"Schreien stärkt die Lunge! Lass ihn!" Die 10 nervigsten Oma-Sprüche

Sie sind klug, weise, toll, aber manchmal eben auch aus dem letzten Jahrhundert: Oma-Ratschläge in Sachen Erziehung. Wir haben die nervigsten Kommentare gesammelt und ein paar Antworten parat.

von Marie Stadler

1. "Da haben wir früher nicht so ein Tamtam gemacht!"

Riiiiichtig! Und wir machen eben ein Tamtam. Dafür machen wir heute andere Dinge nicht mehr. Kinder den Po versohlen, nur so zum Beispiel. 

2. "Ein Kind, das etwas will, kriegt was auf die Brill`..."

An diesem Satz ist alles falsch. Denn erstens kriegt hier keiner was auf irgendwas, und zweitens ist es sehr erfrischend, wenn jemand sagen kann, was er will. Wir zum Beispiel wollen diesen Satz einfach nie wieder in Gegenwart unserer Kinder hören. Es soll sagen dürfen, was es will. Das heißt ja noch lange nicht, dass es das dann auch bekommt.

3. "Sei ein liebes Kind, gib der Oma ein Küsschen!"

Ohauaha. Lieb sein mit Küsschen geben gleichsetzen? Nicht in Zeiten von #metoo, Oma!

4. Früher haben wir das immer so gemacht und ihr lebt auch noch!"

Ist richtig, aber auch ein bisschen Quatsch. Statistisch gesehen ist die Kindersterblichkeit heutzutage auf beinahe Null gesunken. Das sah in unserer Kindheit noch anders aus. Ein Hoch auf Vorsorgeuntersuchungen, Impfungen, Fahrradhelme, auf dem Rücken liegende Babys ohne Bettdecke und Eltern, die manche Dinge eben nicht mehr machen wie früher. 

5. "Wenn du ihn immer gleich aus dem Bett nimmst, verwöhnst du das Kind. Schreien stärkt die Lunge."

Das ist Bullshit aus dem vorletzten Jahrhundert. Experten sind sich einig: Kinder unter sechs Monaten kann man nicht verwöhnen. Aber man kann sie traumatisieren, indem man sie schreien lässt. 

6. "Ach, immer diese Helikopter-Eltern heutzutage..."

Helikoptereltern sind besser als ihr Ruf. Sie sorgen nachweislich für ein erfolgreicheres Berufsleben. Aber mal ganz davon abgesehen... die Zeiten ändern sich einfach und das Jugendamt stünde hier regelmäßig vor der Tür, wenn ich so locker drauf wäre wie ihr früher. Stichwort: Einkaufen fahren, während das Baby alleine zuhause ist.

7. "Das hätte es bei uns früher nicht gegeben!"

Schön für euch. Aber die Generation, die wir hier großziehen, wird auch für andere Dinge gewappnet sein müssen als wir. 

8. "Macht ihr das mal, wie ihr das für richtig haltet" (mit hochgezogenen Augenbrauen)

Ohne hochgezogene Augenbrauen ist das übrigens der beste Oma-Satz überhaupt!!!

9. Um Gottes Willen, stillst du etwa schon wieder?"

Ja, man nennt das Fortschritt. Wir stillen nach Bedarf und nicht nach der Uhr. Magst du nicht? Behalte es für dich!

10. "Da musst du jetzt mal durchgreifen!"

Weil sonst genau WAS passiert? Wisst ihr, genau wie ihr hoffentlich auf uns vertraut habt, dass wir bestimmte Dinge zur gegebenen Zeit lernen, so vertrauen wir auch auf unsere Kinder. Dir gefällt nicht, wenn ich meinen Sohn bei Alpträumen in mein Bett lasse? Ich bin mir sicher, dass ich so einen empathischen Vater der Zukunft erziehe. Du magst nicht, dass mein Kind wütend wird? Ich empfinde es für wichtig, dass auch negative Gefühle in unserer Familie Platz haben.

Du hast dein Kind erzogen. Zu deiner Zeit. Zu deinen Prämissen. Jetzt ist unsere Zeit. Und da lassen wir uns nicht reinreden. Außer, wir fragen...