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Ängste, Sorgen und Co 5 emotionale Schwierigkeiten, die viele Alleinerziehende kennen

Mutter umarmt Kind
© Maskot
Alleinerziehende Eltern wuppen ganz schön viel und sind sich ihrer Stärke meist gar nicht bewusst. Vor allem zu Beginn ist es eine überwältigende Aufgabe, alles allein zu stemmen, wenn Sorgen und Gefühlschaos den Tag bestimmen. Unsere Autorin kennt das.

Man kann es nicht schön reden, Trennungen sind immer schwer, traurig und überfordernd, umso mehr dann, wenn Kinder involviert sind. Ist nicht Liebeskummer allein schon eines der schlimmsten Gefühle der Welt? Und in all diesem Gefühlschaos muss man noch irgendwie für die Kinder stark sein, obwohl man sich am Anfang selbst kaum über Wasser halten kann. Hinzukommen Gedanken und Ängste, die vermutlich die allermeisten Alleinerziehenden kennen:

1. Finanzen und Job

Die Sorge, dass monatlich genug Geld zum Leben zur Verfügung steht, wird in Familien mit nur einem Erwachsenen auch nur von dessen Schultern getragen. Kann ich unsere Miete zahlen? Ist genug Geld für Nahrung und Kleidung vorhanden? Was passiert, wenn ich den Job verliere oder krank werde? Reicht das Geld bis ans Monatsende und kann ich meinen Kindern überhaupt ein schönes Leben bieten? – Fragen, die viele Alleinerziehende quälen. Ein Teilzeit-Job reicht da meist nicht und trotzdem ist das Eis am Nachmittag, ein paar coole Klamotten oder der Urlaub oft nicht drin. Hinzukommt das schlechtes Gewissen, die Kindheit der Kids zu verpassen, weil man mehr arbeitet, als geplant – von der gesellschaftlichen Anerkennung Vollzeit arbeitender Mütter fangen lieber gar nicht erst an... 

2. Schuldgefühle

Egal, ob man verlassen wurde, gegangen ist oder die Trennung in gegenseitigem Einvernehmen ausgesprochen wurde: was bleibt, ist ein Berg an Schuldgefühlen gegenüber den Kindern. Weil man es nicht gemeinsam geschafft hat, weil man ihnen nicht Mama und Papa unter einem Dach bieten kann, die vermeintlich heile Familie, dessen Ideal wir immer noch nacheifern. Hätte ich mehr tun können? Hat es sich gelohnt? Waren die Entscheidungen, die wir getroffen haben, die richtigen oder die falschen? Solche was-wäre-wenn-Szenarien sind zwar nicht hilfreich, trotzdem klopfen sie immer mal wieder an. Umso wichtiger ist dann, sich ins Gedächtnis zu rufen, warum es zu der Trennung kam, statt sich mit Hypothesen zu quälen. Mit der Zeit wird der Berg kleiner, aber ob er je verschwindet? 

3. Verantwortung 

Nach wie vor leben die Kinder in den allermeisten Fällen nach einer Trennung bei der Mama. Erschreckend viele Väter interessieren sich kaum für ihren Nachwuchs und ziehen sich aus der Verantwortung. Die Verantwortung für die Erziehung liegt dann oft nur noch auf einem Rücken. Da ist niemand mehr, der sie teilt oder der etwas von der Last abnimmt. Alle wichtigen Entscheidungen – welche Schule suche ich aus, lassen wir diese OP durchführen, in welchem Umfeld können wir wohnen – müssen allein getroffen werden. Natürlich können Freunde und Eltern beraten, mehr aber auch nicht.

4. Selbstfürsorge

Es ist unglaublich kräftezehrend, alleinerziehend zu sein, sich um alles allein zu kümmern und dann auch noch die Energie zusammen zu kratzen, Sport zu machen, Freunde zu treffen oder etwas anderes zu tun, als abends vor dem TV einzuschlafen. Trotzdem fällt es vielen Alleinerziehenden schwer, sich eine Pause zu gönnen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben oder den faden Beigeschmack, nicht genug zu sein.  Dabei man sollten wir ruhig die Wäsche mal Wäsche sein lassen und uns stattdessen etwas Gutes tun. Noch schwieriger ist es oft mit sozialen Kontakten, vor allem wenn die Kinder noch klein sind und nicht allein zu Hause bleiben können oder wollen. Dabei ist die Unterstützung von Freunden und Familie umso wichtiger. Kontakte nicht einschlafen zu lassen ist genauso schwer, wie Grenzen zu ziehen und sich selbst an erste Stelle zu setzen, wenn man niemanden hat, an den man Aufgaben auslagern kann.

5. Liebe

Die liebe Liebe – gar nicht so einfach, denn irgendwie schließen sich nun doch mehr Fragen an, als es früher vielleicht der Fall war. Wie will ich leben? Was für eine Beziehung will ich führen? Will ich überhaupt nochmal eine so enge Bindung eingehen? Wo lernt man den:die passende:n Partner:in kennen und wann involviert man die Kinder? Wie erfülle ich meine Bedürfnisse, vielleicht auch ohne feste Partnerschaft? Ja, es stimmt: Wir sind stark allein, aber es gibt auch Momente, in denen wir uns einfach nur anlehnen und gehalten werden wollen. Aber nicht um jeden Preis, denn wir wissen mittlerweile: Ein:e Partner:in ist die Kirsche auf der Sahnetorte, wir lassen sie uns aber auch ohne schmecken. 

Barbara

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