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Verfluchte 35 Hilfe, ich habe mein Angstalter erreicht!

Frau mit Muffin unter Decke
© Galina Zhigalova / Getty Images
Viele Frauen haben es, darüber sprechen möchten die wenigsten: Das Angstalter. Unsere Autorin hat ihres erreicht – und verrät, wie sie damit umgeht.

Es sind bekanntlich oft die kleinen Momente im Leben, die irgendwie hängen bleiben. Ich hatte einen davon letzte Nacht. Schweigend starrte ich auf den Countdown meiner PC-Uhr, bis das Datum umsprang und ich den Punkt erreichte, vor dem ich mich immer gefürchtet hatte: meinen 35. Geburtstag. Mein Angstalter. Hilfe!

Was bitte sehr ist denn ein Angstalter?

Das Gemeine am Angstalter ist, dass es ziemlich diffus ist. Ich definiere es für mich wie eine persönliche Grenze: Wenn sie einmal überquert ist, kann man nicht mehr zurück, und nichts ist mehr so, wie es war. Was bei mir die 35 ist, könnte für eine andere Frau die 42 sein, wenn sie erste Symptome der Perimenopause bemerkt. Oder die 65, wenn es in die Rente geht und frau auf einmal ganz viel Zeit und wenig zu tun hat (den Betroffenen empfehle ich an der Stelle übrigens die Anschaffung eines Hundes, der auf Trab hält).

Klischees voraus!

Warum es grundsätzlich die Grenze in meinem Kopf gibt, weiß ich im Übrigen: Ich dachte eigentlich immer, dass ich mit 35 mit Kind und Kegel dastehen und dem Familienleben frönen würde. Stattdessen bin ich die nun offizielle Karrierefrau-Single-Mitdreißigerin, deren einzige Babys ihre Katzen sind. Noch mehr Klischee geht nicht. Dabei war der Kind-und-Kegel-Plan eigentlich immer da, aber irgendwie ist der passende potenzielle Kind-und-Kegel-Vater bisher einfach nicht aufgetaucht. Falls ihn einer gesehen hat, schickt ihn gern vorbei, ich hätte hier noch Geburtstagskuchen.

Ich schätze, ich habe auch eine Idee, warum es ausgerechnet die 35 ist. Schließlich verabschieden sich jetzt im Vergleich zu früher quasi monatlich immer mehr von meinen Eizellen auf Nimmerwiedersehen. So als würden sie tagtäglich eine wilde Party feiern, während der Weltuntergangsklassiker "Der letzte Tag" von Peter Fox läuft, bevor sie dann den polnischen Abgang machen.

Und selbst wenn sich die eine oder andere verkaterte Eizelle erbarmt und so lange bleibt, bis der Kind-und-Kegel-Vater auftaucht und einen Treffer landet, spricht man ab 35 immer von einer Risikoschwangerschaft. Das Wort allein ist fast schon so gruselig wie das Angstalter selbst, schreit es doch nach möglichen Komplikationen, über die ich eigentlich gar nicht weiter nachdenken will. So betrachtet, wirkt die 35 wirklich irgendwie wie eine Unglückszahl für alle Familienplanungswilligen.

"Grau, teurer Freund, ist alle Theorie"

Der Punkt an all diesen Überlegungen ist: Sie sind vollkommen theoretisch. Selbstverständlich werden nicht alle meine Eizellen von heute auf morgen absterben, und ich werde natürlich nicht für immer die klischeehafte Single-Katzenmutti sein. Jedenfalls nicht zwangsweise. Aber anstatt darüber zu grübeln, könnte ich mir auch den Tag ausmalen, an dem Ryan Reynolds mir endlich seine Liebe gesteht. Das ist nämlich genauso unrealistisch, macht aber wesentlich mehr Freude. Vorsichtshalber stelle ich mal ein Stück Kuchen zur Seite.

Brigitte

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