Bleibt mir weg mit Runtastic, ihr Poser!

Porsche, Louis Vuitton und Chanel scheinen out zu sein. Der internetaffine Angeber trägt jetzt dick auf mit Sport-Apps. Aber wollen wir wirklich immer wissen, wer wann warum und wie schnell was getan hat?

von Marie Stadler

Da sitzt man nichtsahnend mit seinem Nutellabrötchen vor dem Laptop und schon ploppt bei Facebook wieder irgendein Runtastic-Ergebnis auf. Aha. Ralf-Jürgen Hastenichgesehen ist also grade unterwegs, hat schon 9 Kilometer und 257 Kalorien hinter sich gelassen und ist laut Kommentar stolz auf sich. Wie schön für ihn. Wollt ich aber gar nicht wissen. Ich wollte einfach nur mit meinem Schlafi, einem Latte Macchiato und meinem Brötchen gemütlich in den Tag starten. Aber nein, ich sehe ein Selfie von einem hochroten Kopf und Ralf-Jürgens Joggingroute. Und da versuch du mal, kein schlechtes Gewissen zu bekommen. Du, mit der Nutella-Weißbrot-Masse in der Backentasche und dem Vorsatz, den halben Tag im Pyjama zu verbringen.

Was wollt ihr mit mitteilen?

Ich frage mich, wie die Leute das früher gemacht haben. Haben die beim Joggen von der Telefonzelle aus alle ihre Verwandten, Bekannten und Freunde angerufen und die Telefonkette des Handballvereins in Gang gesetzt, um mitzuteilen, dass sie jetzt schon zwei Kilometer geschafft haben? Oder haben die tatsächlich noch Sport für sich selbst gemacht? Das wäre ja unglaublich! Aber wie sollten die dann wissen, ob sie das mit dem Laufen gut gemacht haben, wenn sie keine 15 Likes bekommen haben und keiner mit "Holla die Waldfee, du hast es aber drauf!" kommentiert hat? Man weiß es nicht. Aber ich frage mich immer noch jedes einzige Mal: Was willst du mir eigentlich sagen? Und wie kann ich Ralf-Jürgen helfen? Denn offensichtlich braucht er ja irgendetwas, wenn er sein Ergebnis in meinen Facebook-Feed entleert.

Vielleicht sollte ich es auch mal versuchen

Lustig finde ich die Vorstellung, Runtastic zu nutzen, aber auch irgendwie. Jetzt nicht wie ihr denkt, mit echtem Joggen. Nein, eines Tages werde ich mich einfach bei allen, die mir mein Nutellabrot und meine Faulheit vermiesen wollten, rächen. Ich werde mich ins Auto setzen, mit 40 Sachen durch die halbe Stadt heizen, dann in die Sauna gehen, meine rote Birne fotografieren und mich auf Facebook für meinen Marathon feiern lassen. Dann wollen wir doch mal sehen, wer sich hier schlecht fühlt. Ach... oder aber ich bleib einfach mit meinem Nutellabrötchen sitzen und lerne, damit umzugehen, dass es halt einfach Menschen gibt, die gefeiert werden wollen. Und dass das im Grunde rein gar nichts mit mir und meinem Nutellabrot zu tun hat. Vielleicht ist das die Lektion, die das Universum und Ralf Jürgen mir in Form von Runtastic-Ergebnissen erteilen wollen. OMMMM.

Diesen Inhalt per E-Mail versenden

Bleibt mir weg mit Runtastic, ihr Poser!

Porsche, Louis Vuitton und Chanel scheinen out zu sein. Der internetaffine Angeber trägt jetzt dick auf mit Sport-Apps. Aber wollen wir wirklich immer wissen, wer wann warum und wie schnell was getan hat?

Du kannst mehrere E-Mail-Adressen mit Komma getrennt eingeben

E-Mail wurde versendet
Deine Mail konnte leider nicht versendet werden