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"Du bist nicht meine Mutter!" – Mein Leben als böse Stiefmutter

"Du bist nicht meine Mutter!" –  Mein Leben als böse Stiefmutter
© Getty Images
Unsere Autorin liebt einen Mann mit Kindern. Natürlich soll es denen gut gehen. Aber wer interessiert sich für ihre Gefühle?
von BARBARA Redaktion

Du hattest da nicht so drüber nachgedacht. Über diese Kinder. Seine Kinder. Das Modell. Hast einfach gemacht. Gemacht, wonach du dich fühltest. Und du fühltest dich: verliebt. Und schon warst du Stiefmutter.

Irgendwann – da warst du schon richtig drin – hast du dann doch drüber nachgedacht. Und weißt heute: Wer als kinderlose Frau einen Mann mit Kindern liebt, tut sich keinen Gefallen. „Das kannst du so nicht sagen“, hörst du die Stimmen raunen. Kannst du auch nicht, deswegen steht hier kein Name.

Die Kriege einer Trennung

Und da es für dich als Nichtmutteraber-Stiefmutter verständlich, aber schrecklich ist, dass es immer um die Kinder geht, tut es das hier nicht. Hier geht es nur um dich. Hier geht es um das Loch, das du dir schaufelst, weil du einen Mann mit Kindern liebst. Es kann durchaus gemütlich sein, dieses Loch. Bis die Wände einstürzen. Und das werden sie. Dann liegst du da, unter all dem Schutt eines (seines) gelebten Lebens, das mit dir rein gar nichts zu tun hat. Unter all den Kriegen einer Trennung, die weiterwabern und dich langsam zerschneiden. Den Kriegen zwischen Vater und Kind, Kind und Kind, Vater und Mutter, Mutter und Kind. Zwischen Scheidungsfolgevereinbarungen, Unterhaltsstreitereien und Pubertät. Und allein. Nur ein Statist auf dem Schlachtfeld, das eine kaputte Familie ist. Denn: Familie bist du nicht. Familie sind die anderen.

Zugucken ist hart

Auch die Exfrau, gegen die du vor den Kindern nie was sagen wirst. Aber: Sie erzieht die Kinder, die auch in deinem Haus leben. Dir gefällt die Erziehung nicht? Was machst du? Nicht miterziehen. Sind ja nicht deine Kinder. Also erträgst du es, guckst zu, wie sie werden. Und weißt: Sie werden nie deins. Zugucken ist hart. Also gibt es irgendwann doch Regeln in deinem Haus. Und schon bist du die böse Stiefmutter.

Den Kindern ist es egal, ob du da bist oder nicht

Du klagst natürlich keinen Abgesang auf „Patchwork“. Denn nehmen, da machst du dir nichts vor, würdest du den Mann immer wieder – mit seinen Kindern. Aber ein paar Dinge hättest du gern vorher gewusst: Dass du seine Kinder nie so lieben wirst, wie alle immer sagen, dass man Kinder liebt. Geht ja nicht, sind ja nicht deine. Hat dir aber keiner gesagt. Hättest dir sonst erspart, darüber nachzudenken, was du für ein schlechter Mensch bist, weil du das Ding mit der bedingungslosen Liebe nicht hinbekommst. Dass es seinen Kindern egal ist, ob du da bist. Dass sie immer seinetwegen kommen, niemals deinetwegen. Das freut dich sehr für ihn. Wirklich und ehrlich. Aber es zerreißt dein eigenes Herz, das seine hässliche Seite zeigt und schreit: Ich will auch! Dass du manchmal weinen musst wie ein kleines, bockiges Kind, weil du dich nach einer Liebe sehnst, die diese Kinder nicht geben können: der Liebe zu einer Mutter. Dass du dich dafür schämen wirst, so zu denken. Dass die Kinder dich mögen werden, aber immer etwas fehlen wird. Dieses dämliche, unsichtbare Band, das man Familie nennt. Dass du machst und tust und investierst – deine Zeit, deine Gefühle, dein Geld – und nichts bekommst. „Das geht auch Eltern so“, zischen die Stimmen, die dein Gejammer nicht hören wollen. Mag sein. Aber, um es mal klar zu sagen: Eltern müssen. Du musst nicht. Machst aber trotzdem.

Das alles fühlst du, sagst es aber nicht. Kann man ja nicht. Sollte man?


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