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Arbeit aus dem Bett Bitte ab jetzt immer

Arbeit aus dem Bett: Eine junge blonde Frau sitzt mit einem Laptop im Bett
© brizmaker / Shutterstock
Warum arbeiten nicht alle vom Bett aus? Seit unsere Autorin in Entspannungsposition schreibt, hat sie keine Produktivitätspanik mehr, dafür steuerliche Vorteile.

Arbeiten vom Bett aus?

Ja, auch ich tat bis vor Kurzem alles, um bloß nicht mit meiner Arbeit im Bett zu landen. Eine Frage der Berufsehre: Ein seriöser Platz zum Geldverdienen braucht offiziell reinen Tisch, eine Ablage (nein, nicht des eigenen Körpers) und einen Arbeitsstuhl (wobei man die schmerzhafte Wahl zwischen ergonomisch oder optisch wertvoll hat). Mittlerweile arbeiten pandemiebedingt mehr Menschen denn je im Homeoffice, sweet Homeoffice. Nur jeder Fünfte davon würde jetzt im Winter gern in die Firma zurück. Viele haben wie ich seit dem Corona-Hausarrest eine Menge Arbeit in die Einrichtung einer professionellen Bürokulisse gesteckt. Wenn man weitverbreiteten Einrichtungstipps für den perfekten Heimarbeitsplatz glauben darf, gehören dazu noch eine instagramable Pinnwand mit Motivationssprüchen, eine Familie, die einen in Ruhe lässt, oder zumindest Kopfhörer, ein Standabroller für Tesafilm sowie ein dekorativer Briefbeschwerer aus dickem Glas. Was für Briefe eigentlich? E-Mails?

Nicht nur ein Briefbeschwerer ist retro, auch das Diktat, Arbeit würde nur an einem festgelegten Ort zu einer festgelegten Zeit funktionieren. "Die Schreibtischplatte gibt uns Halt", behauptet ja nicht nur der Münchner Wohnpsychologe Uwe Linke. In aufrechter Haltung würden sich die Gedanken besser sortieren lassen. Ich bekam allerdings haltlose Produktivitätspanik, sobald ich an meinem perfekten Arbeitsplatz saß. Ab sofort lief die innere Stechuhr: Sitzt du noch oder schreibst du schon? Ja, ich gestehe: Seitdem arbeite ich heimlich im Bett. Den Laptop da, wo er hingehört: auf dem Schoß. Na, da mache ich es mir ja bequem? Wenn die Ergebnisse stimmen, warum nicht?

Schreibtisch, nein danke

Damit liege ich außerdem voll im Trend. So arbeiten 80 Prozent aller jungen New Yorker in gut bezahlten Berufen laut "Wall Street Journal" regelmäßig vom Bett aus – nicht nur, weil für einen Schreibtisch bei den Mieten kein Platz ist.

Das Bett als Lebensmittelpunkt und Arbeitsstätte hat eine lange Kulturgeschichte - von Alexander dem Großen, der erfolgreich aus dem Bett heraus regierte, bis zu den Surrealisten, die vor dem Schlafengehen mit "Der Dichter arbeitet" beschriebene Schilder an ihre Schlafzimmertüren hängten. Der geniale Truman Capote meinte gar: "Ich kann nicht denken, wenn ich mich nicht hinlege." Ein Traumjob!

Erst die Industrialisierung zementierte die Trennung von Zuhause und Büro oder Fabrik, von Heim und Arbeitsplatz. Durch die Digitalisierung sind Arbeits-, Lebens- und Schlafenszeit längst wieder untrennbar vernetzt. Power-Nap zwischendurch? Da liege ich doch gleich richtig. Lunch in der Mittagspause? Auf ein Klapptablett kann ich den Laptop stellen – aber auch mein Essen. Falls ich einen spontanen Nervenzusammenbruch kriege: Ab unter die Therapiedecke. Was das für Zeit spart! Bettwäsche werde ich ab sofort als Arbeitsmaterial von der Steuer absetzen. Und völlig nutzlos ist mein optimal eingerichtetes Homeoffice auch nicht: Für Zoom-Calls setzt es mich perfekt in Szene.

Karina Lübke schreibt und lebt in Hamburg. "Lass liegen" ist dabei ihr neues Motto. Läuft: super!

Barbara

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