„Ich habe mich tagelang vor Scham gewunden.“ – Unsere peinlichsten Momente

Es gibt im Leben viele Momente, für die man sich nachhaltig in Grund und Boden schämt. Sogar noch nach Jahren. Ach so, das Sprichwort vom geteilten Leid ist auch nur ein Märchen …

von Jana Felgenhauer, Dorthe Hansen

TUT-TUT-TUT

„Mich würde es nicht wundern, wenn ich demnächst eine Steuerprüfung vom Finanzamt bekäme. Mein letzter Kontakt war telefonisch. Ich wollte dem Sachbearbeiter vermitteln, dass eine Nachzahlung bereits auf dem Weg ist und man bitte nicht mein Konto pfänden möge. Seine Art hat mich total auf die Palme gebracht: ,Ihr Problem. Müssen Sie sich mal besser organisieren …‘ – diese Nummer. Während des Gesprächs wahrte ich noch die Fassung. Aber als ich aufgelegt hatte, hab ich erst mal geschrien. Und zwar: „Du jämmerlicher Beamtenbock.“ Ich weiß nicht, warum ich doch noch mal aufs Telefon schaute – und bemerkte, dass ich den falschen Knopf erwischt haben musste. Ich nahm den Hörer ans Ohr, hörte jemanden atmen, fragte kleinlaut: ,Hallo?‘ Und er sagt: ,Ich höre.‘ Rausreden war keine Option. Ich hab einfach aufgelegt.“

Kristina, 40

Guck doch mal, wie der tanzt

„Am Tanzstil erkennt man, wie eine Person im Bett ist. Heißt es nicht so? Mein Freund tanzt, als wäre er in den 80er-Jahren hängen geblieben, irgendwie eckig, die Knie aneinandergepresst, die Arme zappelnd. Ich freue mich meist, dass er überhaupt gern tanzt. Aber wenn andere über ihn kichern, ich hab das schon mitbekommen, dann denke ich immer: Jetzt denken die, wir haben eckigen Sex.“

Sandra, 32

Damenbart

„Letztens hatte ich ein Vorstellungsgespräch, das in einem Restaurant stattfand. Natürlich hab ich mir Gedanken gemacht, was ich anziehe und dass ich gut rüberkomme. Ich hab mich nicht verschluckt und auch nicht gekleckert. Aber als ich zu Hause war, entdeckte ich eine ausgeprägte Kakaospur vom Cappuccino über meiner Oberlippe. Mist.“

Ann-Christin, 27

Total gedankenlos

„Ich hab mal einem Jungen, der im Rollstuhl saß und auf der Suche nach seinen Freunden war, zugerufen: 'Die sind da lang, lauf schnell, dann holst du sie ein!' Im selben Moment fiel mir auf, wie unpassend das war. Ich hätte heulen können.“

Birgit, 42

Kindermund tut’s kund

„Als ich neulich mit meiner kleinen Tochter an der Supermarktkasse stand, zeigte sie auf die Dame vor uns und sagte laut: ‚Dicke Frau.‘ Ohne Frage oder Zusammenhang. Sehr unangenehm.“

Claudia, 38

Lockere Zunge

„Unter Alkoholeinfluss beginne ich Gespräche gern mal mit ,Was ich dir immer schon sagen wollte‘. Allen meinen bisherigen Chefs habe ich schon deutlich vermittelt, was ich wirklich von ihnen gehalten habe. Meist auf der Weihnachtsfeier. Immer begleitet von verblüfften Gesichtern umstehender Kollegen. Einen Vorgesetzten habe ich sogar Arschloch-Chef genannt. Seltsamerweise hat er mich nicht rausgeworfen. Ein anderes Mal war es kurz davor, ich musste mich offiziell entschuldigen, was extrem unangenehm war. Ich habe mich tagelang vor Scham gewunden.“

Heidi, 42

Du stinkst

„Wir stehen in einer Bäckerei. Mein vierjähriger Sohn umarmt mich, gräbt sein Gesicht in meinen Schritt, schaut hoch und sagt: ,Papa, du stinkst.‘ Welch Schmach.“

Boris, 37

 

Prominente Schammomente

Versungen

Mal ehrlich: Bei der Nationalhymne kommen viele von uns ins Straucheln. Aber nicht mehr, seit Sarah Connor einst vor einem Fußballspiel statt „Blüh im Glanze“ „Brüh im Lichte“ trällerte. Gut gemacht, Sarah!

Vertippt

Als Naomi Campbell 2014 Malala Yousafzai zum Friedensnobelpreis gratulierte, twitterte sie: „Congratulations malaria“. Verflixte Autokorrektur. Also, hoffentlich.

Verraten

Die RTL-Nachrichtensprecherin Katja Burkard glaubte ihr Mikrofon stumm geschaltet, als ein Beitrag über die US-Sängerin Kesha gesendet wurde. Burkards Kommentar aus dem Off: „Wat ’ne Schlampe.“

Vertan

Im letzten Jahrtausend fragte Harald Schmidt den Schauspieler Alain Delon nach dem Befinden von dessen Mutter. Die war kurz zuvor gestorben. „Wussten Sie nicht?“, fragte Delon. „Jetzt wissen Sie’s.“ Schäm.