"Hallo, da bin ich!" Warum Spontanität glücklich macht

Wir sollten grundsätzlich Sachen mal ohne große Planung machen. Und zwar sofort und  ganz ohne Vorankündigung, findet unsere Autorin. Einfach, weil es das Leben viel schöner macht. 

von Theresa König

Neulich bekam ich eine Nachricht einer Freundin, die schrieb "Bist du Zuhause? Dann komm ich in zehn Minuten auf einen Kaffee vorbei." Ich war Zuhause, ich hatte gerade Zeit (zumindest wenn ich die dreckige Wäsche einfach dreckige Wäsche sein ließ. Was ich tat) – und wir eine sehr schöne und lustige Stunde an unserem Küchentisch. Und mir fiel auf, dass ich mehr mehr von diesen schönen, spontanen Stunden haben möchte in meinem ganz durchorganisierten, vollgetakteten, total verplanten Leben.

Früher haben wir auch einfach geklingelt

Früher haben wir einfach irgendwo bei den Nachbarn geklingelt und gefragt, ob Thomas, Tanja oder Sandra zum Spielen rauskommen. Ich frage mich oft, ob es dieses Phänomen heute eigentlich noch gibt. Alle sind immer immer so verplant, haben schon Wochen vorher alles organisiert. Ich selbst übrigens auch. Bis ich feststellte, dass mich das irgendwie wahnsinnig stresst. Oft ist es ja so, dass man man manchmal am Donnerstag in zwei Wochen ein Sushi-Essen mit Freunden geplant hat, aber just an diesem Donnerstag null Bock auf rohen Fisch hat. Ich fragte mich, warum ich nicht einfach öfter mal etwas machte, nach dem mir jetzt genau in diesem Moment war. 

Deswegen startete ich ein Experiment. Ich machte ab sofort einfach jeden Tag etwas, auf das ich ganz spontan Lust hatte. Das waren sehr kleine Dinge am Anfang. Einmal fuhr ich einen Umweg mit dem Rad, den ich gar nicht kannte und kaufte mir eine sehr leckere Nussecke bei einem Bäcker, den ich vorher noch nie gesehen hatte. Klingt banal? War es auch, ich weiß. Aber es hat mich in dem Moment sehr froh gemacht.

Ich lud meine besten Freundinnen ein

Mir war natürlich klar, dass das jetzt nicht das Maß aller Dinge sein konnte. Deswegen wurde ich mutiger. Ich fragte einfach spontan Leute, ob sie in 20 Minuten mit mir ein Bier trinken gehen wollten. Ich meldete mich für einen 10-km-Lauf an, weil es mir gerade verlockend erschien. Ich fuhr mit den Kindern gegen Abend ins Burgerrestaurant und rief meinen Mann an, dass er einfach dorthin kommen sollte. Nur weil wir alle gegen 18.13 Uhr festgestellt hatten, dass wir gern Pommes essen würden. Ich buchte Tickets für eine Bahnfahrt zu meinen Eltern für nächste Woche (das ist für mich spontan!), weil ich sie vermisste. Eines Nachmittags lud ich aus einem Impuls heraus meine besten Freundinnen ein. Zwar für einen Termin nicht direkt an diesem Abend (man muss ja auch realistisch bleiben), aber doch in dem Moment, als mir der Gedanke kam. Ich machte einen Handstand und ließ mich einen Hügel hinunterkullern. Schließlich buchte ich irgendwann, als mich das schlimme Wetter in Deutschland frustrierte gegen 23 Uhr einen Urlaub im Süden, ganz ohne groß drüber nachzudenken. Es war wunderbar. Nur den Preis fand ich am nächsten Tag, als ich meine spontane Aktion noch mal überdachte, nicht mehr so lustig. Aber das war dann auch egal. 

Ich wollte mehr davon!

All das machte mich nämlich insgesamt sehr, sehr zufrieden. Und zwar nicht in drei Wochen, sondern genau in dem Moment, in dem ich es tat. Ich wollte mehr davon! Was könnte ich noch alles tun?  Ich könnte nackt in einen See springen, zwei Pizzen auf einmal essen oder in den Trampolinpark fahren. Jetzt. Sofort.  Zufriedenheit lässt sich schließlich nicht planen. Wollte mein Opa nicht immer nach der Rente eine Weltreise machen und starb dann kurz davor?

Ich versuche auf jeden Fall  – im Rahmen meiner Möglichkeiten – ab jetzt megaspontan zu sein.  Ich versuche, einfach bei Freunden zu klingeln, einfach meine Familie anzurufen oder spontan eine Nachricht an einen alten Freund zu schicken. So, als wäre ich 12 und nicht 42. Das Schönste am Spontansein sind für mich nämlich immer noch die Begegnungen, die daraus resultieren. Und die Urlaube natürlich. Für beides gilt: Man muss die Zeit nutzen, wenn sie da ist. Wer weiß schon, was in sieben Wochen ist? Oder in sieben Monaten? Ich nicht. Jetzt habe ich allerdings keine Lust darüber nachzudenken, sondern spontan Lust, diesen Text zu beenden und einen Kaffee zu trinken. Und da ich glaube, dass Spontaneität glücklich macht, hol ich mir lieber sofort einen. 


tep