Chia-Bowls, Kale-Smoothie? Es reicht langsam mit diesen Foodtrends!

Isst du noch oder ernährst du dich schon? Unsere Kolumnistin zeigt sich diesmal angefressen – die neuen Food-Trends liegen ihr schwer im Magen 

Karina Lübke

Möglicherweise bin ich ein Naturwunder, denn ich wuchs gesund auf eine Länge von 175 Zentimetern heran, ohne eine einzige Avocado zu essen, die mittlerweile Brot, Butter und Milch als Grundnahrungsmittel abgelöst hat. Wir hatten weder Papayas, Süßkartoffeln, Mangos noch Matcha auf dem Speisezettel.

Infekte heilten ohne Ingwershots oder Kurkuma aus, und kein Mensch fermentierte Kombucha. Wir aßen von Tellern, nicht aus Futterschüsseln, neuerdings „Bowls“ genannt. Essen sollte satt machen und super schmecken; Superfood musste es nicht sein.

Heute wetteifern nicht nur Food-Bloggerinnen um die Neuentdeckung der seltsamsten und teuersten Zutaten. Man macht daraus natürlich auch kein einfaches Essen mehr, sondern heilt Körper und Geist oder richtet zumindest die Regale seiner privaten Showküche damit ein. Darin wird kaum gekocht und wenig gekaut, nur kalt gepresst, gemixt und geschluckt.

Appetitlich wie Froschlaich

Ich fürchte, die Evolution verzichtet beim Hipster künftig auf Zähne: Die werden nur noch zum Bleachen und Blecken gebraucht, bevor man kindisch seinen Apfel-Spinat-Kokoswasser-Smoothie nuckelt. Ich ekle mich ja vor dieser undefinierbaren Pampe. Auch „Pudding“ aus glibberigen Chia-Samen finde ich appetitlich wie Froschlaich.

Und die Bedeutung von Kohl kommt mir total aufgebläht vor, egal in welcher Sprache er mir schmackhaft gemacht werden soll: „Kale ist ein Star unter den Gemüsesorten!“, jubelt das Ernährungsportal „eatclever“. Aha, also ein VIV – Very Important Vegetable. Zumindest stimmt, dass gesunde Ernährung ein schreckliches Theater geworden ist: Im Ensemble gibt es feste Größen, die jedes Rezept aufwerten – Brokkoli etwa.

Komplizierte Charaktere wie Hanfsamen und Kokoswasser übernehmen kleinere Auftritte. Eier finden sich in der Rolle der Skandalnudel wieder – von allen geliebt, unheimlich wandelbar, aber mit durchaus ungesunder Seite. Sprossen sind als pathologische Keimfreunde seit dem Auftritt von Ehec beim Publikum durchgefallen.

Der Wasserwahn

Schwer verdaulich finde ich, mir plötzlich so viel über das Trendorgan Darm anhören zu müssen. Beim Espresso nach dem Dinner will ich nichts über die von Gwyneth Paltrow propagierten Kaffee-Klistiere hören. Typen, die ihre Bauchgefühle zum Gesprächsthema machen, scheiden für mich aus.

Ich vergräme sie mit dem größten Schocker: Mein Leben lang trinke ich Wasser aus dem Hahn. Mein Vater war Geohydrologe für Wasserwerke und immer stolz darauf, dass Trinkwasser in Deutschland eines der am besten überwachten Lebensmittel ist, dessen Reinheit nur durch alte Leitungen im Haus getrübt werden kann.

Doch nun schwappt die neuste Welle aus Hippie-Kalifornien rüber: „Raw Water“, unbehandeltes Wasser – wird an öffentlichen Flüssen abgefüllt und damit beworben, frei von Fluor und Chlor zu sein. Voll lebendig und bio! Das sind Fäkalkeime allerdings auch. Die Flaschen zu 31 Dollar sind dauernd ausverkauft: Zumindest dieser Trend wird sich wohl totsaufen. 

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Frau erschiesst sich mit Banane
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