Aktien für Anfänger: Willkommen im Kurstal der Ahnungslosen

Willkommen im Kurstal der Ahnungslosen – unser Kolumnist macht neuerdings in Aktien. Seitdem ist auch sein Gefühlsleben ein ständiges Auf und Ab. 

von Björn Krause

Aktien, ich habe jetzt Aktien. Befinde mich in einem Spannungsfeld, in dem ich gefühlt vormittags Millionär werde und bis zu den ARD-Börsen-News am Abend meine Altersvorsorge verzocke. Gerade ist’s zappenduster. Studiere die Kurse, wieder und wieder. Mein Gesicht verkrampft, fühlt sich an wie eine geballte Faust, die auf die Tischplatte schlagen möchte. Und. Macht. Es. Auch.

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt 

Anfangs kannten meine Aktien nur eine Richtung: von links unten nach rechts oben. Jetzt warnen Analysten vor Kurseinbrüchen unter irgendwelche 50-100-200-Tageslinien. Mein Hausarzt hingegen warnt vor der Nulllinie. Das ist der Herzschlag des Kapitalismus.

Würde jetzt bloß ... Wäre nicht ... Hätte, hätte, Klarinette. Pfeife auf Konjunktiv-Überlegungen. Genauso wie auf alle, die es besser wussten. Auf Menschen mit mehr Sorgen und Bedenken, als es Pillen in der Apotheke gibt. Frauen zumeist, die das Risiko meiden wie Zinsen die Sparbücher – dem anderen Ausdruck für schleichende Kapitalvernichtung. Kannst dein Geld genauso gut in Socken stecken oder unter die Matratze – ob Motten die Rücklagen fressen oder die Inflation das macht.

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Blöder Spruch, stimmt aber. Das größte Risiko ist die Angst vor dem Risiko. Musst an dich glauben. Dafür ist es hilfreich, dich zu überschätzen, ein klitzekleines bisschen wenigstens. Ich kann das, gut sogar. Beim Autofahren, beim Kochen, beim Sport. Entscheidend ist nicht die Realität, sondern die eigene Vorstellung davon. Nirgendwo trifft das mehr zu als an der Börse, wo Unternehmen teils hoffnungslos überbewertet sind – nicht weil der Ökonom daran glaubt, sondern der Käufer. Motto: Du kannst 1000 Prozent gewinnen, aber nur 100 Prozent verlieren. Gier frisst Hirn. Dabei kommt es gar nicht so sehr auf den Kopf an und auch nicht auf den Bauch. Sondern aufs Sitzfleisch: kaufen, halten, warten, verdienen.

Verluste sind echt hart

Verlieren jedenfalls, das weiß ich inzwischen, zieht mich mehr runter, als gewinnen Freude macht. Verluste sind doppelt intensiv, dreifach, vierfach. Sparbriefmenschen würden in meiner akuten Lage verkaufen, die Reißleine ziehen. Das ist eine Möglichkeit. Die andere wäre, genau jetzt nachzukaufen, weil die Kurse günstig sind. So machen das Gewinner nämlich. Oder Trottel. Der Börsen- und Finanzexperte André Kostolany hat mal gesagt: "Die ganze Börse hängt nur davon ab, ob es mehr Aktien gibt als Idioten oder mehr Idioten als Aktien." Wie hat er das nur gemeint?

BJÖRN KRAUSE arbeitet schon lange für Geld. Und wünscht sich das mal andersrum ...

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