auf mein Bauchgefühl hören. Notiert! 

Wo ein bisschen Achtsamkeit nicht schaden kann

Jeder kennt es, jeder macht es: das typische Essen nebenbei. Davon kann auch ich ein Lied singen. Aus Zeitnot stopfe ich mir eine Stulle rein, während ich noch schnell eine E-Mail formuliere. Beim Mittagessen beschäftige ich mich beiläufig mit dem Smartphone, kann ja sein, dass ich etwas verpasse. An dieser Stelle noch ein kleines Geständnis: Zugegeben schreibe ich auch gerade den Artikel, während ich mein morgendliches Müsli verputze – nicht gerade achtsam. Obwohl ich es eigentlich verdammt gut finde, sich nicht während des Essens ablenken zu lassen. Auch ich bin ein Verfechter davon, dass Handys am Tisch und der laufende Fernseher im Hintergrund beim Abendessen nichts zu suchen haben.

Und das ist nicht das Einzige, was mir am achtsamen Essen gefällt. Kalorientabellen oder Listen mit verbotenen Lebensmitteln suche ich hier vergeblich, genauso wie Diät-Regeln und Abnehm-Versprechen. Hier geht weniger darum, was ich esse, sondern darum, wie ich esse. Ein bisschen Bewusstsein kann an dieser Stelle, so finde ich, nicht schaden. 

... und dennoch

... esse ich meinen Teller leer, obwohl ich halb platze, weil ja sonst morgen kein schönes Wetter wird (verdammte Erziehung). Die Tüte Chips, die ich mir nach einem anstrengend Tag verdient habe, hau ich mir trotzdem vor der Glotze rein. Und wenn ich morgens lieber länger schlafen will, dann esse ich eben mein Brot, während ich auf der Arbeit meine Mails checke. Und das ist auch völlig okay. Ein bisschen Bewusstsein schaffen schadet gewiss an bestimmten Stellen nicht. Aber es entspannt zu sehen, ist noch viel wichtiger. Denn da wären wir gleich beim nächsten Trendwort: Gelassenheit ...


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