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Läuse in Lebensmitteln? 5 verrückte Inhaltsstoffe, die in Essen und Kosmetik landen können

Eine Frau schaut sich die Inhaltsstoffe einer Flasche Ketchup genauer an.
Symbolbild: Eine Frau schaut sich die Inhaltsstoffe einer Flasche Ketchup genauer an.
© bodnarphoto / Adobe Stock
Tja, vielleicht hast du auch schon einmal die ein oder andere Laus geschlemmt. Denn hinter vielen E-Nummern oder Fachbegriffen können sich ungewöhnliche Inhaltsstoffe verbergen. Wir geben dir ein paar von ihnen mit auf den Weg.

Das kann man kaum glauben! Doch wo Läuse für einen Teil unserer Lebensmittel zuständig sind und wo tierisch gewonnene Mittel hinter den uns unbekannten Bezeichnungen stecken, ist uns nicht unbedingt bewusst. Viele von ihnen werden bereits seit Jahren oder Jahrzehnten genutzt und gelten natürlich als unbedenklich. Aber kannst du nach dem Lesen wohl manche Dinge noch so kaufen, wie zuvor? Das Wissen über die Inhaltsstoffe hinter den E-Nummern oder gewissen Namen in der Zutatenliste ist erst einmal eins: ungewöhnlich – oder sogar abschreckend. Wir geben dir einige Beispiele, zu denen du dir deine eigene Meinung machen kannst. Also: Guten Appetit!

Blattlauskot statt Blütennektar?

Woran denkst du, wenn du zum Waldhonig greifst? Vielleicht nicht an folgendes... Für das leckere rotbraune bis dunkelbraune Produkt der Honigsorte sind die Ausscheidungen von Blattläusen verantwortlich. Nun ist es aber natürlich nicht so, dass sich irgendjemand die Arbeit macht, dieses Sekret fleißig von den betroffenen Pflanzen zu kratzen. Sondern es sind nach wie vor die Bienen, die das süßliche Sekret, den sogenannten Honigtau, aufsammeln und für ihre Honigproduktion nutzen. So das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES).

Der Inhaltsstoff ist für uns Menschen unbedenklich und das kräftige und würzige Aroma unter vielen Honigliebhaber:innen beliebt. Ob sie nun von den kleinen Insekten wissen oder nicht, sei mal dahingestellt. Die Honigtauerzeugenden können beispielsweise Schildläuse, Blattläuse oder Zikaden sein. Sie trinken den sogenannten Phloem- beziehungsweise Siebröhrensaft von Pflanzen und scheiden ihn später als zuckerhaltiges Sekret wieder aus. Hat eine Biene die Ausscheidung für sich entdeckt, wird sie während ihres Ausfluges bei diesem Sekret bleiben, da die Insekten blütenstet sind. Erfolgreiche Sammelbienen sind außerdem echte Trendsetter und sagen gleich noch den anderen Bescheid, wo das gute Zeug zu finden ist. So sammeln Bienen eines Stocks öfter gleiche Zutaten. Und fertig ist der Läusesekret-Honig. Eine Besonderheit stellt der Honigtau von Eichen dar, der beispielsweise in Kroatien und Bulgarien nicht von Insekten produziert wird, sondern von den Eicheln selbst.

Läuse im Ketchup

Wir haben alle schon einmal auf die Liste der Zusatzstoffe eines Produkts geguckt und all die E-Nummern ignoriert. Aber bist du dabei vielleicht schon einmal auf die Nummer E120 gestoßen? Wahrscheinlich schon. Die steht nämlich für Karmin, einen Farbstoff, der aus Schildläusen gewonnen wird. Hier kommen die Insekten allerdings nicht ganz so glimpflich davon. Das rote Pigment wird durch das Quetschen und Auskochen weiblicher Kochenilleläuse gewonnen. Nicht nur in manchen Ketchupsorten, sondern auch in vielen rot eingefärbten Produkten, findet sich E 120 oder "echtes Karmin". Darunter beispielsweise Süßigkeiten, Getränke oder auch Wurstwaren. Falls du darauf lieber verzichten möchtest: Die synthetische Variante des Stoffs nennt sich E 124.

Krustentiere in Kosmetik und Essen

Fasern aus den Schalen von Krustentieren werden unter anderem in Diät-, Haar-, Mund- und Hautpflegeprodukte verwendet. Das sogenannte Chitin findet sich natürlicherweise in den Panzern von maritimen Tieren wie Garnelen und Krabben oder in Insekten. Zur Gewinnung werden überwiegend Krabbenabfälle benutzt. Aus dem Chitin wird dann Chitosan hergestellt. Der Ballaststoff kann ein vielfaches seines Eigengewichts an Fett binden und das kann wiederum beispielsweise dabei helfen, den Cholesterinspiegel zu senken. Denn die so gebundenen Fette werden direkt mit dem Stuhl ausgeschieden. Allerdings ist eine Nebenwirkung bei zu viel Chitosan auch nicht gerade nett... wird es zu viel des Guten, dann kommt es zu Durchfall. Was bei der ausgeschiedenen erhöhten Fettmenge nicht unbedingt verwundert...damit flutscht es eben, ob man nun will oder nicht.

Glänzend und appetitlich durch Insekten

Was haben Schokolinsen, Kaffeebohnen und Zigaretten gemeinsam? Bei ihrer Herstellung wird oft Schellack benutzt. Das ist eine Art von Harz, das beispielsweise als Überzug-, Glanz- oder Bindemittel zum Einsatz kommt. Erneut sind hier die Schildläuse zuständig. Denn sie sondern ein Sekret ab, dass von den Bäumen geerntet und weiterverarbeitet werden kann. Tja, es ist eben nicht alles Gold, was glänzt. Süßigkeiten, die glänzen, sind nämlich oft mit Schellack überzogen, um ihnen dieses Aussehen zu verleihen. Auch viele Nagellacke oder Kosmetikprodukte enthalten das Harz. In Zigaretten wird es als Klebstoff genutzt. Gekennzeichnet wird Schellack als E 904.

Wollwachs oder Lanolin

Dieser Stoff versteckt sich vor allem in verschiedenster Kosmetik. Wollwachs wird aus den Schweiß- und Talgdrüsen von Schafen gewonnen und beispielsweise für die Herstellung von Cremes gegen Neurodermitis oder Schuppenflechte benutzt. Es wird teilweise aber auch in Kaugummi verwendet, damit es nicht am Zahnersatz kleben bleibt. Was jetzt erst einmal sehr unschön klingt, ist beispielsweise hervorragend als Fettcreme etabliert. Das Produkt wird mithilfe von Isopropanol aus Schafvliesen gewonnen. Dafür werden die Tiere geschoren und das Lanolin aus dem Waschwasser entnommen. Den Schweißdrüsen selbst geht es also nicht an den Kragen und die Tiere kriegen von dieser Gewinnung gar nichts mit. Kennziffer: E 913.

Verwendete Quellen: LAVES, CodeCheck, Oekotest, Vereine für unabhängige Gesundheitsberatung, Deutsche Lanolin Gesellschaft

lkl Barbara

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