Einen Schwips, bitte! – Warum ein kleiner Glimmer glücklich macht

Kennt jeder: Wenn man GANZ LEICHT EINEN SITZEN hat, sind die Ecken runder, und die Welt ist ein besserer Ort. Nicht, dass wir Sie zum Trinken verführen wollen, aber in der richtigen Dosis lässt sich Glückseligkeit herbeitrinken

von Dorthe Hansen (Interview)

Wenn eine weiß, wie trinken geht, dann sie. Die britische Komödiantin und TV-Größe Cleo Rocos, 55, ist schon mit Freddie Mercury und Lady Di um die Häuser gezogen, sie brennt ihren eigenen Tequila und schwört auf den perfekt dosierten Schwips.

 

BARBARA: Frau Rocos, wie viele Drinks braucht ein gelungener Abend?

Das variiert von Abend zu Abend und von Mensch zu Mensch. Aber meist reichen schon zwei Drinks, um Sie an den Punkt zu bringen, an dem Sie sich wie eine bessere Version Ihrer selbst fühlen.

Meist bleibt es dann ja aber nicht bei zwei Getränken. Und plötzlich macht man schlechte Scherze und lacht viel zu laut.

Für mich klingt das großartig!

Nein: peinlich!

Ach, kommen Sie! Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass fast jeder nach einer beschwipsten Nacht so denkt – nur über sich selbst, nie über die anderen? Laut zu lachen und albern zu sein ist nicht das Schlimmste, was einem passieren kann. Unser Alltag wird von so vielen Regeln bestimmt, da sollten wir uns ruhig gestatten, mal Spaß zu haben. Und ich würde sagen, dass wir der Person, die wir wirklich sind, näher kommen, wenn wir ein paar Drinks intus haben.

Also doch ein paar mehr?

Dem einen genügt einer, andere brauchen fünf, um warm zu werden. Und natürlich hat man viel mehr vertragen, als man noch jünger war.

Allerdings. Manchmal reicht heute schon ein Bier für einen Kater.

In jungen Jahren hat man meist auch getanzt, wenn man getrunken hat. Mehr Bewegung, mehr Atmen, kleinerer Kater. Und: Bier ist voll von Zucker. Der macht Kopfweh.

Ist Wein besser?

Wein ist tückisch. Besonders Weißwein: Er schmeckt besser, wenn er kühl serviert wird. Also trinkt man ihn schnell, solange er kalt ist – und will dann noch einen. Aber Wein entfaltet seine volle Wirkung erst nach 60 Minuten. Sie liegen also immer eine Stunde zurück. Außerdem sind in Wein oft so viele Zusätze drin, die Pflanzen werden mit Pestiziden behandelt. Wenn Wein, dann bitte bio. Je reiner, desto weniger Dröhnen. Ich hasse Kopfweh.

Gehört aber zum Alkohol, oder?

Aber nein! Die meisten Leute trinken einfach das Falsche. Ich finde, man sollte allen beibringen, wie Trinken richtig geht.

Dann helfen Sie uns: Wie geht es?

Die Leute unterschätzen, welche Rolle das Essen beim Trinken spielt. Das können nur Franzosen und Italiener, die immer noch einen weiteren Gang auftischen und eben dazu trinken. Aber am Ende steht und fällt alles mit der Qualität des Alkohols. Meist sind einfach zu viele Zusätze drin. Zu viel Zucker sowieso.

Wo lauern denn die Zuckerfallen?

Etwa in Likören, Sirups und Fruchtsäften, die man Cocktails beimischt. Bei Hochprozentigem auch in Farbstoffen auf Zuckerbasis. Schauen Sie aufs Etikett: Je unverfälschter Alkohol ist, desto verträglicher wird er. Deshalb trinke ich am liebsten Tequila, pur oder als Cocktail.

Autsch, Tequila? Mit Salz und Zitrone, aus Schnapsgläsern gestürzt?

Das macht man nur, wenn Alkohol nicht schmeckt. Ich habe vor vielen Jahren meinen ersten guten Tequila in Mexiko getrunken. Und weil der in England nur sehr teuer zu haben war, meine eigene Marke gegründet. Mein Tequila wird in Mexiko ausschließlich aus der blauen Weber-Agave und Vulkanwasser gemacht. Der ist so mild, den kann man pur in kleinen Schlucken trinken. Oder als Margarita: 40 ml 100-Prozent-Agave-Tequila mit dem Saft einer Limette und 15 ml Bio-Agavensirup und Eis im Shaker schütteln, dann in einen mit Eis gefüllten Tumbler seihen. Cheers!

Was raten Sie, wenn einem doch mal die Zunge schwer wird?

Verabschieden Sie sich, da kommen Sie so schnell nicht wieder raus. Meine liebste Ausrede: „Ich hab morgen einen Gerichtstermin.“

Ihr letzter Kater?

Ach, ewig her. Muss Champagner gewesen sein, den ich aus Höflichkeit getrunken habe. Normalerweise hab ich immer eine Flasche Tequila in der Handtasche, den teile ich gerne mit anderen Gästen.

Oh, riesige Handtasche?

Die ist mittelgroß und von Vivienne Westwood. Aber eine Flasche und kleine Trinkbecher passen rein.

Verraten Sie uns noch, wie Lady Di unerkannt mit Ihnen und Freddie Mercury durch die Nacht tingelte?

Nun, sie hat sich als Mann verkleidet, um eine Schwulenbar von innen zu sehen. Niemand enttarnte sie, obwohl sie wirklich nur mit sehr viel Wohlwollen als Kerl durchging.

Mehr über die inneren Werte (im Glas):

„Der gepflegte Rausch“
(Rowohlt, 2015: 12 Euro) von Cleo Rocos.

Ihr Tequila „AquaRiva“ soll bald auch hierzulande erhältlich sein.

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