Sterneküche macht nicht satt – Wir lieben Eintopf!

Kinder lieben Dinge, die man mit der Hand oder einem Löffel essen kann. Bei unserer Autorin hat sich das in den letzten 30 Jahren nicht geändert. Und es gibt ja auch noch viele andere Dinge, die so toll an der Mahlzeit sind, die aus nur einem einzigen Topf kommt...

von Tina Epking

Wahrscheinlich habe ich es von meinem Opa: Der liebte Suppen und alles, was mit Eintopf zu tun hat. Mir läuft schon das Wasser im Mund zusammen, wenn ich nur an seinen Steckrübeneintopf denke. Erbsensuppe, Linsensuppe, Möhreneintopf, Chilli mit oder ohne Carne oder Curry  – all diese Gerichte liebe ich. Ich bin damit nicht allein. Das gemeinsame Kochen von verschiedenen Zutaten in einem Topf hat eine lange Tradition und ist absolut international. Es heißt dann nur eben Chowder, Hotpot, Irish Stew oder Cocido.

Eine der wichtigsten Eigenschaften eines Eintopfs ist, dass man davon richtig schön satt werden kann. Mit vielen Kohlenhydraten, Fett und allem Drum und Dran. Das gefällt mir besonders gut. Es schmeckt sicher wunderbar im Fünf-Sterne-Gourmet-Tempel, aber oft sind dort die Portionen so klein, dass zumindest ich danach noch Hunger habe. Ich bevorzuge einfach einen Teller, der bis zum Rand gefüllt ist. Eintopf war immer darauf ausgerichtet, richtig zu sättigen. Schon die römischen Gladiatoren wussten das, als sie ihren Getreidebrei mit Bohnen zur Stärkung in sich hineinschaufelten. 

Man kann ihn aber nicht nur easy schaufeln, man kann ihn auch extrem leicht herstellen. Noch toller ist nämlich, dass jeder Eintopf kochen kann. Ein paar Möhren, Kartoffeln, Suppengrün und eine Zwiebel – das reicht schon, damit ein leckeres Gericht entsteht. Für alle, die es raffinierter mögen, kommen noch Würste in die Erbsensuppe, ein paar Krabben in den Kartoffeleintopf oder ein Schuss Kokosmilch ins Curry. Lecker. Ob man dafür ein besonders guter Koch sein muss? Eher nicht. 

Gesellig, nachhaltig, gesund: Ein Alleskönner!

In Zeiten, in denen wir so im Überfluss leben, dass wir dauernd Lebensmittel wegwerfen, hat der Eintopf einen absolut nachhaltigen Aspekt. Eigentlich kann man alles in ihm verkochen. Ein Apfel in der Möhren-Ingwer-Suppe? Das Lamm von gestern ins Möhren-Kartoffelgemüse? Weißwurst in den Bohneneintopf? Klar geht das, wenn es eben einfach weg muss. Zusammenwerfen und ausprobieren – für Menschen, die experimentierfreudig und kreativ sind, ist der Eintopf ideal.

Gesellig ist er übrigens auch noch. Denn was kocht man am besten für viele Menschen, die zu Besuch kommen? Genau. Mein Lieblingsgericht! Ist definitiv einfacher in Herstellung und Bewirtung als ein Drei-Gänge-Menü mit vielen Finessen. Man braucht auch viel weniger Teller und Besteck. Und man kann ihn überall essen. Auf dem Boden mit der Schüssel im Schneidersitz vor dem Fernseher, notfalls im Stehen in der Büroküche, idealerweise gemütlich am Tisch mit Freunden.

Gesund ist das Ganze noch dazu. Schließlich ist eine Menge Gemüse drin – und damit sehr viele Vitamine. Mal abgesehen davon, dass so ein richtig schöner heißer Eintopf einfach die Seele wärmt. Was ja nie schlecht für das Immunsystem sein kann.  

Eintopf ist sicher nicht der Porsche unter den Gerichten, die man kochen kann. Eher ein alter VW-Golf. Aber ein Arme-Leute-Essen ist er für mich überhaupt nicht. Neulich habe ich einen interessanten Artikel gelesen, in dem es um Usbekistan und den dort sehr beliebten Reiseintopf "Plow" ging. Darin stand ein usbekisches Sprichwort. Es lautete: "Wenn du arm bist, isst du Plow. Wenn du reich bist, isst du nur noch Plow." Für mich klingt das sehr einleuchtend.

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