Oh je! Wenn Männer grillen und Frauen 100 Salate machen

Wenn Männer grillen, fangen Frauen an, hohlzudrehen. Salätchen hier, marinierte Paprikaspießchen da, dann noch ein paar Tomaten-Mozzarella-Alu-Schiffchen und ein fettarmes Trüffelmargarinchen zum Drüberträufeln. Schluss damit, sagt unser Autor. Wenn Männer grillen, wollen sie damit etwas Gutes tun und nicht für den Wochenburnout ihrer Frauen am Samstagabend sorgen.

von Michael Körner

Du hast es gut gemeint. Das weiß ich. Als ich dir sagte, dass ich heute Abend den Grill anschmeiße, bist du schon nervös geworden. Hast ne Einkaufsliste geschrieben. Die Kühlschrankreserven gecheckt. Deine Ärmel hochgekrempelt. "Kann ich doch machen, das mit dem Einkaufen", hab ich gesagt. Du hast mich mitleidig angelächelt, weil du weißt, dass ich die Hälfte nicht mitbringen würde. Dass ich zwar an der Fleischtheke vorbeigehen, aber das Gemüseregal links liegen lassen würde. Keine Tomatenschiffchen. Kein frisches Basilikum. Keine Zucchini.

Was du nicht weißt: Warum ich das mache.

Was du für eine egoistische Nummer hältst, ist meine Art, dir zu sagen, wie sehr ich dich liebe. Dass ich sehe, was du die ganze Woche geleistet hast und wie müde du davon sein musst. Deshalb wollte ich dir etwas Gutes tun. Ganz im Sinne unserer Ahnen wollte ich dir ein Schwein jagen (bei EDEKA), es aufspießen (die Folie entfernen) und es für meine Familie ins Feuer werfen (oder auf das Rost). Und irgendwie hatte ich wieder mal gehofft, dass dir das reicht. Irgendeine Paprika oder so hätten wir bestimmt noch im Kühlschrank gehabt. Ohne Grünzeug geht es nicht, hast ja recht. Aber musst du daraus eine Wissenschaft machen?

Kannst du dich noch an früher erinnern, als wir uns mit ein paar Freunden, einer Packung Würstchen, einem Einmalgrill und einem Kasten Bier im Park getroffen haben? Da hast du mich so bewundernd angeguckt, wenn ich deine Flasche mit den Zähnen aufgemacht hab. Du hast dein Würstchen gegessen und dich mit glänzenden Augen an meine Schulter gelehnt. Hast dich entspannt und uns Jungs das mit dem Einweggrill machen lassen. Und ich hatte das Gefühl, ein toller Kerl zu sein.

Wenn ich heute sage, dass ich den Grill anschmeiße, dann will ich eigentlich nur, dass du wieder so glücklich bist wie früher. Dass du dich an mich lehnst und mich ein bisschen bewunderst für den feuermachenden und bieröffnenden Neandertaler in mir. Du sagst, dass du Bier nicht mehr abkannst, weil Bier fett macht. Aus dem Alter, in dem du dir das leisten kannst, seist du leider raus. Ich weiß, dass du dich nicht gerne irrst, aber an dieser Stelle irrst du dich gewaltig. Ich finde, dass du auch mit den paar Kilos mehr verdammt gut aussiehst und dass dir eine Flasche Bier in der Hand hervorragend steht. Aber am allerbesten gefällst du mir, wenn du glücklich bist. Deshalb wollte ich den Grill anmachen. Das Schwein jagen. Es ins Feuer werfen. Ich wünschte, du könntest das verstehen.

Ich geh jetzt einkaufen. Bis du deine Liste fertig hast, bin ich längst wieder hier mit meinem Schwein. Und einem Fertigkrautsalat. Falls ich den nicht vergesse.