Als Mutter ist man immer der Arsch!

Es gibt einen Job, in dem man eigentlich immer nur alles falsch machen kann: Erziehungsberechtigter, weiblich. Das ist manchmal sehr ärgerlich, oft nervig, kann aber grundsätzlich sehr befreiend sein. 

von Viola Kaiser

"Man kriegt ja so viel zurück", sagen Mütter gerne seufzend. Irgendwie stimmt das sicher auch, allerdings merke ich davon an etwa 363 Tagen im Jahr nicht besonders viel. Es sei denn, wir sprechen von Papiermüll, frechen Kommentaren, unbegrenzter nicht vorhandener Kooperationsbereitschaft oder ungefilterter Kritik. Dankbarkeit? Fehlanzeige. Zum Beispiel dann, wenn ich für alle etwas zu essen koche – und keiner findet auch nur ein bisschen gut, was ich in liebevoller Hingabe am Herd produziert habe. Oder wenn die Wäsche nur nachlässig auf den Boden geworfen wird anstatt sie in die Waschmaschine zu tun oder zumindest mal auf rechts zu drehen. Oder wenn ich zum gefühlten 1000. Mal am Tag den Dreck aller anderen, die da eben mit mir wohnen und sich Familie nennen, wegsauge, wische oder fege.

Der Job als Mutter setzt ein hohes Maß an Geduld und Einsatzbereitschaft voraus. Er ist schlecht (naja, eigentlich gar nicht) bezahlt und wirklich anspruchsvoll. 24 Stunde lang. Als Mutter ist man wirklich immer der Arsch. Jeder, der ein Kind hat, weiß das. Manchmal möchte man einfach nur mehrfach hintereinander den Kopf auf die Tischplatte schlagen und schreien "Was tue ich hier eigentlich?!!!" Und manchmal, ganz manchmal sind die Kleinen so entzückend, dass man die Mühen vergisst, küssen einen und sagen liebe Dinge. Ja, manchmal bedanken sie sich sogar. Das kommt aber nur eher selten vor.

Warum immer überkorrekt sein?

Mal unabhängig davon, dass man in der Regel nicht nur von den Kindern kritisiert wird, sondern auch von Ehemännern, ErzieherInnnen, LehrerInnen, anderen Müttern, den eigenen Eltern, fremden Menschen auf der Straße und so weiter und so fort. Die Liste ist endlos. Neulich sprach ich mit meiner Freundin Laura genau über dieses Thema und stöhnte gegen Ende der Konversation nur: "Wie man es macht, macht man es falsch!" Allerdings kam mir danach ein Blitzgedanke, der mich von dem ganzen Gemecker ablenkte. Wenn ich doch eh fast nie etwas richtig mache, dann bietet mir das unendliche Freiheiten. Warum eigentlich immer überkorrekt sein? Warum nicht einfach mal machen, was ich will? Und nicht das, was alle anderen mögen könnten. Ich liebe meine Kinder ja auch, wenn sie sich wie Asoziale verhalte – warum sollte das umgekehrt anders sein?

Also kochte ich an diesem Abend eine scharfe Sauce für den Reis mit viel Gemüse, den ich so gerne mag und sonst irgendwie keiner. Anschießend verbot ich vehement Fernsehkonsum, verdonnerte die Kinder herrisch zum korrekten Aufräumen und ließ sie danach die Spülmaschine ausräumen und die Wäsche aufhängen, natürlich ohne auch nur ansatzweise  "Danke" zu sagen. Ich wurde überrascht –  es wurde kein bisschen mehr gemeckert als sonst. Meine große Tochter sagte lediglich "Schade, dass wir heute nicht fernsehen dürfen. Kann ich das probieren, was auf deinem Teller ist?". Dann: "Das schmeckt total gut, Mama." Ich konnte es kaum fassen, aber dann folgte: "Danke, dass du für uns gekocht hast!" Kein Wort darüber, dass sie nach diesem Test meines Currys erstmal einen halben Liter Wasser auf Ex trank. Die Kleine schob hinterher, dass sie auch lieber mein Essen als Brot mit Butter wolle. Und aß fast einen ganzen Teller leer.

Persönlicher Haussklave der anderen? Nein, Danke!

Als mein Mann nach Hause kam, sagte ich kurz "Hallo", übergab ihm die Kinder und ging mit einer Freundin in die Kneipe. Auch er wünschte nur "Viel Spaß". Offensichtlich waren meine revolutionären Vibes bei ihm angekommen. Ich hatte einen sehr schönen Abend mit guten Gesprächen über lauter andere Dinge als Kinder und etwa fünf Bier. Am nächsten Morgen hatte ich frei und Kopfschmerzen. Ich fragte ohne Fragezeichen,  – ich befahl quasi – ob mein Göttergatte die Kinder zur Kita bringen könne. Erneut gab es keine Widerworte, wieder war ich überrascht. Und legte mich noch mal hin. Die Wäsche ließ ich einfach mal unsortiert vor der Maschine liegen. Fiel ja eh nur mir auf. Konnte später mein Mann machen, wenn ich abends zum Sport ging. 

Als er am nächsten Nachmittag verkündete, er würde mit Freunden Fußball gucken und danach ein Bier trinken gehen und meine Kinder sich beim Abendessen leicht nörgelnd über die Spaghetti mit Scampi äußerten, die ich in erster Linie für mich gekocht hatte, war ich fast erleichtert. Dann nahm ich mir vor, nächste Woche mal wieder mindestens zwei Tage einzubauen, an denen ich mich nicht wie der persönliche Haussklave der anderen Familienmitglieder fühlen musste. Oder einfach mal drei Tage alleine wegzufahren und das Handy auszuschalten. Oder zumindest wieder öfter abends Bars aufzusuchen und meinen Mann den Nachwuchs ins Bett bringen, bekochen und erziehen zu lassen. Als Mutter ist man nämlich vielleicht doch nicht immer der Arsch. Zumindest nicht, wenn man diese Rolle schön abgibt. 

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