"Immer meckerst du nur!" Warum alle Frauen diesen Satz hassen

Werte Männerwelt, es ist Zeit für eine Abrechnung... Und wenn wir damit fertig sind, wollen wir diesen bescheuerten Satz NIE NIE NIE wieder hören!

von Marie Stadler

Freunde (und Ehemänner), lasst uns Klartext sprechen. Oder um es mit euren Worten zu sagen: Lasst uns mal wieder meckern. Es gibt diesen einen Satz, den ihr unfassbar gerne sagt. So oft, dass er uns bereits aus beiden Ohren gleichzeitig wieder rausquillt: "Immer meckerst du nur!" Hach, das sagt ihr wirklich gerne. Aber ja, heute wollen wir endlich Stellung beziehen. Wir meckern also. Immer und nur. Dazu haben wir ein bisschen was zu sagen.

Was ist Meckern überhaupt?

Lasst uns höflicherweise über den Blödsinn mit dem "immer" und "nur" mal hinwegsehen. Jeder Kommunikationsexperte würde euch diese zwei Wörter nämlich gehörig um die Ohren schleudern, weil sie völliger Blödsinn und einfach nicht wahr sind. Aber wie gesagt – das lassen wir mal beiseite und kommen zum Punkt. Wir meckern. Das tun wir manchmal, da habt ihr recht. Laut Duden bedeutet meckern "an einer Sache etwas auszusetzen haben und ärgerlich seiner Unzufriedenheit Ausdruck geben" und es ist nicht zu leugnen, das tun wir ganz bestimmt. Warum wir meckern, dazu kommen wir später, aber da bleibt zunächst noch die Frage: Warum stellt Meckern ein Problem für euch dar? Mögt ihr nicht, dass wir unzufrieden sind? Mögt ihr nicht, dass wir euch mit unserer Meinung belästigen? Oder mögt ihr den Ton nicht? Arbeiten wir das doch mal schön der Reihenfolge nach ab:

Wenn ihr nicht mögt, dass wir unzufrieden sind

Ihr möchtet zufriedene Frauen. Das verstehen wir. Und zwar wirklich. Wir wären auch lieber immer zufrieden. Fakt ist aber, dass Frauen weltweit jeden Tag vier Stunden und 29 Minuten unbezahlte Arbeit verrichten, also Hausarbeit, Kinderbetreuung, Ehrenämter u.s.w. Männer hingegen kümmern sich täglich nicht einmal zwei Stunden um Dinge, für die sich ihr Konto nicht füllt. Um es mal ganz plakativ zu sagen: In vielen Familien sieht die Realität leider ein bisschen wie ein Werbeplakat aus den 50er-Jahren aus. Zumindest situativ. Und das macht uns grantig. Was aber noch viel anstrengender ist, ist der sogenannte Mental Load in einer Familie und der liegt unbestritten in den meisten Beziehungen zu einem großen Teil als riesige imaginäre "Ich-muss-unbedingt-dran-denken-dass-Liste" in Frauen-Hirnen. Wir sind die, die an Kindergeburtstage denken, die Ferienbetreuung rechtzeitig planen, den Urlaub buchen, Elternabende auf dem Schirm haben, Hausaufgaben korrigieren, Klopapier kaufen, bevor es leer ist und wissen, wann der Bio-Müll abgeholt wird. Abschalten ist bei uns nicht, denn nicht zu denken ist gefährlich. Wir sind wie kleine Atomkraftwerke. Sobald wir abschalten, geht alles hoch. BÄM! Also halten wir die Bälle mental immer in der Luft und ja, wenn ihr dann neben uns komplett abchillt, meckern wir. Aus purem Neid. Was ihr dagegen tun könnt? Mitdenken! Uns mit einem fairen Ehevertrag zusichern, dass wir einen gehörigen Batzen von eurer Rente abkriegen, die beschissene Bio-Tonne von selbst (und nicht erst auf Ansage) rausstellen und nicht sagen, ihr würdet ja helfen, wenn wir sagen, was ihr tun sollt. Seht es verdammt nochmal selbst. Damit wir mal abschalten können! Dann dürft ihr auch gerne mal meckern. Es sei euch gegönnt!

Wenn ihr nicht mögt, dass wir unsere Meinung sagen

Willkommen in der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 2019. SOGAR Frauen haben heutzutage das Recht, ihre Meinung zu äußern. Könnt ihr im Zweifel auch im Grundgesetz nochmal nachlesen. Artikel 3 Absatz 1. Gern geschehen.

Wenn ihr unseren Tonfall nicht mögt

Dann habt ihr recht. Der ist manchmal nicht schön. Die Sache ist die: Wir sind sauer, und zwar sehr. Vor allem darüber, dass wir schon wieder die meckernde Frau sind. Wir wollen das nicht, wirklich nicht. Aber alle Bälle immer in der Luft zu jonglieren ist wahnsinnig anstrengend. Wir sind müde vom Kümmern, vom Geduldig-sein, von all den To Dos in unserem Kopf. Wir sind müde vom Nicht-abschalten-dürfen und das macht uns gereizt. Aber lasst uns gerne einen Deal machen: Nehmt die Hälfte des Mental Loads, habt im Kopf, was in der Familie so alles passiert, wertschätzt all unsere unbezahlte Arbeit und dann könnt ihr getrost eure Füße hochlegen ohne eine Meckerattacke zu befürchten. Was wir eigentlich wollen, ist nämlich ein Partner auf Augenhöhe. Einer, der weiß, was jeden Tag ansteht. Einer, der sich nicht immer nur auf uns verlässt. Einen, der uns mal Danke sagt fürs Wäsche waschen. Wir versprechen, dann sofort wieder ganz zahm zu werden! Denn nein, Meckern macht uns auch keinen Spaß.

Themen in diesem Artikel