Eine Notaufnahmeschwester packt aus

Ziemlich voll in den Notaufnahmen der Krankenhäuser. Kein Wunder, statt echter Patienten sitzen dort viele Jammerlappen und Wichtigtuer. Eine Notaufnahmeschwester packt aus.

Nach mehr als 20 Jahren in der Notaufnahme hat man einen Blick für Schmerzen. Wenn also eine Frau ohne fremde Hilfe aus dem Rettungswagen aussteigt und locker durch den Eingang läuft, kannst du davon ausgehen, dass nicht jede Sekunde zählt. Vor allem, wenn sie schon „seit vier Tagen Rücken“ hat. In der Zeit hätte sie längst zum Arzt gehen können. Noch absurder wurde es, als ein paar Minuten später ihr Freund ankam, der mit dem Auto hinterherfuhr.

Sieht böse aus

Wir hatten mal einen Patienten da, der sich komplett durchchecken lassen wollte, weil er beim Waldspaziergang einen Eichenprozessionsspinner gesehen hatte. Ja, die Raupen können heftige allergische Reaktionen auslösen. Aber doch nicht, wenn man drei Meter vor einem Baum steht und das Viech nur anschaut!

Handgemachtes Problem

Zu meinen absoluten Highlights gehört der nächtliche Besuch eines Akademikers. Er klingelte bei uns Sturm und verlangte einen männlichen Doktor. Im Patientenbrief hab ich dann später erfahren, was Sache war: Taubheitsgefühl im Penis. Grund: Er onanierte mehrmals täglich, seitdem er vor drei Wochen von seiner Frau verlassen wurde. Der Rat des Arztes: kühlen und schonen. Und für so was kommt der nachts in Krankenhaus ...

Freie Fahrt

Manche Leute rufen eher einen Rettungswagen als ein Taxi. Wie der Typ, dessen Zeh schmerzte – weil er seinem Kumpel in den Hintern getreten hatte. Nebenbei erwähnte er, dass er kein Auto besäße, um selbst in die Notaufnahme zu fahren. Deshalb wählte er die 112.

Richtig übel

Junge Menschen rennen uns häufig wegen Lappalien die Bude ein. So auch das frisch verliebte Paar, dem furchtbar schlecht war. Bei meinen Fragen zur Ersteinschätzung fand ich schnell die Ursache allen Übels: das Kettenkarussell, in dem sie den ganzen Nachmittag kurvten. Sie wollten mit „modernster Medizin“ behandelt werden – und einen gelben Schein für den nächsten Tag. Ich hab ihnen dann verklickert, dass wir ein Krankenhaus sind und keine Arztpraxis. Eine Krankschreibung gibt’s von uns nicht. Geht aber noch weiter: Als ich den beiden Zäpfchen gegen Übelkeit in die Hand drückte, fragten sie mich, wann man die Dinger wieder rausholen muss.

Kannste knicken

Worauf ich gut verzichten kann: Helikoptermütter. Kind umgeknickt? Schnell in die Notaufnahme für eine gründliche Untersuchung! Aber wehe, der kleine Pupser soll zum Röntgen, dann ist das Geschrei groß. Also, bei Mutti. „Die bösen Strahlen. Muss das sein? Da ist bestimmt nix gebrochen!“ Da frag ich mich: Was willst du dann eigentlich hier?

Mimimimimi, mir ist so kalt

In den Nachtschichten gehören Betrunkene quasi zu unseren Dauergästen, weil ihre Freunde oft keinen Bock haben, sich um sie zu kümmern. Besonders gut kann ich mich noch an eine Mädelstruppe erinnern, die nachts um drei bei uns antanzte, direkt vom Glühweinstand auf dem Weihnachtsmarkt. Im Schlepptau hatten sie ihren torkelnden Buddy. Die Anfang-20-Jährigen glaubten, er brauche dringend Hilfe, weil er betrunken war und fror. Ihre Vorabdiagnose: „Der ist total unterkühlt.“ Wir haben dann gemeinsam beschlossen, dass sein Bett und eine Wärmflasche wohl die beste Medizin für ihn seien.

Auf www.notaufnahmeschwester.com gibt’s noch mehr wahre Geschichten aus der Notaufnahme


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Ziemlich voll in den Notaufnahmen der Krankenhäuser. Kein Wunder, statt echter Patienten sitzen dort viele Jammerlappen und Wichtigtuer. Eine Notaufnahmeschwester packt aus.

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