"Du bist toll, Frau Müller!" Deswegen sind wir den Lehrern unserer Kinder dankbar

Und zwar extrem dankbar. Die meisten Lehrer sind einfach großartig – dabei haben sie es oft nicht leicht. Das muss ja auch mal gesagt werden, findet unsere Autorin. 

von Viola Kaiser

Neulich saß die Mutter eines Freundes meiner Tochter bei uns am Küchentisch. Sie ist sehr nett, sehr lustig – und sie unterrichtet am Gymnasium Englisch und Bio. Als ich sagte, dass ich begeistert von der neuen Lehrerin meiner Tochter sei, bekam sie einen merkwürdigen Gesichtsausdruck. Ja, fast schon glasige Augen. Als ich dann erzählte, dass manche Eltern sich kritisch geäußert hätten, und ich nicht wüsste, was das soll. Dass ich außerdem volles Vertrauen hätte und die Frau super fänd, rief sie laut "Oh wie schön! Genau das möchte man als Lehrer hören. Leider sind nicht alle Eltern so wie du".

Dann erklärte sie mir, dass die meisten Lehrer, die sie kennt das Beste für das Kind wollen, dass ein Großteil ihrer Kollegen Lehrer geworden sei, weil sie Idealisten seien und den Kindern etwas beibringen möchten. "Die Eltern denken aber oft, wir wären unfähig und wollten ihrem Nachwuchs etwas Böses. Insgesamt ist unser Berufsstand leider nicht sehr angesehen. Früher war das mal anders." Natürlich gäbe es auch in ihrem Beruf schwarze Schafe – wie eben überall, räumte sie ein. Die meisten ihrer Kollegen seien allerdings total motiviert.

Lehrer sind furchtlos und mutig

Ich bin gerne zur Schule gegangen. Ich hatte viele richtig großartige Lehrer. Darunter waren auch ein paar Langweiler, die nur aus dem Geschichtsbuch vorlasen, aber die meisten waren klug, interessiert und gaben sich Mühe. Klar, vielleicht habe ich Glück gehabt, aber mal ehrlich: Ein bisschen Vertrauen schadet ja nicht. Vielleicht ist das Schulsystem nicht perfekt, vielleicht ist der ein oder andere Lehrer eine echte Katastrophe, aber es gibt genug Gründe diesen Menschen, die sich vor manchmal 30 Kinder stellen und versuchen ihnen etwas beizubringen, wirklich dankbar zu sein. Sie sind furchtlos und mutig, sie haben einen anstrengenden Job – und im Idealfall sind sie ein liebevoller erwachsener Ansprechpartner für Dinge, die Eltern lieber nicht übernehmen möchten. In meinem Fall zum Beispiel die endlose Übung des Buchstaben "S" in der Grundschule und die Kurvendiskussion zu einem späteren Zeitpunkt.

Woher kommt eigentlich der Hass auf Lehrer?

Neulich las ich die Whatsapp-Gruppe der Eltern der Tochter einer Freundin. Davon wollten bestimmt fünf die Klassenlehrerin stürzen, weil sie angeblich zu streng war. Es ging um Themen wie Essen beim Turnunterricht und sechs Gängen zur Toilette in einer Stunde Unterricht. Von einem Kind wohlgemerkt. Diese Helikoptereltern hatten nicht etwa ihren Kindern gesagt, dass es einfach nicht richtig ist, Lakritzschnecken rauszuholen, wenn man eigentlich Brennball spielen soll oder es tatsächlich verdächtig erscheint, wenn man sehr, sehr oft ins Bad muss während des Unterrichts. Sie wollten lieber die Lehrerin austauschen. Ich hatte großes Mitleid mit dem armen Ding. "Woher kommt eigentlich der Hass auf Lehrer?" fragte mich meine Freundin. Ja, woher eigentlich? Ich hatte keine Antwort.

Die Arbeit von Lehrern ist bewundernswert

Ich persönlich bin ja nicht nur dankbar, dass es Lehrer gibt, die meine Kindern Mathe beibringen. Ich finde es wirklich beeindruckend, was Lehrer tun. Die Geduld, die sie aufbringen, könnte ich niemals haben.  In so einem Klassenzimmer ist es ja oft sehr laut, jeder Erwachsene weiß, dass Kinder gerne mal nerven oder überhaupt nicht hören. Außerdem ist es einfach eine Wahnsinnaufgabe, kleinen Menschen Dinge nahezubringen, von den sie noch nie gehört haben. Und sie wird nicht leichter, wenn diese kleinen Menschen anfangen zu pubertieren und überhaupt keinen Bock auf Schule haben. Eine Freundin von mir, die Lehrerin ist, sagte neulich. "Natürlich ist es manchmal nicht leicht, aber dann denke ich wieder, dass es doch toll ist, dass ich den ganzen Tag Kinder um mich habe". Bewundernswerte Einstellung, oder?

Gibt es nicht in jedem Job Kollegen, die weniger tun als andere?" 

Auch die Bekannte an meinem Küchentisch erwähnte irgendwann, dass sie manchmal kurz vor dem Verzweifeln sei, aber dass sie es als ihre Aufgabe betrachtet, Kindern etwas beizubringen, sie zu kritischen Menschen zu erziehen, die Welt ein bisschen besser zu machen. Dass sie ihren Beruf liebt, aber sich manchmal ein bisschen mehr Vertrauen der Eltern wünscht. "Ich kann mir auch garnichts anderes vorstellen, es macht mir echt Spaß zu unterrichten. Das geht übrigens den meisten meiner Kollegen so", fügt sie hinzu. "Ich will nicht abstreiten, dass sich der ein oder andere auf seiner Verbeamtung ausruht, aber sind natürlich nicht alle faul.  Und gibt es bei dir im Büro nicht auch Kollegen, die weniger tun als andere?" 

Dauernd Ferien? Irgendeinen Ausgleich muss es ja geben! 

Für alle, die jetzt rufen "Aber die haben doch dauernd Ferien!" Mal ehrlich, irgendeinen Ausgleich muss es für diesen krassen Job ja auch geben. Mal abgesehen davon, dass engagierte Lehrer in den Ferien tatsächlich Unterricht vorbereiten und Arbeiten korrigieren müssen. Ich auf jeden Fall möchte nicht tauschen, auch nicht für 20 Wochen Ferien im Jahr. Und, mal ehrlich, man kann natürlich leicht auf Lehrer schimpfen – aber was bitte würden wir ohne sie tun?

Wer hier schreibt:

Viola Kaiser
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