„Bloß nicht noch eine Hochzeitseinladung!“ – Dann geh doch nicht hin!

Zwischen Mai und September ist Hochsaison. Nicht nur auf Mallorca und am Ostseestrand, sondern auch auf dem Standesamt. Für Hochzeitsgäste kann das anstrengend werden – Vor allem, wenn man auf mehr als einer Hochzeit tanzen soll.

von Linda Berger

Wenn ich an das letzte Frühjahr denke, kommt mir unweigerlich Harry Potter in den Sinn. Die Szene, in der tausende Briefe zur Einschulung des Zauberlehrlings in das Wohnzimmer flattern? Ähnlich kann man sich das bei uns am Briefkasten vorstellen. Nur, dass wir nicht nach Hogwarts, sondern zu Hochzeiten eingeladen wurden. Groß war die Freude noch bei dem ersten perlmuttschimmernden Umschlag mit floraler Prägung und individualisierter Briefmarke – und dann kam noch eine, und dann noch eine. Bei drei Hochzeiten schluckt man schon, bei vier fängt man an zu rechnen und bei fünf hofft man inständig, dass alle anderen Hochzeitswilligen doch bitte bis zum nächsten Jahr warten mögen. Leider vergebens: Am Ende waren es neun Einladungen! Da weint dann nicht nur das Konto, auch aus unserem Bekanntenkreis ernteten wir Beileidsbekundungen. „Gott sei Dank, sind es bei uns dieses Jahr nur zwei...“ 

Verständlich? Total! 

Hand aufs Herz: Neun Hochzeiten – Wer freut sich da noch? Das ist diktatorischer Freizeitstress pur. Und dann ist es auch nicht nur ein Tag, nein: „Wir freuen uns, das Wochenende unserer Hochzeit mit euch zu genießen!“ Klar, wir freuen uns auch, mit eurer Oma, Mutter und diversen anderen langweiligen Verwandten ein ganzes Wochenende zu genießen, um danach völlig erledigt in die neue, erholsame Arbeitswoche zu starten. Doch das ist ja noch nicht alles: Ein passendes Outfit muss her – „Gerne in den Farben der Hochzeit: Veilchenblau und Zartrosé“. Dann die Sache mit dem Geschenk: Wieviel Geld sollte man mittlerweile origamimäßig in Herzchenform falten, damit die Hochzeitsrefinanzierung für das Brautpaar funktioniert? Dabei wollten die beiden doch heiraten, warum muss man das als Gast jetzt ausbaden? Nicht zu vergessen: Eine möglichst kreative und herzige Glückwunschkarte. Wer will schon einen schmalzigen Reim aus der Rubrik: „Sprüche und Verse für die Hochzeit“? Und trotz des ganzen Aufwands und der vorprogrammierten Blasen an den Füßen: Am Ende setzen wir unser Kreuzchen natürlich bei „JA, wir kommen gerne.“ 

Pflichtgefühl killt große Liebe 

Bei allem Gemecker: Hinterher nachgehakt, schwärmen alle, wie schön die Hochzeit war, wie zauberhaft die Location und wieviel Mühe sich das Brautpaar gegeben hat. Im Gegensatz zu den monatelangen Vorbereitungen, die die Frischvermählten auf sich genommen haben, damit alles so perfekt ist, wie es laut Pinterest auch sein soll, sind die Vorbereitungen der Gäste doch wirklich Peanuts: Outfit schnell bei Zalando geshoppt, Geld einfach so in den Briefumschlag gesteckt und zur Not tut es eben auch der schmalzige Vierzeiler aus dem Internet auf der Karte. Wenn man sich für eine Hochzeit aber wirklich nicht erwärmen kann, sich dem Brautpaar nicht verbunden fühlt und nur aus purem Pflichtgefühl hingehen will, sollte man besser einfach absagen - und das am besten frühzeitig. Als Gast spart man Zeit und Nerven und die Gastgeber Geld. Im Übrigen: Schlechtgelaunte Gäste sind das Allerschlimmste auf einer Hochzeit. An diesem Tag soll es doch um die Liebenden gehen. Grummelköpfe will keiner haben. Alternativ kann man natürlich auch einfach über seinen Miesepeter-Schatten springen und mit dem Brautpaar eine richtig gute Zeit haben. Im besten Fall heiraten sie ja auch nur einmal. Also alle neune jeweils, meine ich. 

Wer hier schreibt:

Linda Berger
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