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Warum Pizza, Pommes und Chips mich so glücklich machen


Unsere Autorin weiß natürlich, dass es viel gesünder ist, Vollkorn, Obst und Gemüse zu essen. Das tut sie auch. Zumindest tagsüber, wenn die Kinder dabei sind. Aber abends kann sie sich einfach nicht mehr zurückhalten...
von Viola Kaiser

"Schokolade löst natürlich keine Probleme. Aber das tut ein Apfel ja auch nicht". So. Mit diesem Zitat ist eigentlich alles gesagt. Tatsächlich gibt es viele Argumente für den Apfel, das weiß ich natürlich. Trotzdem gibt es in meinem Leben (sehr viele) Momente, in denen ich nichts weniger möchte als Obst. Dann will ich einfach nur eine Tüte Chips und dazu eine Cola. Oder ein Bier. Oder einen Sekt. Dann bin ich wie ein Junkie – ich kann mich auf nichts anderes konzentrieren. Manchmal laufe ich sogar noch um 23 Uhr zur Tankstelle und besorge mir meinen Stoff. 

Dieser Moment, in dem ich die Tüte aufreiße und die Flasche Cola (oder Bier oder Sekt oder Mezzo Mix) öffne, macht mich schon glücklich. Denn dann weiß ich, dass mich gleich etwas erwartet, dass ich liebe. Völlig ungeachtet aller ernährungswissenschaftlichen Studien über Formaldehyd in Chips, tödlichen Zuckermengen in Softdrinks und abschreckenden Kalorienzahlen, kann ich die Minuten mit diesem Teufelszeug so genießen wie kaum etwas anderes – und zwar ohne jegliche Gewissensbisse. Vielleicht ist das ein bisschen krank, aber ich liebe Essen, in dem schön viel Fett und Zucker ist. Das sind eben Geschmacksträger, die machen vieles leckerer und mich irgendwie besonders froh. 

Ich führe ein Doppelleben: Tagsüber Möhren, abends Erdnussflips

Und falls mir jetzt jemand die Vorteile von gesunden Alternativen wie etwa Gemüsechips ohne Salz oder Mineralwasser mit Zitrone erklären möchte: Danke, aber: Nein, Danke! Ich weiß, dass Pizza zum Hauptgang und Mousse au Chocolat zum Nachtisch nicht optimal für meine Nährstoffbilanz ist. Aber es ist zumindest manchmal sehr, sehr gut für meine Psyche. Ehrlich. Dasselbe gilt für Pommes, Schokolade, Nudeln, Burger, Currywurst oder Eis. So viel Endorphine wie die Momente des gnadenlosen Schlemmens bei mir freisetzen – darauf werde ich niemals verzichten können. Einmal Junkie, immer Junkie. 

Tatsächlich könnte ich mich nur von Pasta und frittierten Kartoffeln ernähren, aber zum Glück für den Erhalt und die Form meines Körpers habe ich eine Mutter und zwei Kinder. Die Erstere hat mir beigebracht, dass Milchschnitte zum Frühstück keine dauerhafte Lösung ist und Erdbeeren, Vollkornbrot, Spinat und Bananen auch sehr gut schmecken. Die beiden Kleinen muss ich vor der Abhängigkeit ihrer Erziehungsberechtigten beschützen, deswegen haben sie ein Eis-Limit und müssen Obst und Gemüse essen, weil sie ja wachsen und gedeihen sollen. Ich führe also ein Doppelleben: In der Woche tagsüber bin ich die verantwortungsvolle Mutter, die auf die Ernährung der gesamten Familie achtet mit klein geschnittenen Äpfeln in Boxen, Brokkoli zu den Kartoffeln, rohen Möhrensticks als Snacks und allem Drum und Dran. Natürlich dürfen die Kinder auch Pommes, Pizza und Schokolade, aber eben in Maßen. 

Im Gegensatz zu ihrer Mutter. Abends, vor allem am Wochenende, wenn ich mich unbeobachtet fühle, kommt der Junkie in mir zum Vorschein. Dann bin ich verfressen ohne Ende, öffne die Chipstüte,  die Choco Crossies oder Erdnussflips und schaufele sie unkontrolliert und breit grinsend in mich hinein. Übrigens nicht alleine. Denn mein Mann, der teilt meine Vorliebe mit mir. Ich bin sicher, dass unsere Beziehung deswegen schon so lange hält. Unter anderem zumindest.


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