Sonntags hab ich herdfrei – da gehen wir mit den Kindern ins Restaurant

Ich koche nicht besonders gern und nur sehr durchschnittlich gut. Deswegen gibt es bei uns zu Hause ein festes Ritual: Jeden Sonntag gehen wir mit der ganzen Familie zum Italiener. 

von Viola Kaiser

Wahrscheinlich wurde mir diese Vorliebe anerzogen. Denn sonntags musste schon bei meinen Eltern keiner am Herd stehen. Wir gingen jede Woche essen: Manchmal schick beim Italiener oder Jugoslawen im Restaurant, manchmal holten wir einfach bloß Pommes. Sonntage fand ich schon immer gut.

Andere Mütter sind oft irritiert, wenn ich von unserer gastronomischen Vorliebe erzähle: "Ist das nicht total stressig mit den Kindern im Restaurant?", fragen sie mich in der Regel. Könnte es tatsächlich sein, ist es bei uns bloß nicht, weil es ein paar Dinge gibt, die das Ganze (zumindest meistens) entspannen.

Dazu gehört, dass wir immer um spätestens um Viertel nach zwölf im Restaurant ankommen, da sind wir nämlich noch praktisch alleine – und haben schnell unsere dampfenden Teller auf dem Tisch. Das hält nicht nur die Kinder bei Laune, sondern auch ihre Mutter, die leicht aggressiv wird, wenn sie Hunger hat.

Wenn man "Kinder" und "Restaurant" googelt, kommt zunächst die Frage, ob man vielleicht "Kinderrestaurant" gemeint hat. Tatsächlich meine ich das keinesfalls, denn ich möchte nicht in ein speziell für Menschen unter zehn Jahren ausgestattetes Lokal gehen – womöglich noch mit Kunststofftellern und Disney-Servietten. Ich wünsche mir einfach einen herdfreien Tag in der Woche. Und eine Pizza.

Die Italiener sind unkompliziert mit ihrem Nachwuchs

Wir gehen deswegen schlicht und ergreifend in ein ganz normales italienisches Restaurant, in dem nach 13 Uhr sonntags auch ganz normale Erwachsene essen. Manchmal sind Kinder dabei. Glücklicherweise sind Italiener in der Regel unkompliziert was ihren Nachwuchs anbelangt. Die Kleinen kommen eben mit. Ich vermute, dass es im Italienischen auch gar keine Übersetzung für das Wort "Kinderrestaurant" gibt.

Das Ganze hat sich eher zufällig entwickelt: Als unsere älteste Tochter noch winzig war, hatten mein Mann und ich bei einem Spaziergang plötzlich Hunger (na gut, ich hatte Hunger), deswegen gingen wir in das nächstbeste Lokal ein paar Straßen weiter. Die Pizza dort war so gut, dass wir immer wieder hinwollten. Mindestens einmal die Woche.

Unsere Tochter begann irgendwann dort Nudeln mit Tomatensoße zu essen. Danach spielte unter den Holztischen und freute sich auf den Milchschaum, den sie immer zum Nachtisch bekam. Hervorragend ist in meinem persönlichen Lieblingsrestaurant nämlich nicht nur das Essen, sondern auch der Service. Bei unserer Lieblingskellnerin melden wir uns mittlerweile ab, wenn wir in den Urlaub müssen, sie weiß, was wir am liebsten bestellen, sie spielt sogar manchmal mit den Kindern, wenn sie nichts anderes zu tun hat.

Natürlich sitzen unsere Kinder nicht ewig ruhig am Tisch

Zu ihrem vierten Geburtstag schenkte die Kellnerin unseres Herzens meiner ältesten Tochter ein Kleid. Die beiden waren Freundinnen geworden. Unsere Jüngste kennt es gar nicht anders, sie weiß den Weg zum Restaurant auswendig und alle Namen von den Menschen, die dort arbeiten, sowieso.

Natürlich sitzen unsere Töchter (drei und fünf) nicht zwei Stunden ruhig am Tisch. Aber es gibt dort eine Speisekarte für Kinder, die man anmalen kann, es gibt Mini-Pizzen und immer irgendeine Süßigkeit oder einen Babycino. Und es gibt  besagte Holztische, unter denen sie spielen dürfen. Das machen sie dann auch. Das Wichtigste ist aber das großartige, sehr geduldige Personal, das Kinder beim Servieren und Abräumen helfen lässt. Manchmal sogar beim Pizza backen. Ich bin deswegen jeden Sonntag mindestens 60 Minuten lang entspannt, weil ich weiß, dass niemand von uns, unserer Lautstärke oder unseren Tischmanieren genervt ist. Ja, diese Stunde am am Wochenende ist so etwas wie mein ganz persönlicher Wellnessurlaub. 

Wir haben momentan allerdings ein Problem: Unser Lieblingskellnerin hat gekündigt. Die, die meiner Tochter das Kleid gekauft hat. Die, mit der ich mich so gerne unterhalte, von der ich die Handynummer und auch das eine oder andere persönliche Detail aus ihrem Leben kenne. Entweder wechseln wir also mit ihr an den neuen Arbeitsplatz oder wir gewöhnen uns an ihre Nachfolgerin. Dass ich sonntags wieder anfange zu kochen, ist zumindest ausgeschlossen. 

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