Weinschorle: Ein Hoch auf das Wasser-Wein-Gemisch!

Unsere Autorin liebt Weinschorle. „Viel zu schade, der schöne Wein“, heißt es bei jeder ihrer Bestellungen. Findet sie nicht und ein Winzer gibt ihr Recht.

von Kirsten Mannshardt

Ich habe noch nie verstanden, warum die Weinschorle einen schlechten Ruf hat. Sie ist erfrischend, leicht und haut einen an warmen Sommerabenden nicht völlig aus den Latschen. Kater am nächsten Morgen? Nicht mit einer Weinschorle. Der perfekte Sommerdrink. Also zumindest für mich. Es gibt allerdings Menschen, die scheinen das anders zu sehen. Für sie ist das Bestellen einer Weinschorle gleichzusetzen mit einer Todsünde. „Der schöne Wein ist doch viel zu schade, um ihn mit Wasser zu strecken!“ So etwas in der Art darf ich mir gefühlt jedes Mal anhören, wenn mir der Satz „Eine Weinschorle, bitte“ über die Lippen kommt. Einer übernimmt den Part mit dem erhobenen Zeigefinger immer, ob nun der der Kellner oder meine Begleitung. Das ist nicht nur nervig, sondern auch total unberechtigt. Genauso wie der schlechte Ruf der Weinschorle.

Weinschorlen sind besser als ihr Ruf

Endlich wurde mir jetzt bestätigt, wovon ich schon lange überzeugt bin: Für eine Schorle muss sich niemand schämen! Das hat der Winzer Christoph Hammel - also einer, der es wissen muss - für die „Süddeutsche“ ein für alle Mal klargestellt. Beim ihm daheim in der Pfalz ist die Weinschorle sogar ein heiliges Nationalgetränk. Hört, hört! Ob auf illustren Weinfesten oder zum Feierabend auf der Terrasse: die Weinschorle gehört dazu. Und auch in Wien ist der G'Spritzter, wie die Weinschorle dort genannt wird, in allen Gesellschaftsschichten ein echter Klassiker. Darauf verzichten? Undenkbar!

Billiger Fusel hat in der Schorle nichts verloren

Aber woran liegt es denn nun, dass die Weinschorle so oft als Gesöff abgetan wird? Der erfahrene Winzer sagt: Die Panscherei ist Schuld. Wie bei vielen Dingen im Leben kommt es nämlich auch bei der Weinschorle auf die perfekte Mischung an. Und natürlich auch auf den Wein, denn entgegen der weitverbreiteten Vorstellung hat ein billiger Fusel in einer Weinschorle nichts verloren. Der Geschmack soll schließlich nicht auf der Strecke bleiben. Die perfekte Schorle besteht zu einem Viertel bis Drittel aus Wasser. Dabei kommt es immer darauf an, wie kräftig der Wein ist und wie viel Wasser er verträgt. Wer mit mehr als einem Drittel auffüllt, läuft Gefahr, den Charakter und das Aroma des Weins zu verfälschen.

Auf Dich, gute, alte Weinschorle!

Auch, wenn ich sie schon immer gerne getrunken habe, werde ich es jetzt mit noch mehr Inbrunst tun. Den eins steht jetzt fest: Die Weinschorle ist BESSER als ihr Ruf! Und jedem, der es noch einmal versuchen sollte mich zu bekehren, den Wein doch besser pur zu trinken, werde ich seine Unwissenheit nur so um die Ohren hauen. Wetten, dass ich meine Weinschorle schon ganz bald in Ruhe genießen kann?! Hach, wie ich mich darauf freue...