Kochboxen – Was können die Gerichte aus der Box?

Nie mehr einkaufen. Dank Kochboxen bekommen wir unsere Lebensmittel inklusive Rezepte nach Hause geliefert. Nur kochen müssen wir noch. Kann das funktionieren?

von Diana Huth

 

Nach einem stressigen Tag möchte man alles andere, als wertvolle Minuten im Supermarkt zu vergeuden. Der Kampf um die letzten Bananen, das Warten an Fleisch- und Käsetheken, dann auch noch an der Kasse und natürlich holt der Mensch vor uns seinen letzten Cent aus den Tiefen seiner Hosentasche. Dann doch lieber zum Italierner um die Ecke. Blöd nur, dass es da auch wieder voll ist. Und Kochen kann ja auch Spaß machen. Also, wie wäre es mit einer Kochbox? Die werden uns bequem nach Hause oder ins Büro geliefert, Rezepte gibt es gleich obendrauf und so spart man sich den Stress im Supermarkt. Wir haben fünf Boxen auf ihre Alltagstauglichkeit getestet:

 

HelloFresh 

Eine der bekanntesten und populärsten Kochboxen ist die von HelloFresh. Hier gibt es eine Auswahl an 8 Gerichten pro Woche. In die Box kommen entweder drei oder fünf davon für 2 oder 4 Personen. Um verschiedene kulinarische Vorlieben zu bedienen, gibt es die Kategorien: Neue Entdeckungen, Veggie, Leichter Genuss und Zeit sparen. Außerdem stehen bei den Wochenrezepten online auch immer gleich die Zubereitung, Nährwertangaben, der Schwierigkeitsgrad und die voraussichtliche Zubereitungszeit dabei. Ganz neu bei HelloFresh ist die Grillbox, in der sich Vorspeise, Hauptgericht und Dessert für 2 oder 4 Personen befinden. Preislich kostet ein Gericht pro Person in der Wochenbox zwischen 4,50 Euro und 8 Euro. Die Grillbox kostet für 2 Personen 44,99 Euro (also knapp 23 Euro für drei Gänge) und 65,99 Euro für 4 Personen (= 16,50 Euro für drei Gänge).

In der HelloFresh Box findet man Papiertüten mit verschiedenfarbigen Klebestreifen. Der Farbe wird jeweils eine Rezeptkarte zugeordnet. Außerdem ist da noch eine Plastiktüte, die mit isolierender Schafswolle ausgelegt ist und mehrere kalte Gelkissen enthält. Alles recht übersichtlich.
Die Zutaten waren frisch und z.T. in Bio-Qualität (Schokolade, Milchprodukte). Etwas nervig waren die einzeln verpackten Mini-Mayos, die allesamt in die Ajoli kamen. Die Ajoli war dafür sehr lecker und so auch der Burger insgesamt. Die Vor- und Zubereitung war einfach und die Menge der drei Gänge reichlich. Für einen Grillabend mit Freunden perfekt. Auch die Gerichte aus der Wochenbox waren sehr lecker – eine gute Mischung aus Standards wie Hähnchen süß-sauer, Steak mit Gemüse und Kartoffelbrei ergänzt mit reichhaltigen vegetarischen Optionen wie Spinat mit Nudeln, Rote Bete und Ziegenkäse.

Fazit:
Frische und hochwertige Zutaten. Alles ließ sich recht leicht zubereiten (wenngleich unsere Gesamtzeit etwas länger war als die angegebene Prognose) und war lecker. Lieferung einwandfrei (bundesweit vormittags, in einigen Städten auch abends).

 

Marley Spoon

Bei Marley Spoon gibt es pro Woche 10 Gerichte zur Auswahl. Auch hier werden bestimmte Vorlieben wie vegetarisch, fit & gesund, kinderfreundlich, Fleisch, glutenarm, ohne Milchprodukte und eure Lieblinge berücksichtigt. Letzteres sind Gerichte, die in den Kundenbewertungen am besten abgeschnitten haben. Ähnlich wie bei HelloFresh findet man die Wochenrezepte online und mit Zusatzinformationen wie Nährwerten, Schwierigkeitsgrad und Zubereitungsdauer. Es gibt Boxen für 2-3 Personen und 4 Personen mit jeweils 2, 3 oder 4 Gerichten. Je nach Boxgröße kostet ein Gericht pro Person 4,50 Euro bis 8,75 Euro.

In der Marley Spoon Kochbox findet man bekannte Marken und Produkte, z.B. Erdnüsse von Ültje und Knödelteig von Henglein. Die Zutaten befinden sich in Papiertüten, auf denen das Gericht steht und die Kühlwaren sind ebenfalls durch Schafswolle und Kühlpacks gut gekühlt. Die Zubereitung war recht leicht und von der exotischen Kimchi-Udon-Pfanne waren sogar Kinder begeistert. Hier wurde allerdings nur die halbe Schärfe verwendet.

Fazit:
Solide Standardgerichte können mit Marley Spoon schnell gelingen. Wer mal was Neues bzw. Exotisches probieren möchte, wählt einfach ein solches Gericht in die Box und braucht sich Zutaten und Zubereitung nicht erst mühsam zusammensuchen.   

 

Kochhaus

2010 eröffnete in Berlin das erste Kochhaus – ein Feinkostladen, der sich als „begehbares Rezeptbuch“ versteht. Die Zutaten für 18 saisonal wechselnde Gerichte können hier für 2 oder 4 Personen in den passenden Mengen eingekauft werden. Wenn man eine Zutat noch in der Vorratskammer hat, lässt man sie weg und der Preis reduziert sich. Weil's praktisch ist, stieg die Nachfrage und mittlerweile gibt es 12 Kochhäuser in Deutschland. Wer zu faul ist, ins nächste Kochhaus zu gehen oder einfach zu weit weg wohnt, kann sich eine Kochbox nach Hause bestellen. Pro Woche gibt es drei Liefertage und bis zum Vorabend des Liefertags kann die Bestellung noch aufgegeben, gekündigt oder geändert werden – in Kochhausstädten sogar noch am Liefertag bis 10 Uhr. Aus den 18 Gerichten können je Box zwei bis fünf für 2 oder 4 Personen gewählt werden. Je nach Variante kostet eine Mahlzeit ab 4,50 Euro. Auch im Sortiment: eine Veggie-Box und eine Dinner-Box mit zwei Gängen.

Die Kochbox des Kochhauses ist keine wirkliche Box, sondern kommt in Papiertüten zu euch ins Haus. Durch einen Kühlakku gut gekühlt sind die Lebensmittel sortiert nach Gericht in den Papiertüten zu finden. Ein Plus: Plastik war kaum vorhanden. Ein Ei zum Beispiel wurde schonend verpackt in einem Eierkarton geliefert: Nicht nur besser für die Umwelt, sondern auch für unseren Verpackungsmüll. Die Zutaten waren frisch, hochwertig und die Gerichte sorgten für eine kleine Geschmacksexplosion. Wie wichtig eine Soße sein kann, zeigte sich z.B. bei den Chimchurri-Tacos: Das Pesto aus den Kräutern mit Öl und Essig gab eine herrlich erfrischende Note. Die Limette im vegetarischen Pad Thai und beim Erdbeer-Limetten Cheesecake ebenso.

Fazit:
Viel Flexibilität bei der Lieferung bzw. deren Anpassung, leckere Kreationen bei denen die Koch(haus)-Leidenschaft zu schmecken ist und wenig Verpackungsmüll.

 

Tapasion

Hier kommt unser Exot unter den Kochboxen: Tapasion. Das Startup mit spanischem Flair ist mal was anderes. Spitze für alle, die Tapas lieben, etwas Neues probieren wollen und/oder Fingerfood für eine (spanische) Party brauchen. Es gibt vier Varianten: die klassische Mischung, eine Variante mit Fisch, eine mit extra viel Fleisch und eine vegetarische Version – jeweils für 2, 4 oder 6 Personen, ab 39,90 Euro plus 4,95 Euro Versand. Die Lieferung erfolgt immer freitags und die Lieferzeit richtet sich nach der Postleitzahl.

In den Tapasboxen sind alle Zutaten, die benötigt werden (außer Mehl und Salz/Pfeffer). Außerdem eine Schritt-für-Schritt Anleitung für die Zubereitung. Ideal für die gemeinsame Zubereitung in kleinen Gruppen und nicht besonders schwer. Pro Box gibt es vier bis fünf verschiedene Tapas - da ist definitiv für jeden etwas dabei. Die Zutaten sind hochwertig und das schmeckt man auch. Wer noch ein bisschen mehr mag, stöbert im Spezialitäten-Shop oder verschenkt einen Kochkurs. Tapas Olé.

Fazit:
Toll für gemeinsame Abende in kleiner Runde und als Fingerfood für Events und Partys. Lecker und nicht nur für Tapas-Fans ein Gaumenschmaus. Oder wie sie es sagen, ein „Kurzurlaub für die Sinne“.

 

Die Grüne Kiste – regionale Bio-Kisten

Unser Underdog unter den Kochboxen: die Bio-Kiste. Vielleicht nicht so nah wie der nächste Supermarkt, dafür meistens frischer und auch nicht weit weg. In unserem Fall war es „Die grüne Kiste“ vom demeter-Hof Gut Wulfsdorf. Hier gibt es verschiedene Kisten zur Auswahl, z.B. Obst, Gemüse, Single-/Mischkiste, Mutter und Kind, Kartoffeln und Firmenobst. Außerdem gibt es die Möglichkeit einer Wunschbestellung einzelner Produkte und es können Produkte ausgeschlossen werden. Saisonale Rezepte gibt es auf der Rückseite der Rechnung „damit die Bezahlung nicht so schwer fällt“ und auf der Homepage. Wir bekamen eine kleine Mischkiste und zwei Milchprodukte – ab 11,50 Euro.

Diese Kiste hat mit Abstand am wenigsten Verpackungsmüll. Sowohl die Holzkiste als auch die Gläser werden zurückgenommen. Hier wird mit einem Pfandsystem gearbeitet. Ansonsten gab es eine kleine Plastiktüte für die Kräuter, fertig. Gemüse und Obst waren merkbar (feld-) frisch und knackig. Der natürliche Dreck im Salatkopf gehört dazu. Die Gurke war schon ein wenig schlapp, dafür blieben die Radieschen sehr lange knackig im Kühlschrank. Deutlich länger als die aus dem nächsten Supermarkt übrigens. Für den Salat besorgten wir noch Halloumi-Käse und legten etwas Brot dazu. Letzteres hätten wir natürlich auch beim Hof mitbestellen können. Die Kiste lässt etwas mehr kreativen Spielraum zu.

Fazit:
Frisch, flexibel und wenig Verpackung. Hochwertige Lebensmittel frisch vom Feld.

 

Für jeden Geschmack und Lebensstil die richtige Box

Wir haben keinen Testsieger, sondern finden, dass es auf die eigenen Wünsche und Bedürfnisse ankommt. Der Vorteil von Kochboxen ist, dass man weniger einkaufen gehen muss. Einige bieten zudem die Möglichkeit, neue Geschmacksrichtungen auszuprobieren. Bei den Zeitangaben hatten wir alle das Gefühl, dass sie etwas opportunistisch sind. Marley Spoon und HelloFresh sind super für alle, die sich die Kochbox ins Büro liefern lassen, dort aber keinen Kühlschrank haben. Die Kühlung in der Schafswolle hält satte 24 Stunden. Klasse ist, dass die meisten Boxen die Zutaten in den nötigen Mengen beinhalten. So hat man nicht ewig exotische Zutaten in der Küche, die man nie wieder benötigt und auch weniger Lebensmittelreste, die ggf. im Müll landen. Wichtig ist die realistische Einschätzung der Kochmotivation. Unser Tipp: Ggf. erstmal mit 3 Gerichten pro Woche starten. Für Kurzentschlossene ist das Kochhaus eine gute Option, weil die Liefertage dort sehr flexibel angepasst werden können. Wer in der Nähe von einem der 12 Kochhäuser wohnt, kann ja auch dort erstmal ein Gericht mitnehmen und schauen, wie es klappt. Viele Anbieter bieten zudem eine Testbox an. Ansonsten auch abseits des Mainstreams schauen und mal einen spanischen Abend mit Tapasion machen oder eine Gemüsekiste vom regionalen Bauernhof probieren.

In diesem Sinne: Guten Appetit.

 

Die Fotos im Beitrag sind unsere eigenen. Das Titelbild stammt von Felix Brönnimann / Pixabay.com