Die Zicke unter den Reisgerichten

Es schmeckt köstlich, aber steckt voller Tücken: das Risotto. Aber warum verhunzten wir das Ding eigentlich immer?

Neulich Abend war ich bei meiner besten Freundin zum Geburtstag eingeladen. Zur Feier des Tages kam ein Risotto auf den Tisch. „Och nee, Risotto“, dachte ich im Stillen, weil ich tatsächlich kein besonders großer Fan von diesem meist breiähnlichem Gericht bin. In diesem Fall handelte es sich allerdings um ein verdammt gutes Risotto. Geschmack und Konsistenz waren auf den Punkt gelungen. Ich war so hin und weg, dass ich zweimal Nachschlag nahm, obwohl ich eigentlich längst pappsatt war. Logisch, dass ich am Ende des Abends unbedingt das Rezept haben wollte, um mich nach Jahren auch mal wieder an einem Risotto zu versuchen, was dann am Ende hoffentlich in einem Brei enden würde. Und dann kam sie, die ernüchternde Antwort: „Das hat unser Thermomix gezaubert.“

Genauso schnell verhunzt, wie zubereitet

Na toll, das war ja klar. Der Thermomix mal wieder. Aber immerhin wurde mir auf diesem Weg die Sorge genommen, dass meine beste Freundin, die seltener den Kochlöffel schwingt als ich, ein derart perfektes Risotto einfach mal so aus dem Ärmel schüttelt. Das empfand ich dann doch irgendwie als beruhigend. So ein Risotto ist nämlich schon eine ziemliche Zicke -  und das trotz simpler Zutaten und einer verhältnismäßig kurzen Zubereitungszeit. Im Grunde ist es das perfekte Gericht für Besuch, wenn es nur nicht genauso schnell verhunzt, wie zubereitet wäre. Es gibt wohl kaum ein Gericht, was so einen auf Diva macht, wenn man ihm nicht die ungeteilte Aufmerksamkeit schenkt. Die Strafe: Eine klebriger Brei, der nichts mehr mit der von Tim Mälzer als „schön schlotzig“ bezeichneten Textur zu tun hat, sondern vielmehr mit pappigen Milchreis.   

Das verzeiht ein Risotto nie

Es gibt ein paar Dinge, die garantiert dazu führen, dass ein Risotto so richtig in die Hose geht und man schlussendlich gezwungen ist den Lieferservice zu rufen. Es fängt damit an, dass der Risottoreis – nicht etwa irgendein beliebiger Rundkornreis -  vor dem Kochen eine Runde schwitzen möchte. Das Ganze am liebsten zusammen mit Butter und Zwiebeln. Nur so entlockt man ihm nämlich sein volles Aroma. Anderenfalls behält er es eiskalt für sich. Außerdem wird beim Anschwitzen die Stärke gebunden, was verhindert, dass die Reiskörner später wie verrückt aneinander kleben. Wenn der Reis dann genug vom Schwitzen hat, wird mit Brühe abgelöscht. Jetzt kommt es auf die richtige Temperatur an, denn kaltes Wasser mögen die sensiblen Körner nun wirklich nicht. Wer also nicht will, dass sie sich beleidigt zusammenziehen und hart werden, erhitzt die Brühe lieber vorher. Ist zwar ein Topf mehr, der abgewaschen werden muss, aber was tut man nicht alles für eine Diva, nicht wahr?! Und während der Reis vor sich hin kocht, darf auf keinen Fall das Rühren vergessen werden. Aber bloß nicht zu viel, denn dadurch wird Luft untergehoben, was den Reis abkühlen und klebrig werden lässt. Nicht rühren geht aber auch nicht, dann brennt er nämlich ziemlich schnell an. Die Mischung macht’s. Ist doch wirklich nicht so schwer, oder? Kurz vor Ende der Garzeit – das ist übrigens dann, wenn die Reiskörner noch bissfest sind und sich das Risotto zähflüssig um den Kochlöffel bewegt – wird die Diva gerne noch von  Butter liebkost. Klingt fett, ist es auch, sorgt aber für mehr Geschmack und den Feinschliff in Sachen perfekte Sämigkeit. Und dann: Bon Appetit! 

Geduld zahlt sich aus

Ja, so ein Risotto hat Tücken. Keine Frage. Und davon sogar ein paar mehr. Aber hey, wenn alles glatt läuft, schmeckt es am Ende auch echt ziemlich lecker. Geduld zahlt sich eben aus! Ich habe allerdings beschlossen  mich, wenn es um Risotto geht, nur noch bekochen zu lassen.  Denn für Menschen, die am Herd zu Ungeduld neigen, ist das einfach nichts. Dafür will die Diva unter den Reisgerichten meines Erachtens einfach eindeutig zu viele Streicheleinheiten bevor es ans Verspeisen geht. Ich plane allerdings mir einen Thermomix zu zulegen. Und das der mir mit etwas Zutun ein perfektes Risotto zaubert, weiß ich dank meiner besten Freundin jetzt ziemlich genau.

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