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Arschlochkind "Ich kann die beste Freundin meiner Tochter nicht leiden"

Die böse beste Freundin meiner Tochter
© Getty Images
Es ist noch klein, das weiß sie natürlich. Trotzdem ist dieses sechs Jahre alte Arschlochkind der Horror, findet unsere Autorin. Darf die das?
von Linda Meyerbach

Es war Antipathie auf den ersten Blick. Ich schämte mich dafür, denn es gab damals keinen Grund, aber ich konnte diese kleine Person einfach nicht ab. Dabei fand ich mich selbst wahnsinnig ungerecht. Das Kind war zwei: Welchen Grund gab es mir, es so bescheuert zu finden? Daher versuchte ich es immer wieder. War sie nicht sehr niedlich in ihrem Kleid? Liebte sie meine Tochter nicht total und fragte dauernd, ob sie zu uns kommen könne?

Sie tyrannisierte mein Kind

Erst kam sie mit ihrer Mutter und benahm sich einigermaßen. Dann aber nahm ich Emma öfter alleine mit und sie gab mir jetzt eindeutige Gründe, sie nicht zu mögen. Je älter sie wurde, desto schlimmer wurde es. Wenn ich sie mal nach dem Kindergarten mitnahm – ich versuchte das schon zu reduzieren –, freute sie sich zwar, aber dann begann sie meine jüngere Tochter zu tyrannisieren. "Du darfst nicht mitspielen!", "Du bist klein und hässlich", "Du sollst aus dem Zimmer gehen". So ging das in einer Tour. Als ich dazu etwas sagte und ihr durchaus deutlich erklärte, dass das hier auch das Zuhause meines kleinen Kindes war und sie bitte etwas freundlicher sein müsste, war Terror-Emma beleidigt. Aber sie hörte auf. 

Emma grinste nur teuflisch

Beim nächsten Treffen ging sie mehrfach an meine Tasche, holte Kekse heraus, verteilte sie an meine Töchter und schmierte die Hälfte der Schokoladenfüllung an meine Wände. Ich suchte genervt nach den Schmutzradierer und schwor mir, dieses Mädchen, das nur teuflisch grinste anstatt sich zu entschuldigen, nie wieder mitzunehmen.

Doch meine größte Tochter ließ nicht locker, sagte immer wieder "Emma will mit zu uns, Mama! Kann sie mal wieder mit?" Ich ließ mich breit schlagen, in dem Glauben, dass meine Tochter sich wünschte, mit diesem Mädchen zu spielen. Ich wollte natürlich eine gute Mutter sein, wollte, dass meine Kinder glücklich sind. Ansonsten wollte ich vor allem meine Ruhe. Deswegen sagte ich irgendwann ja. 

Dann hatte meine Tochter keinen Bock mehr auf ihre Diktatorenfreundin

Dann bekam ich mit, dass sie auch meiner großen Tochter gegenüber eher harsch war. Richtig gemein sogar. Als ich sie im Anschluss darauf ansprach, sagte sie. "Wenn ich nicht mache, was sie sagt, ist sie doch nicht mehr meine Freundin. Dann beschimpft sie mich und lässt mich nicht mitspielen". Meine Güte, das Kind war sechs! Woher hatte sie diese Erpressermethoden?! Ich versuchte sie zu trösten, sie zu bestärken und vor allem, nahm ich dieses Arschlochkind nun tatsächlich nicht mehr mit. Ohne schlechtes Gewissen. Und ohne das dauernde Quengeln meiner Tochter, die anscheinend langsam auch die Nase voll hatte von ihrer Diktatorenfreundin.

Nur Emma kam noch regelmäßig, wenn ich meine Kinder abholte und fragte, ob ich sie gefälligst mitnehmen könne. Auch wenn ich regelmäßig mit "nein" antwortete – und man deutlich merkte, dass sie mich nervte.

Am Ende hatte ich doch recht

Ich wusste, in wenigen Wochen würden die beiden zur Schule gehen, glücklicherweise nicht zu derselben. Und ich behielt recht, das Problem erledigte sich von selbst. Außerdem wusste ich jetzt, dass ich nicht etwa ungerecht oder eine verkappte Kinderhasserin war – ich hatte einfach nur sehr früh den richtigen Riecher. Wie das bei Müttern so üblich ist...


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