Barbara Schöneberger: Bist du eigentlich nie neidisch?

Barbara Schöneberger über Eifersucht, Luft nach oben und neidfreies Denken. 

von Barbara Schöneberger

Prinzipiell bin ich kein eifersüchtiger Mensch. Ich denke nie in den Kategorien, dass jemand etwas besser kann, schöner ist oder erfolgreicher. All das hat mich eigentlich immer eher inspiriert und beflügelt. Man will ja auch in der Gruppe nicht immer diejenige sein, die alle andern in die Tasche steckt, sondern sich nach oben orientieren und feststellen: Da ist noch Luft nach oben bei mir. Ich beobachte allerdings in letzter Zeit, dass ich meine Gesichtszüge nicht immer im Griff habe, wenn ich ganz junge, sehr schöne Mädchen angucke. Dann versuche ich, positiv zugewandt zu bleiben, die Mundwinkel nach oben gezogen, vollkommen neidfrei – aber in meinem Kopf stelle ich mir Fragen wie: Welche Strumpfhose trägt sie wohl, dass ihre Beine so ebenmäßig aussehen? (Keine! Schluck!)

Gönnen können

Gab es in den 90ern auch schon so kurze Röcke? Und warum hatte ich die nie an, als es eigentlich noch ging? Ist das schon stutenbissig? Angesichts dieser Mittzwanziger-Aura weiß ich manchmal nicht, was bei mir überwiegt: der Neid darüber, dass jungen Frauen noch all die schönen Entscheidungen des Lebens bevorstehen, oder das Glück darüber, es selbst einigermaßen in die richtigen Bahnen geschafft zu haben. Ich lehne mich innerlich dagegen auf, Sätze zu sagen wie: Bei uns früher … Als ich in deinem Alter war … Ich will all diese Gedanken wegschieben können. Nur gönnen und glücklich sein, dass alles gut gelaufen ist.