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Ist wie es ist 9 Dinge, für die wir Eltern kein schlechtes Gewissen mehr haben

Frau trägt ihre Kinder auf dem Arm
© Blend Images - Inti St Clair
Schlechtes Gewissen? Ständiger Begleiter, wenn man Mutter wird. Unsere Autorin kennt das, will aber nicht mehr, dass sich ihr Gewissen dauernd einmischt. Vor allem nicht, wenn es um diese Punkte geht.

1. zu viel TK-Pizza

Tiefenentspannung beim Kochen? Habe gehört, dass es sowas geben soll, stellt sich bei mir leider nicht ein. Weder wenn ich ganz viel Zeit habe, noch wenn ich gar keine habe. Zwischen Homeoffice, Haushalt und Spielzeit noch mit den Kochtöpfen zu klappern, stresst zumindest mich ungemein. Weiteres Problem: Meine Mittagspause ist zu kurz. Ließe sich bestimmt mit ausgefuchster Planung, Vorkochen und Co. beheben, kostet mich trotzdem immer noch Freizeit – außerdem bin ich leider auch eher Typ Chaos. Bis ich also endlich im Lotto gewinne und mir einen ganz persönlichen Koch leisten kann, landen eben öfter mal TK-Pizza, Pommes und Nuggets auf den Tellern. Ist auch ok – ich reiche Gürkchen und Möhrchen dazu. Und am Wochenende machen wir die Pizza dann selbst.  

2. zu spät ins Bett

Wenn es eines gibt, dass ich im Lockdown gelernt habe, ist es: Struktur ist wichtig. Für mich und auch für meine Kinder. Leider ist unsere abendliche Struktur ein wenig aus dem Ruder gelaufen. Schließlich argumentieren meine Kinder recht erfolgreich, dass sie ja länger schlafen könnten. Haben sie recht. Und so liegen sie nun eine Stunde später als gewohnt im Bett und ich schone meine Nerven. Wird sich auch wieder ändern, wenn die Schule wieder losgeht, hoffe ich. Denn ich hätte gern wieder ein wenig früher den Fernseher für mich.

3. zu viel TV, PC Medien

Und da schließt sich natürlich das hier direkt an. Manchmal ist es vielleicht der einfachste Weg, wenn man selbst von einem Meeting ins andere hetzt, nebenbei bei den Mathe-Aufgaben hilft und versucht das kleinere Geschwisterkind zu bespaßen, das seit Weihnachten nicht mehr in der Kita war und dem langweilig ist. Manchmal ist das Tablet aber eben auch der Retter in der Not, der uns diese Zeit überstehen lässt, wenn einem vor lauter Mental Load der Kopf platzt. Am Ende ist es doch aber immer auch die Frage, was konsumiert wird. Solange wir als Eltern ein Auge drauf haben, ist es okay. Auch das wird sich wieder ändern. Also einfach mal Fünfe gerade sein lassen und  gemeinsam zocken. Wenn ich ganz rebellisch bin, reiche ich noch Popcorn und Chips dazu...

4. zu wenig Basteln

Basteln... das hatte ich nicht auf dem Schirm, als wir das mit den Kindern planten. Am Basteln scheiden sich die Geister. Entweder liebt man es oder man hasst es. Während eine/r ganze Kunstwerke erschafft, Reis färbt und Steine bemalt, verursacht mir allein der Gedanke daran nervöse Zuckungen. Ich muss zum Leidwesen meiner Tochter gestehen, dass ich es abgrundtief hasse. Das muss sie leider allein machen. Sorry, ich habe meine Grenzen, aber dafür eben andere Qualitäten. 

5. zu viel Gemecker

Zwölf Monate Homeoffice haben ihre Spuren hinterlassen. Eigentlich dachte ich, ich stecke das ganz gut weg, aber meine kurze Zündschnur sagt etwas anderes. Ist nicht schön, für niemanden von uns. Mir hinterher aber noch ein schlechtes Gewissen zu machen, hilft auch nicht. Was hilft:

  1. Atmen! Tief ein und aus.
  2. Stopp sagen, atmen und dann reagieren.
  3. Pausen einlegen, auch wenn wir oft der Meinung sind, es geht auch ohne irgendwie. Und atmen.
  4. Entschuldigen. Bei denen, die es abbekommen und erklären, was los ist. Zwischendurch atmen.
  5. In einen Wald fahren und schreien.

6. zu viel Chaos in der Bude

Wer hat eigentlich irgendwann mal beschlossen, dass es aufgeräumt sein muss? Dass Chaos etwas schlechtes ist und bloß keine Krümel herumliegen sollten? Und warum machen wir uns deswegen so viel Stress? Als ob gleich jemand spontan rumkommen würde, außer vielleicht DHL und selbst wenn...? Viel wichtiger ist doch, die Zeit, die wir zuhause nicht am PC sitzen, gut zu verbringen – mit unseren Kindern, dem Partner, uns selbst und der Badewanne. Daran versuche ich mich jeden Tag zu erinnern: Dass es egal ist, ob ich jetzt oder morgen die Wohnung sauge, aber diese Momente mit meinen Kindern  – entspannt auf der Couch ein Buch lesen, gemeinsam etwas spielen, gemeinsam kochen oder alkoholfreie Cocktails mixen – die sind soviel wichtiger.  

7. zu viel Kind im eigenen Bett

"Was? Sie schläft immer noch bei dir?". Ja und ich liebe es sehr! Ich weiß, viele Eltern schlafen dann nicht mehr gut. Ich hingegen umso besser, wenn die kleine Hand meiner Tochter nachts nach meiner tastet oder sie das erste ist, das ich morgens sehe, wenn ich die Augen öffne und sie noch friedlich schläft. Anders sieht es samstags um 6 Uhr aus, wenn sie der Meinung ist, sie habe jetzt ausgeschlafen...

Sie wird das nicht ewig machen, auch jetzt schon werden die Nächte weniger, in denen sie nachts zu mir ins Bett getapert kommt. Aber die, die uns noch bleiben, genieße ich in vollen Zügen – und sie auch.

8. zu inkonsequent

Egal, welches Problem man mit seinen Kindern gerade so hat: In Gesprächen mit anderen darüber wird dieses Wort mit einer Trefferquote von 100 Prozent fallen: Konsequenz. Egal, um welches Thema es geht, die Quintessenz heißt, wir sollen liebevoll konsequent sein. Und sicher hat das auch in vielen Punkten seine Berechtigung. Nur leider wurde ich mit dieser Charaktereigenschaft nicht bedacht. Ich rede oft, bevor ich denke und aus einem Nein wird nach etwas Überzeugungsarbeit auch oft ein Ja, okay... Ich bin leicht rumzukriegen und das fällt mir schon mal auf die Füße. Aber, Überraschung, ich bin auch nur ein Mensch mit Prägungen – habe ich akzeptiert. Klar gibt es Grenzen, wichtiger noch als konsequent zu sein ist für mich aber, miteinander zu sprechen – auf Augenhöhe. 

9. zu viele Schuldgefühle

Bei unseren Kindern wollen wir alles richtig machen. Das ist enormer Druck. Überall liest man, wie man als Mutter oder Vater zu sein hat, wie man sich angemessen in bestimmten Situationen verhält und wie unsere Kinder bestenfalls sein sollten. Aber was, wenn das so gar nicht in unsere Lebensrealität passt? Dann klopft es an, das ewig schlechte Gewissen: "Naja, war jetzt nicht so super. Hast du selbst gemerkt oder?" Wieder kein gesundes Essen auf dem Tisch, abends gab's statt Vorlesen nur ein Hörspiel aus der Konserve, und so richtig viel gespielt hast du heute auch nicht mit deinen Kindern. Und warum? Weil ich gearbeitet habe, weil keine Zeit war, weil ich keine Lust hatte und einfach mal fünf Minuten auf der Couch liegen wollte. Niemand würde mir das vorwerfen, mein Gewissen schon. Vielleicht sollten wir mal ganz genau hinschauen, wo diese miesen Gewissensbisse herkommen, wo sie ihre Wurzeln haben und ob unsere Kinder wirklich bei zu viel TK-Pizza eingehen? Natürlich sind bestimmte Dinge wichtig, aber sich selbst zu einem schlechten Elternteil zu degradieren, weil die eigenen Ressourcen schon im roten Bereich liegen, hilft niemandem. Es ist im Moment nun mal so, es kommen wieder bessere Zeiten. Passt auf euch auf!


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