Liebeserklärung an den Erdbeerkuchen: Wie aus Kindheitsglück die große Liebe wurde

Früher bedeutete er Kindheitsglück, heute ist er die große Liebe auf der Kaffeetafel: Erdbeerkuchen. Eine Liebeserklärung an den besten Kuchen der Welt. 

von Kirsten Mannshardt

Schon als ich klein war aß ich Erdbeerkuchen für mein Leben gern. Mein persönliches Highlight auf Omas reich gedeckter, sonntäglicher Kaffeetafel war immer ihr Erdbeerkuchen mit selbstgepflückten Beeren vom Feld. Meine Großeltern lebten in einem kleinen Dorf auf dem Land in Schleswig Holstein. Schon auf dem dreißigminütigen Weg dorthin, freute ich mich voller Ungeduld darauf, mir den ersten Happen vom zuckersüßen Glück in den Mund zu stopfen. War dieser dann endlich in meinem Mund gelandet, war ich meistens für den Rest des Tages wunschlos glücklich. Ja, so gut war dieser Erdbeerkuchen. Wirklich!   

Ein Erdbeerkuchen, wie nicht von dieser Welt

Der Erdbeerkuchen von meiner Oma war ziemlich simpel und trotzdem unschlagbar lecker. Ich hätte jeden Erdbeerkuchen vom besten Konditor der Stadt für ein Stück dieses Kuchens ohne lange zu überlegen links liegen lassen. Heute bin ich fest davon überzeugt, dass das Geheimnis des Rezepts die superfrischen Erdbeeren waren. Sie hatten die perfekte Farbe und Form. Genauso fabelhaft, wie sie aussahen, schmeckten sie auch: Saftig, süß und sehr aromatisch. Kein Vergleich zu den abgepackten Erdbeeren aus dem Supermarkt. Der Boden war so herrlich fluffig: locker, leicht und luftig - der perfekte Biskuitboden. Zwischen Boden und Erdbeeren fand eine nach Vanille schmeckende Puddingmasse ihren Platz. Normalerweise finde ich Puddingfüllungen ziemlich eklig. Zu schleimig. Zu glibberig. Ihr wisst, was ich meine. Oma wusste das sehr gut zu verhindern. Das Zauberwort hieß: Sahne. Von der schlug sie eine ordentliche Portion steif und hob sie unter den Pudding. Aus unappetitlichem Glibber würde so ganz schnell köstliche Cremigkeit. Gedeckt wurde das Prachtexemplar noch mit einem roten Tortenguss. Das i-Tüpfelchen bildete frische Schlagsahne, von der es noch einen Klacks obendrauf gab. Leeecker! Da läuft mir direkt wieder das Wasser im Mund zusammen.

Ich liebe diesen Erdbeerkuchen - heute mehr als damals

Wie sagt man doch so schön: Liebe muss sich entwickeln und beweisen! Und das ist in den vergangenen Jahren definitiv passiert. Während ich Wackelpudding, Bum Bum Eis und Brausepulver heute absolut zum Schütteln finde, könnte ich mich in ein Stück vom Erdbeerkuchen nach dem Rezept meiner Oma nach wie vor reinsetzen. Und das muss doch etwas zu bedeuten haben, wenn man etwas, was einem schon als Kind so gut geschmeckt hat, immer noch genauso gerne mag, oder? Ich habe mich über die Jahre an diesem Kuchen niemals satt gegessen und werde es vermutlich auch nicht tun. Der Geschmack wird einfach nicht langweilig. Und weil ich aus voller Überzeugung sagen kann, dass ich ihn wirklich liebe, backe ich ihn heute, wann immer ich kann, für meine Familie oder Freunde, wenn sie zum Kaffee trinken vorbei kommen. Für mich steckt dabei in dem Geschmack die Erinnerung an viele schöne Nachmittage bei meinen Großeltern auf dem Land. Das finde ich schön. Leider konnte ich den Kuchen für sie nicht mehr allzu oft backen.

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