Bist du du, wenn du hungrig bist?

Zucker sorgt für Energie und Glücksgefühle, das ist hinlänglich bekannt. Wie schlimm kann es werden, wenn jemand hungrig ist? Schlimm. Sehr schlimm!

von Diana Huth

Wenn ein Baby hungrig ist, kann es schreien was das Zeug hält. Wenn ein Hund hungrig ist, kann er extrem anhänglich und nervig werden. Gut, das sind Babys und Tiere, die haben sich und ihre Bedürfnisse nicht so unter Kontrolle. Bei Erwachsenen ist das anders, möchte man meinen. Denkste! „Immer wenn du hungrig bist, wirst du zur Diva“ – Snickers hat das ziemlich gut verstanden. Oder haben sie es gar in unsere Köpfe gepflanzt? Alles nur erfolgreiche Manipulation durch Marketing? Nein, das führt zu weit. Nahrungsaufnahme ist ein menschliches Grundbedürfnis. Bleibt es aus, werden wir nervös und später durchaus aggressiv. Neumodisch heißt das hangry, eine Mischung aus hungry und angry (englisch: hungrig und wütend). Was dann passiert, zeigen die folgenden Beispiele:

„I'm sorry for what I said when I was hungry.“ Wenn ich hungrig bin, ist meine Toleranzschwelle für unangenehme Reize sehr niedrig. Laute Menschen wie lachende oder diskutierende Kollegen und schreiende Kinder sollten dann nicht in meiner Nähe sein. Zum Glück schaffen meine Moral und meine Erziehung es, mein Sozialverhalten in diesen Situationen noch so weit angepasst zu lassen als dass ich Türen schließe und mich zurückziehe statt jemanden aufzufressen. Nahestehende Menschen haben es da etwas schwieriger. Da ist der Streit vorprogrammiert. Richtig schlimm ist es, wenn ich dann unterwegs bin, am besten sogar in einem fremden Land und keine Ahnung habe, wo und wann ich etwas Essbares bekomme. Dann kommt meistens auch noch ein Disput darüber, in welche Richtung man gehen soll, dazu. Und komm mir dann bloß nicht mit Traubenzucker oder Cola – das hilft vielleicht für fünf Minuten.
Teresa, 38

Keine Kraft mehr zu reden. Der wahrste Satz der Werbe-Welt ist: „Du bist nicht du, wenn du hungrig bist“. Mein Mann ist genau genommen überhaupt niemand mehr, wenn er hungrig ist. Er verstummt dann nämlich einfach. Das kommt wie aus dem Nichts – plötzlich kommt keine Antwort mehr. Wie ein Roboter, dem man den Stecker gezogen hat. Und das Beste ist, dass ihn der Hunger samt Sprachlosigkeit immer wieder völlig unerwartet trifft. Bleibt mir nur immer eine Not-Wurststulle in der Handtasche mit mir zu führen. Schoko-Riegel gehen dann nämlich auch nicht – der Mann braucht was Richtiges.
Brigitte, 51

Hunger ist mir egal, Durst ist die Hölle. Ich bin selten hungrig und wenn, dann kann ich es gut mit einem Cappuccino überbrücken. Doch wehe, ich habe nicht genug zu trinken dabei. Es gibt nichts Schlimmeres als einen Pappmund zu bekommen. Dieses Gefühl, dass mir die Kehle austrocknet, das hasse ich! Ohne Essen kann der Körper schließlich noch recht lange überleben, ohne Flüssigkeit nicht. Daher: Nie ohne meine Wasserflasche. Mindestens ein halber Liter.
Franziska, 36

Wenn ich nicht alle 3 Stunden esse, werde ich zickig. Eigentlich bin ich ein sehr umgänglicher Mensch. Das ändert sich jedoch, wenn ich zu lange Essenspausen mache. Süßigkeiten sind mir egal und bringen mich auch nicht weiter, ich brauche mindestens alle drei Stunden etwas Vernünftiges – also was Reichhaltiges. Das war schon immer so. Ich esse kleine Portionen, dafür eben häufig. Mein Organismus ist ständig in Bewegung. Damit das nicht unterbrochen wird, habe ich immer etwas Kleines dabei – ein gekochtes Ei, Nüsse, ein Butterbrot. Wenn ich das mal vergesse oder es einfach länger mit dem Essen dauert als erwartet, dann bekomme ich Kopfschmerzen und werde ziemlich anstrengend. Mein Umfeld weiß das und sorgt deshalb immer für etwas Fingerfood oder eine Begrüßungssuppe.
Berta, 48

Ohne Schokolade geht gar nichts. Ich habe einen süßen Zahn. Eine Hauptspeise ohne Nachtisch gibt es bei mir nicht. Mindestens ein Stück Schokolade. Die habe ich auch immer dabei, oder Kekse. Vor allem im Büro. Irgendwann komme ich immer an den Punkt, dass ich einen kleinen süßen Kick brauche. Fehlt der, dann suche ich alles um mich herum ab... und wehe ich finde nichts.
Karla, 37

Ob süß oder deftig, Menschen, die hungrig – oder durstig – sind, können ziemlich ungehalten werden. Daher kann es sich lohnen, im Büro eine Notfall-Schublade zu haben – z.B. mit Bifi, Salzstangen, Crackern, Schokolade, Keksen, Gummibärchen. Die muss natürlich streng verwaltet werden. Auch Handtaschen sollten entsprechend bestückt werden. Aber: Vorsicht! Im Sommer besser keine Schokolade und Lebensmittel wie Wurstbrot oder Banane sollten nicht zu lange aufbewahrt werden. Für den Fall der Fälle: Tief durchatmen, Ruhe bewahren und am besten direkt um Hilfe bitten. Wer sein Hangry-Problem kennt sollte sein Umfeld informieren und Orte an denen man sich länger aufhält nach potenziellen Futterquellen scannen.