„Sei doch nicht so anspruchsvoll!“ – Diese Sätze können Singlefrauen nicht mehr hören

Die Buchautorin Gunda Windmüller ist Single – und glücklich damit. Es macht sie wütend, dass manche Menschen denken, sie sei ohne Mann nicht komplett. Ein Gastbeitrag zum Thema Single Shaming.

von Gunda Windmüller

„Du musst dich ranhalten, du wirst schließlich auch nicht jünger.“ „Warum machst du denn kein Online-Dating?“„Ich verstehe gar nicht, wie jemand so Hübsches keinen Mann findet“. „Du willst doch auch mal Kinder und ein Haus haben“. „Du bist halt einfach zu anspruchsvoll!“: Jede Singlefrau, und da gehe ich jede Wette ein, kennt solche Sätze. Wir kennen sie sogar sehr gut, denn wir bekommen sie oft zu hören. Von guten Freundinnen, Verwandten, Kollegen, Nachbarn und sogar schon mal ungefragt beim Frauenarzt.

Nicht böse gemeint, aber trotzdem nervig

Diese Sätze sind meistens gar nicht böse gemeint, aber sie nerven trotzdem. Und zwar gewaltig. Denn sie unterstellen uns Singlefrauen vor allem Folgendes: Du bist nicht ganz komplett. Dir fehlt etwas. Und du stellst dich offensichtlich zu blöd an, diesen Mangel selber zu beheben. Was ist eigentlich los mit dir? 

Und schwupps, darf man sich dank dieser gut gemeinten Ratschläge fühlen wie die übrig gebliebenen Salatblätter in der Frischtheke. Die, die allerhöchstens noch zu einem taugen: Kaninchenfutter. Na, danke.

Viele von uns Singlefrauen sind glücklich 

Wer Singlefrauen ständig darauf hinweist, dass in ihrem Leben eine manngroße Lücke klafft, der nimmt sie nicht wirklich ernst. Und das kann verletzen. Auf der einen Seite kann man nämlich Menschen nur eine gewisse Zeitlang bemitleiden, ohne dass sie irgendwann selber damit anfangen. Und auf der anderen Seite ist es nunmal auch so, dass viele von uns Singlefrauen ganz glücklich sind. Weil wir ein gutes Leben haben. Ein Leben mit vielen tollen Beziehungen zu Freunden, Familie, Job, hoffentlich Gesundheit, und auch Sex. Wie wäre es, wenn wir mal über das Leben reden, was wir haben? Und nicht das, was uns angeblich fehlt. Nicht immer nur „was machen die Männer?“, sondern: Was macht der Job, wohin fährst du in Urlaub, was macht dein Patenkind?

Dahinter steckt ein gesellschaftliches Problem

Aber hinter diesen ganzen Mitleids-Sätzen steckt nicht nur ein persönliches, sondern auch ein gesellschaftliches Problem. Denn es zeigt, dass wir Frauen nach wie vor nicht die gleiche Anerkennung bekommen wie Männer. Als Mann kann man als Single ein toller Hecht sein. Wisst ihr noch, wie George Clooney für seine schillerndes Singleleben abgefeiert wurde? Jennifer Aniston hingegen, die arme Jen, wird immer nur auf das reduziert, was sie nicht (mehr) hat: einen Mann.

Wir sollten anfangen, uns gegen diese Sicht auf Frauen zu wehren. Lasst uns beim Singlesein anfangen. Denn wir Singles haben ganze Leben. Ein Mann macht uns nicht erst komplett. Wir SIND komplett.

Und das ganz unabhängig davon, ob wir uns nicht trotzdem einen Partner wünschen. Darauf kommt es aber auch gar nicht an. Wichtig ist: Wir sind keine Mängelwesen. „Du bist halt einfach zu anspruchsvoll?“ Nein. Ich bin es mir wert.

So kann man Single Shaming parieren:

„Du bist halt einfach zu anspruchsvoll!“ - „Ja, und du hast dir einfach irgendeinen genommen?“

„Du musst dich ranhalten, du wirst ja auch nicht jünger.“ - „Wie lange sind wir schon befreundet?“

„Ich verstehe gar nicht, wie jemand so hübsches keinen Mann findet.“ - „Muss mein Scheiß-Charakter sein.“ ;)

„Willst du denn keine Kinder?“ - „Dafür brauche ich doch keine Beziehung.“

 In ihrem aktuellen Buch  "Weiblich, ledig, glücklich – sucht nicht: Eine Streitschrift"  plädiert Gunda Windmüller leidenschaftlich dafür, das Bild von der bemitleidenswerten Singlefrau zu überdenken. Und sie macht Mut: Denn das Leben allein kann verdammt gut sein.

"Weiblich, ledig, glücklich – sucht nicht" ist im März 2019 im Rowohlt Verlag erschienen und kostet 14,99 Euro.

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