"Na, auch allein hier?" - Warum wir Langzeitsingles sind

Auf jeden Topf passt ein Deckel – heißt es doch immer. Aber was, wenn der sich einfach nicht findet? Zwei Langzeitsingles suchen weiter nach der großen Liebe

von Protokolle Jana Felgenhauer, Dorthe Hansen

SIE SAGT:

Alexandra ist 40, hat viele Freunde und einen guten Job. Nur einen Partner hat sie nicht – seit 15 Jahren

Früher dachte ich immer, ich heirate mit Mitte 20 und bekomme zwei Kinder. Die meisten meiner Freunde haben nun längst Familien gegründet. Ich nicht. Dieses Jahr bin ich 40 Jahre alt geworden – fühle mich aber überhaupt nicht so.

Meine letzte Beziehung ist kurz nach meinem 25. Geburtstag in die Brüche gegangen. Wir trennten uns, als ich gerade beruflich Fuß fasste. Dass mich der Job so in Anspruch nehmen würde, damit hatte ich nicht gerechnet. Es gab Jahre, da konnte ich an einer Hand abzählen, an wie vielen Wochenenden ich nicht gearbeitet hatte. Da ich mit meinen Kollegen auch viel privat unternommen habe, nahm die Agentur einen großen Teil meines Lebens ein. Und schwupps – war ich über 30. Teil des Problems ist sicher auch, dass viele Männer von einer erfolgreichen Frau abgeschreckt sind.

Ich bin nicht der Typ, der auf Männer zurennt und sagt: „Nimm mich!“ Dafür bin ich zu schüchtern. Außerdem sind die Gelegenheiten in den letzten Jahren weniger geworden, weil die Freunde, die in Beziehungen sind, nur noch selten mit mir ausgehen. Und im Freundeskreis ist für mich auch nichts mehr zu holen, denn die meisten Männer sind eben vergeben.

Manchmal gibt es Phasen, in denen ich es wieder versuche und mich auf Singleplattformen anmelde. Das letzte Date hatte ich vor drei oder vier Jahren. Am Telefon klang er ganz nett, doch im Café schwebte etwas Negatives über ihm. Dauernd motzte er über die Kellnerin, lästerte über die Leute im Lokal. Er erzählte mir, dass seine Ex sein Alkoholproblem auch nicht so toll fand. Und seine Mutter noch die Wäsche bügele – was in Zukunft seine Freundin übernehmen müsse.

Ich würde behaupten, dass ich gar nicht so hohe Ansprüche habe. Ich mag lieber blonde als dunkelhaarige Typen und finde Tattoos gut. Er sollte Nichtraucher sein und einen festen Job haben. Doch am wichtigsten ist, dass man zusammen lachen kann und viel unternimmt: Kino, Ausstellungen, Städtetrips oder einfach mal eine Bootsfahrt.

„Du bist so sympathisch, lieb und nett, warum findest du keinen?“ Solche Kommentare höre ich oft. Klar zweifle ich manchmal auch an mir, etwa an meinem Aussehen. Dann denke ich, dass es vielleicht gut wäre, wenn ich mehr trainieren würde. Aber ich bin ganz sicher keine Gesichtsgrätsche.

Ab und zu hatte ich One-Night-Stands, doch danach ging es mir meistens schlechter als vorher, weil ich gemerkt hab, was mir fehlt. Manchmal waren es einfach Katastrophen. Ich erinnere mich an einen, der beim Sex unbedingt seine Socken anbehalten wollte, was mir am nächsten Morgen dann auch klar war, weil es am Bettende extrem nach Käsefüßen roch. Es gab auch einige Typen, die ihre Frau oder ihre Freundin betrügen wollten. Daran mochte ich nicht beteiligt sein.

Vor ein paar Jahren hatte ich ein richtig schönes Erlebnis und dachte, dass daraus was werden könnte. Ich lernte ihn beim Tanzen kennen, ein paar Tage später telefonierten wir schon stundenlang. Er erzählte mir, dass er sich von seiner langjährigen Freundin getrennt habe und ausgezogen sei. Ich wollte ihm Zeit lassen, sich von der Trennung zu erholen. Ein kleines Detail hatte er mir verschwiegen: Eine Woche vor mir hatte er eine Frau kennengelernt, wegen der er seine Freundin verlassen hatte. Ich fragte ihn, was das dann mit uns sollte. „Das war wohl ein Missverständnis“, meinte er. Danach hatte ich wirklich lange Zeit keine Lust mehr auf Männer.

Zum Glück habe ich meine Familie und viele gute Freunde, mit denen ich regelmäßig verreise. Zu meinem 40. Geburtstag kamen über 70 Leute. Ich bin also nicht allein. Trotzdem gibt es Momente, in denen der Wunsch nach einem Partner größer wird, etwa wenn ich ein älteres Ehepaar sehe, das Hand in Hand die Straße entlangdackelt.

Ich kann nicht mehr zählen, auf wie vielen Hochzeiten ich als Single war. Am liebsten würde ich zu meiner eigenen einladen. Ich möchte jemanden finden, mit dem ich alt werden kann. Noch habe ich die Hoffnung nicht aufgegeben.

ER SAGT:

Steffen ist Anfang 50 und unter Freunden und Kollegen beliebt. Nur in der Liebe läuft seit 17 Jahren nichts

Ich bin länger Single, als ich jemals mit jemandem zusammen war, viel länger. Allerdings ist das inzwischen für mich kein Grund mehr, die Nerven zu verlieren. Es ist nun mal so. Und über die Jahre habe ich gelernt, ganz gut mit mir klarzukommen. Dennoch frage ich mich manchmal, ob ich den Rest meines Lebens alleine bleiben werde.

Diese Frage taucht im Alltag kaum auf, eher, wenn ich etwas Schönes erlebe oder auf Reisen bin. Zuletzt war ich einige Tage in Barcelona. Ich wohnte in einem schicken Boutique-Hotel mit Pool in Meeresnähe. Was für Voraussetzungen für ein romantic hideaway! Ich kann gut alleine reisen, kenne ich ja fast nicht anders. Ich suche mir Schleichwege abseits der Touristen, ich gehe auf Konzerte, wandere durch Parks. In Barcelona erlebte ich einen wunderbaren Gitarrenabend in einer Musikschule. Das war so ein Moment, den ich gern geteilt hätte. Bei aller Freude ist da dann auch so ein wehmütiges Gefühl.

Meine Freunde, die in langjährigen Beziehungen leben, beneiden mich oft um meine Unabhängigkeit, sie sagen: „Du weißt gar nicht, wie gut du es hast!“ Ich weiß das durchaus. Ich hoffe nur, dass meine Freunde auch ihre Situation richtig beurteilen und nicht vergessen, ihre gemeinsam erlebten Momente zu würdigen. Dieses alte Sprichwort stimmt: The grass is always greener on the other side.

Ich lebe nicht zurückgezogen, bin kein Sonderling, mit dem niemand etwas zu tun haben möchte. Ich lerne immer mal wieder interessante Frauen kennen. Eine Freundin von mir behauptet, sie kenne niemanden, der so viele spannende Begegnungen hätte wie ich. Ich pflege diese Kontakte dann auch, meist entstehen Freundschaften daraus. Es wird eben nur nicht „mehr“, keine Liebesbeziehung. Im entscheidenden Moment bin ich dann wohl doch schüchtern. Freunde von mir – also die Männer – analysieren es so: Mir fehle der „Killerinstinkt“, ich spiele „um den Strafraum“ herum und gehe nicht „in die Box“. Ich finde, man kann darüber durchaus geteilter Meinung sein. Ich würde eine Frau niemals forsch angehen oder anmachen. Wenn ich eine richtig toll finde, dann versuche ich erst einmal, Zeit mit ihr zu verbringen. Dieser Auf-den-ersten-Blick-Impuls ist das eine – aber sich ein bisschen zu kennen, bevor man was startet, finde ich nur fair. Meine Zaghaftigkeit hat mir in meinem Freundeskreis schon den Spitznamen „Schnupperhengst“ eingebracht. Na, vielen Dank auch. Tatsächlich ist es mir schon ein paar Mal passiert, dass mir während dieser vorsichtigen Anbahnungsphase ein anderer in die Quere gekommen ist. Weg war sie, die tolle Frau. Sollte mir das eine Lehre sein? Ehrlich: Ich müsste mich so sehr verbiegen, um einen derartigen Angriff zu starten, das wäre doch gar nicht ich selbst.

Meine Eltern sind seit über 56 Jahren glücklich verheiratet und einander mit über 80 noch liebevoll zugewandt. Kann man lieben lernen? Alle meine drei Geschwister sind geschieden, ich war nie verheiratet. Ich habe Paare erlebt, auf die alle neidisch waren; Traumhochzeit, Erfolg im Beruf, schlaue und gesunde Kinder – und dennoch ist alles von heute auf morgen wie eine Silvesterrakete verglüht. Selbst da, wo wir beste Voraussetzungen zu erkennen glauben, hängt alles an einem seidenen Faden.

Schon mein ganzes Leben habe ich eine Faszination für Antizyklisches, für zeitliche Verschiebungen. Ich denke nicht in diesem Muster von „zu alt für“ oder „zu jung für“. Ich habe als Jugendlicher mit Golfen, dem angeblichen Alte-Leute-Sport, begonnen und erst als 35-Jähriger meinen ersten Tanzkurs gemacht. Meine erste Opernphase hatte ich während des Zivildienstes, und jetzt, mit über 50, haue ich mir manche Nacht als DJ um die Ohren.

Warum sollte ich nicht also spät – wenn es nach mir geht: gern bald – eine positive Antwort auf die ultimative Schulhoffrage erhalten: „Willst du mit mir gehen?“ Stimmt schon: Dafür müsste ich mich wohl trauen, sie endlich mal einer dieser tollen Frauen zu stellen.

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