Das irre Experiment dieser Autorin verändert dein Leben

Was, wenn du in einem Jahr bereits tot wärst? Alexandra Reinwarth hat das Gedankenexperiment gewagt und von der bewussten Endlichkeit viel über das Leben gelernt. 

von Christine Rickhoff

Als Alexandra Reinwarth am Tag nach ihrem Todesdatum aufwachte, war sie nicht nur lebendig, sondern auch glücklich. Sie freute sich an der Fülle ihres Lebens und über diesen und jeden weiteren Tag, den sie würde leben dürfen. Nein, die Bestseller-Autorin war nicht schwer krank, sie hatte auch keinen schweren Unfall überlebt und keine Nahtoderfahrung gehabt. Sie hatte bloß ein knappes Jahr genau so gelebt, wie sie es im Angesicht des Todes getan hätte. Ein Experiment, das nicht zynisch oder leichtfertig war, sondern eines, das sie zu den ganz großen Fragen des Lebens führte: Was ist mir wirklich wichtig? Mit wem und mit was möchte ich die Zeit, die ich habe, verbringen? Was bedeutet meine Endlichkeit für mein Leben?

Die Frau, die das Glück jagt

Wer Alexandra Reinwarth nicht kennt, wird dennoch ganz sicher schon mal über eines ihrer Bücher gestolpert sein. Zum Besipiel über den Welt-Bestseller "Am Arsch vorbei geht auch ein Weg". Für das Buch übte sie, auch mal Nein zu sagen, sich nur mit Menschen zu umgeben, die ihr guttun und konsequenter sie selbst zu sein. Keine leichte Aufgabe, denn Alexandra Reinwarth ist aus demselben Holz geschnitzt wie all die Ja-Sager, Selbstoptimerer, Bei-sich-selbst-die-Schuld-Sucher und Ausredenerfinder, für die sie das Buch schrieb. Und genau das macht ihre Versuche, sich so einiges lieber mal "am Arsch vorbei" gehen zu lassen, so erfrischend und lustig. Für ein anderes Buch versuchte sie, die perfekte Liebhaberin zu werden, ein andermal probierte sie überhaupt alles aus, was angeblich glücklich macht. Immer mit dabei: ihr herrlich trockener Humor. Alexandra Reinwarth probiert einfach gerne aus. Und so ist ihr neuestes Buch fast eine logische Konsequenz aus all den vorherigen Büchern, "die immer an der Oberfläche der wirklich großen Fragen gekratzt haben", sagt sie. 

Ein "Nein" kann pure Lebensqualität sein

Nachdem Alexandra Reinwarth gelernt hatte, besser auf sich selbst zu achten und sich all die Nebensächlichkeiten und anstrengende Menschen "am Arsch vorbei" gehen zu lassen, hatte sie schon einen wichtigen Schritt zu einem glücklichen und erfüllten Leben gemacht. "Ich bin durch all diese Experimente sehr achtsam geworden", erzählt sie. "Jedes Nein, jede selbst gesteckte Grenze und das Training, auch mal nicht jedem zu gefallen, hat mir unterm Strich eine Menge Lebensqualität gebracht." Selbstoptimierung zu verteufeln, käme der quirligen Mittvierzigerin nicht in den Sinn. "Ach, das gehört doch zum Leben", sagt sie. "Allerdings in Maßen. Man kann immer an sich arbeiten. Aber aus einer schüchternen Frau wird niemals eine Ina Müller. Und wer keinen Bock auf Sport hat, sollte vielleicht nicht gerade eine perfekte Bikini-Figur anpeilen. Die eigenen Eckpfeiler sollte man schon kennen, sonst wird man unglücklich." Aber sich selbst achtsam beobachten und an sich arbeiten? "Unbedingt empfehlenswert!", findet sie und lebt es in ihren Büchern vor.

Sterben, um zu leben 

In ihrem aktuellen Buch trieb Alexandra Reinwarth ihre Suche nach dem Glück auf die Spitze. "Es ist verrückt, wie der Gedanke an die eigene Endlichkeit die Dinge plötzlich gerade rückt", sagt sie. Vor allem werde man risikobereiter. "Stolz und Peinlichkeiten spielen plötzlich keine Rolle mehr", sagt sie. In dem Jahr, in dem plötzlich nichts mehr auf später geschoben werden konnte, wurden ihr viele Dinge klar. "Zum Beispiel, dass mir mein Traum, irgendwann ein eigenes Hostel zu eröffnen echt wichtig war." So wichtig, dass sie das Projekt sofort anpackte. "Ich habe gemeinsam mit meiner Freundin ein altes Gebäude in Valencia gekauft und wir sind dabei, es zu restaurieren." 

Nur das Herz ist wichtig

Kann man nach einem so konsequent erdachten "letzten Lebensjahr" etwas über das Leben sagen? Alexandra Reinwarth denkt lange nach. "Eine Gebrauchsanleitung für das Leben habe ich natürlich nicht", sagt sie. "Aber zwei Dinge sind mir sehr klar geworden. Erstens: Das Leben ist zu kurz für später. Und zweitens: Nur das Herz ist wichtig im Leben. Das beantwortet alles. Man muss es bloß fragen."


 "Das Leben ist zu kurz für später" von Alexandra Reinwarth, erschienen im mvgverlag.

Unser Tipp: Unbedingt als Hörbuch hören. Die Autorin liest selbst. Das macht ihre Geschichte noch viel persönlicher und ihren wunderbaren Schreibstil noch angenehmer.


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