Bitte, Mädchen, iss was! Ein Plädoyer gegen den Beilagensalat als Hauptgericht

Kennt ihr diese Frauen, die sich im Steakhouse einen Salat bestellen, immer nur Mineralwasser trinken und nach drei Erbsen behaupten, dass sie pappsatt sind? So eine ist unsere Autorin definitiv NICHT. Dummerweise kennt sie aber genau solche.

von Marie Stadler

Letztens ist es wieder passiert, ich hatte mich mit einer früheren Kollegin im Café verabredet. Glückstaumelnd stand ich vor der Glasscheibe, hinter der sich Cupcakes, Waffeln, Cookies und Zimtschnecken türmten. Puh, ich hätte am liebsten einen riesigen Teller mit einem Exemplar jeder Sorte bestellt, entschied mich dann aber schweren Herzens für die Zimtschnecke und einen Latte Macchiato. Maßhalten ist schließlich eine Tugend. Ich war stolz auf mich. Jedenfalls in den drei Sekunden zwischen meiner Bestellung und der meiner Begleitung. Ihr ahnt sicher, was sie orderte. Richtig: Einen Espresso. Und ob es denn dazu ein Leitungswasser gebe, wollte sie wissen. Ein Leitungswasser. LEITUNGSWASSER? Wie brachte sie es allen Ernstes fertig, all den Köstlichkeiten gegenüberzustehen und ein verdammtes Leitungswasser zu bestellen? 

"Mir liegt das Frühstück noch im Magen"

Als ich sie mit Zimtschnecke und Latte in der Hand verstört ansah, zuckte sie entschuldigend mit den Schultern. "Mir liegt das Frühstück noch im Magen", erklärte sie mir. Um 16 Uhr... "Versteh ich", zischte ich entgeistert. "Ich bin eigentlich auch noch satt von meinem zwölften Geburtstag." Sie überging meinen Kommentar genauso galant wie das Überangebot an Köstlichkeiten und labte sich den Rest des Nachmittags vermutlich an dem Anblick einer Frau mit Konfektionsgröße 42, die sich zu allem Überfluss eine Zimtschnecke reinstopfte und diese dann auch noch mit Latte Macchiato runterspülte. Dabei war mir der Appetit längst vergangen. Nicht, weil ich mich schämte - für Zimtschnecken schämt man sich nicht. Er war mir vergangen, weil die kleinen schwedischen Leckereien doch erst dann richtig gut schmecken, wenn man sie gemeinsam zelebriert, sie mit genüsslichen Grimassen und obszönen "Mmmmmmhhhhh-Lauten" auf der Zunge zergehen lässt und der zimtigklebrigen Zuckermasse darin mit einem gehauchten "KÖSTLICH" huldigt. Aber davon versteht eine Frau wie sie leider nichts. Eine Frau wie sie versteht was von entrahmter Milch, Halbfettmargarine und Brokkoli. Nein, ehrlich, ich habe nichts gegen dünne Frauen, dick bin ich ja auch nicht wirklich. Ich habe nur was gegen Frauen, mit denen man nicht essen kann. Denn Essen macht mich nun mal glücklich und Glück ist erst perfekt, wenn man es teilen kann. Oder?

Dann seid doch wenigstens ehrlich

Ja, es stimmt, im Grunde geht es mich nichts an. Niemand muss sich Kalorien reinstopfen für mein Wohlbefinden. Das ist wahr. ABER es wäre wirklich schön, wenn Frauen, die nichts essen, einfach ehrlich wären. Nein, um 16 Uhr ist man nicht mehr satt vom Frühstück. Leitungswasser kann nicht besser als Fanta schmecken, weil es eben nach gar nichts schmeckt. Und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es Mägen gibt, die nach einem Beilagensalat zu platzen drohen. All das ist Mumpitz! Wenn mir sowas erzählt wird, dann fühle ich mich verarscht. Sagt doch einfach, wie es ist. Dass ihr verdammt  nochmal nicht in Konfektionsgröße 42 enden wollt, so wie ich. Damit könnte ich hervorragend leben. Dann würde ich sagen, dass  ich nicht mit Espresso und Leitungswasser enden möchte, so wie ihr. Und dann könnten wir gemeinsam lachen, uns pudelwohl fühlen, jeder in seiner Haut, mit seiner Tasse.

 Ein Beilagensalat ist kein Hauptgericht

Denn es ist doch so: Egal, was man tut, man bezahlt immer einen Preis. Wer Lederleggins in Weite 25 tragen möchte, muss sich eben zügeln, und wer Zimtschnecken kredenzen möchte, kann mit solchen Leggins halt maximal das Bad putzen. Wie man es macht, es kostet. Also ist die einzige Frage: Was ist mir wichtig? Und was bin ich bereit zu zahlen? Wenn wir damit ehrlich wären, dann könnten wir uns einander nah fühlen, auch wenn wir verschieden sind. Dann könnten wir zusammen ins Café gehen und uns ein bisschen beneiden. Ich euch darum, dass eure Beine fantastisch aussehen. Und ihr mich dafür, dass ich mir ohne schlechtes Gewissen Kalorien reinknalle. Wenn ihr dann noch irgendeinen Freund mitbringen würdet, der ohne mit der Wimper zu zucken eine halbe Torte verdrückt und das mit der gemeinsamen Freude am Essen versteht, ja, das wäre super. Dann könnten wir wirklich gute Freunde werden! Aber echt nur dann... Denn Freunde sind ehrlich zueinander. Weshalb ich gelegentlich auch mal sagen würde: "ES NERVT! UND EIN BEILAGENSALAT IST VERDAMMT NOCHMAL KEIN HAUPTGERICHT!"

 

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Immer nur Salat essen: Frau beißt in Burger
Bitte, Mädchen, iss was! Ein Plädoyer gegen den Beilagensalat als Hauptgericht

Kennt ihr diese Frauen, die sich im Steakhouse einen Salat bestellen, immer nur Mineralwasser trinken und nach drei Erbsen behaupten, dass sie pappsatt sind? So eine ist unsere Autorin definitiv NICHT. Dummerweise kennt sie aber genau solche.

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