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Eine andere Welt: Warum lieben bloß alle diesen hässlichen Thermomix?

Eine andere Welt: Warum lieben bloß alle diesen hässlichen Thermomix?
© Getty Images
Ihre Freundinnen nerven unsere Autorin mit ihren hysterischen Lobeshymnen auf den Thermomix. Dann wurde sie sogar auf eine Party eingeladen, auf der sie einen Thermomix kaufen konnte. Danach war sie sich sicher: Sie will keinen haben. Niemals. 
von Viola Kaiser

Bitte, liebe Freundinnen aus der Thermomix-Welt, seid mir nicht böse! Ich weiß, dieses Gerät liegt euch sehr am Herzen. Denise, Tanja und Vanessa, mir ist klar, dass es euch glücklicher macht als es jeder Diamantring, jeder Luxusurlaub, ja, sogar der beste Sex je könnte. Ich nehme euch euer Gefühl für diese Maschine wirklich ab, ich verstehe es nur nicht.

Dabei habe ich mir Mühe gegeben. Ehrlich. Ich war sogar auf einer Thermomix-Party. Meine Freundin Denise hatte mich dazu eingeladen, eine Freundin von ihr wollte noch ein paar der Geräte verticken, um sich ihr eigenes zu finanzieren. So läuft das Prinzip schließlich. Und da beginnt schon das Mysterium um diese magische Maschine: Man kann nicht einfach in einen Laden gehen und einen Thermomix kaufen. Man muss eine Vertreterin kennen – oder eben eine gebrauchte bei eBay ausfindig machen.

Ich dachte, der Thermomix kann alles - falsch.

Diese Thermomix-Party war auf jeden Fall (abgesehen vom Kochen) super. Wir waren eine amüsante Runde, wir lachten und redeten und rauchten zwischen den Gängen auf dem Balkon zwei, drei oder auch vier Zigaretten. Die meisten von uns waren ahnungslos zu dieser Veranstaltung gekommen, eine hatte sogar etwas zum Essen mitgebracht, weil sie dachte, dass wir uns einfach nur einen hinter die Binde kippen würden. Wir lachten auch darüber.

Artig füllten wir die mitgebrachten Bögen aus, in denen wir Angaben zu unserer Person machten, wir schnitten und wuschen Zucchini und Möhren, formten Brot, tranken noch ein Glas Sekt. Wir machten den passenden Aufstrich zum Brot und aßen eine Art Geschnetzeltes mit Gemüse und ohne Fleisch, danach ein Himbeer-Schicht-Dessert. Wir stiegen auf Schnaps um. Alles schmeckte wirklich lecker. Aber wir hatten ja auch dafür gearbeitet. Wir bemühten uns interessiert zu wirken und Komplimente zu machen. Die Thermomix-Vertreterin machte ihren Job wirklich hervorragend. Sie erklärte uns, was es alles für Rezepte gibt und dass sie keine Töpfe mehr braucht, weil sie jetzt ihren besten Freund – den TM – hat. Sie wirkte überzeugend, aber sie überzeugte mich nicht. 

Irgendwann hatte eine Freundin von mir einen Geistesblitz und fragte: "Kann man in dem Thermomix auch karamellisieren?" Die Antwort lautete "nein, die Temperatur ist zu niedrig". Das schafft er nicht?! Ich war verblüfft. Die Zaubermaschine kann nicht mal Zucker richtig schmelzen? 

Wahrscheinlich war mein Anspruch zu hoch, denn irgendwie hatte ich nach den ganzen Erzählungen erwartet, dass der Thermomix alles kann. Gemüse schneiden. Oder Kartoffeln schälen. Oder ganz alleine die Spülmaschine bedienen. Oder meine Kinder ins Bett bringen. Falsch gedacht. Natürlich war das bescheuert von mir, aber Reis kochen und dazu eine Sauce mit Gemüse machen, kann ich tatsächlich selbst. Ich weiß, dass das Tolle daran ist, dass ich alles nur in den Thermomix tun muss, er selbst zubereitet, ich nicht dabeistehen muss. Das ist ein Vorteil, ganz klar: Schnippeln, waschen, vorbereiten muss aber leider immer noch ich. Und das sind nun mal die Sachen, die mich persönlich am meisten nerven.

Der Thermomix kostet 1.000 Euro. Dafür bekomme ich 300 mal Aufstrich beim Türken 

Dazu kommt etwas anderes: Ich finde den Thermomix nicht schön. Um nicht zu sagen hässlich. Er ist ein riesiges Ungetüm, das viel Platz wegnimmt – und er ist schlicht und einfach sauteuer. Ich brauche ihn nicht. Auch nicht für den Milchreis, "der darin absolut perfekt wird. Sonst brennt er mir immer an", wie mir Sandra neulich versicherte. Oder für den Brotaufstrich, der "himmlisch" schmeckt, wie Vanessa mir schon etwa 153 mal gepredigt hat. Es fällt den TM-Fans einfach schwer zu begreifen, dass nicht jeder so ein Teil haben muss. Mit mir und dieser Maschine – es tut mir leid,  aber das wird in diesem Leben nichts mehr.

Für mich ist das Ganze eine großartige Marketingidee, ein wirklich intelligenter Verkaufscoup, eine beeindruckende Erfolgsgeschichte. Das ändert aber nichts daran, dass ich den Thermomix für ein unästhetisches, überteuertes, seelenloses Ding halte. So, jetzt ist es endlich raus! Vielleicht ist das so, weil ich nur sehr einfache Rezepte koche, die mit etwa zwei Töpfen funktionieren. Vielleicht, weil es mich entspannt am Herd zu stehen und mit Holzlöffeln in Saucen zu rühren – oder vielleicht bin ich einfach noch nicht reif genug für diese sensationelle Entdeckung. Ich weiß bloß, dass ich für 1000 Euro etwa 300 mal extrem leckeren Aufstrich beim Türken um die Ecke bekomme und Milchreis eklig finde. 

Übrigens gehe ich trotz alldem mit großer Freude zu jeder Einladung von Denise, Tanja und Vanessa. Schließlich sind sie meine Freundinnen, und wir leben in einer Demokratie. Außerdem schmeckt die Rezepte, die sie im Thermomix zubereiten, immer wunderbar. Ich mag nur nicht mehr so viel über seine Herstellung in der Wundermaschine reden. Ich bin nicht zu bekehren. Ich werde eine altmodische, nichtsahnende Küchenbanausin mit einfachem Pürierstab und schlichten Töpfen bleibenIch weiß, dass es viele Gründe gibt, den Thermomix zu lieben. Ich hasse ihn auch nicht. Ich möchte trotzdem keinen. Wirklich nicht. Nicht mal geschenkt, liebe Freundinnen!


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