Päntsdrunk: Warum das Unterhosen-Sofa-Besäufnis jetzt Trend ist

Hygge und Lagom waren gestern: Jetzt kommt der finnische Päntsdrunk. Unsere Autorin wusste schon immer, das wahre Gemütlichkeit nur in Unterwäsche und mit Bier oder Wein auf dem Sofa zu finden ist

von Paula Becker

Kürzlich hatten wir in Norddeutschland eine ganze Reihe tropischer Nächte. Eigentlich war einem immer heiß: Morgens, mittags, abends und nachts. Auch hohe Luftfeuchtigkeit und sich ständig androhende Gewitter, die allerdings nie wirklich runter gingen, gehörten dazu. Total schön wie ich fand, ich reise schließlich gern durch Bali und Sri Lanka. Ich befand also, dass es an der Zeit sei eisgekühltes asiatisches Tiger Beer sowie Erdinger Zitrone zu kaufen und bei weit geöffneten Fenstern abends auf dem Sofa die Hitze zu zelebrieren. Logisch, dass Kleidung dabei nur gestört hätte – wir lebten ja neuerdings in den Tropen. 

Da saßen wir also an einem schwülen Sommer-Samstagabend, schlurrig in Unterwäsche, die Körper über dem Sofa zerflossen, aßen Pasta aus dem Topf, tranken Bier aus Flaschen, schauten Fußball von dem ich nix verstand und fühlten uns irrsinnig gemütlich inmitten dieses unverschämten Schlendrians. Einfach mal nicht dabei sein müssen da draußen: The joy of missing out!

Und alle so: "Kalsarikänni"

Wir freuten uns diebisch über diesen Moment, der so derartig not-instagrammable war, sodass er tatsächlich nur uns gehörte. Warum ist da eigentlich noch niemand vor uns drauf gekommen, fragten wir uns. Na klar, weil nur wir so gute Ideen haben. Hah!

Naja, wir und die Finnen, wie ich inzwischen weiß. Denn: Trinkend auf dem Sofa abhängen ist – wer hätte das gedacht – kein Einzelphänomen, sondern ein echter Trend. „Kalsarikänni“ nennen die Finnen es, wenn sie sich ganz allein daheim und in Unterwäsche betrinken ohne dabei die Spur eines Wunsches zu verspüren auch auszugehen.

Endlich mal ohne Schafsfell, Stricksocken und Kerzen

Beim Päntsdrunk – so der Anglizismus des niedlichen aber doch sehr komplizierten finnischen Ausdrucks – dreht sich alles um die Kernthemen „Relaxation“ und „Komfort“. Und ja: Päntsdrunk kommt dem dänischen „Hygge“ sowie dem schwedischen „Lagom“ verdächtig nah. Vermindert jedoch um diesen ganzen folkloristischen Schafsfell-, Stricksocken- und Kerzen-Quatsch. Gemütlich bitte gern, aber eben eher im Sinne von: „Komfort frei von Kleidung und Konvention“. Kein Wunder also, dass es wenig schwerfällt gerade auch Männer zum Mitmachen bei diesem Trend zu bewegen.

So beschreibt es auch der finnische Author Miska Rantanen in seinem großen Päntsdrunk-Standardwerk „Päntsdrunk: Kalsarikanni: The Finnish Path to Relaxation“. Für ihn sind die wichtigsten Punkte beim Unterhosen-Besäufnis:


1. Klamotten bis auf die Unterwäsche ausziehen

2. Platzieren des favorisierten Snacks oder der Süßigkeiten in der Nähe des Sofas

3. Sicher Stellung, dass sich sowohl die Fernbedienung sowie alle Geräte zur Benutzung von Social Media in greifbarer Nähe befinden

4. Öffnen des präferierten alkoholischen Getränks


Oh, Päntsdrunk – ich liebte dich also schon bevor ich wusste, dass es dich überhaupt gibt! Und jetzt ab aufs Sofa – romantischer wird’s nicht.

Wer hier schreibt:

Paula Becker
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