VG-Wort Pixel

Beste Freundin auf Distanz: So funktioniert die Freundschaft trotzdem


Am Tag können es schon mal hunderte WhatsApp-Nachrichten sein: Unsere Autorin führt eine Fernbeziehung mit ihrer besten Freundin. Das ist zwar nicht optimal, klappt aber trotzdem erstaunlich gut. Tipps für eine funktionierende Fernfreundschaft.
von Franziska Steinberg

Seit über zehn Jahren wohne ich in Hamburg. Meine beste Freundin lebt in Berlin. Wir kennen uns seit der Kindergarten-Zeit. Buchstäblich also aus dem Sandkasten - nur dass wir beide noch nie gern im Sandkasten gespielt haben. Während andere Kinder sich also dreckig gemacht haben, haben wir lieber die Mini Playback-Show nachgespielt. Wir kamen auf unterschiedliche Grundschulen, was uns eine kurze Kontaktpause, aber sehr gute Noten bescherte. Am Gymnasium fanden wir wieder zusammen – und sind seitdem unzertrennlich. Auch wenn uns die 300 Kilometer trennen, scheinen sie für uns nicht wirklich existent. Ich erinnere mich zwar noch an Zeiten, an denen mir der wöchentliche gemeinsame Brunch am Wochenende fehlte, die Kino- und Theatergänge oder spontane Shopping-Touren. Die Sorge, die Freundschaft vielleicht nicht aufrecht erhalten zu können, war groß. Doch es dauerte nicht lange und die Freundschaft scheint enger als je zuvor. Auch neue Freundschaften konnten unsere Verbindung niemals ins Wanken bringen. Daher fühle ich mich dazu berufen, einmal Hilfestellung 

Meine 5 Tipps für eine gelungene Freundschafts-Fernbeziehung  

1. Sehr oft Kontakt halten – egal wie 

Wir telefonieren eigentlich eher selten, halten dafür über WhatsApp wirklich sehr regen Austausch – ob eigene Beziehungsprobleme, der neueste Promi-Skandal von oder die Shopping-Errungenschaften – wir teilen alles. Das Gefühl, am Alltag des anderen beteiligt zu sein, hält für uns die Freundschaft zusammen. Zu wissen, mit wem der Lieblingsmensch Zeit verbringt und was einen aktuell beschäftigt, ist für eine Fernbeziehung essentiell – ob nun mit einem festen Partner oder einer Freundin. WhatsApp mag für die einen die nicht das geeignetste Medium sein. Aber dann findet einen anderen Kanal, der gut zu euch passt und schnell von der Hand geht. 

2. Quality Time: Auszeiten mit der besten Freundin 

Der beinahe tägliche Austausch und die Teilnahme am Alltag des anderen ist die Pflichtveranstaltung – obwohl sich das bei uns so eingeschlichen hat, dass es wirklich spaßige Routine geworden ist. Die Kür: Raus aus dem Alltag mit der Besten. Sei es nur mal ein kleiner Wochenendtrip: Shopping, Wellness, Kulturprogramm – egal. Hauptsache man sieht sich und verbringt exklusiv Zeit miteinander, führt ausführliche Gespräche und lacht mal wieder richtig viel zusammen. Dafür auch regelmäßig die Initiative übernehmen. Bei uns ist es mindestens ein Trip im Jahr, meistens sind es aber eher zwei oder drei. 

3. Kleine Aufmerksamkeiten erhalten die Freundschaft 

Das klassische Nehmen und Geben-Prinzip. Nein, das müssen keine materiellen Geschenke sein. Manchmal reicht eine Postkarte, Blumen oder eine Kleinigkeit, die man mitnimmt, weil man einfach beim Anblick an den anderen gedacht hat. Ob persönliche Übergabe oder per Post – die Empfängerin wird sich auf jeden Fall freuen. Als Aufmerksamkeit gilt übrigens auch, an wichtige Termine oder Ereignisse der anderen zu denken. Sie fliegt in den Urlaub? Wünsche ihr einen guten Flug! Sie hat ein Vorstellungsgespräch? Drück ihr die Daumen! Alles selbstverständlich. Eigentlich. Aber bei wie vielen Freundinnen machst du das denn? 

4. Klarheit und Wahrheit sind Pflicht

Ja, wie auch bei der klassischen Fernbeziehung sind Vertrauen und Ehrlichkeit wohl der wichtigste Part. Wir reden sehr offen und direkt miteinander – das kann manchmal hart sein, war aber rückblickend immer das Richtige. Ohne Klartext funktioniert eine Freundschaft einfach nicht. Wenn also etwas nicht passt, unbedingt ansprechen. Genauso sind liebe Worte manchmal sehr wichtig: Ihr einfach hin und wieder sagen, dass sie dir wichtig ist und du froh bist, sie zu haben. Tut nicht weh, macht aber viel. Ebenso wichtig: Die eigenen Sorgen oder auch freudige Momente von alleine aus ansprechen. Nur wenn deine Freundin weiß, wie es dir geht, kann sie entsprechend reagieren und mitfühlen. Sharing is caring! 

5. Macken und Veränderungen akzeptieren

Meine beste Freundin und ich teilen oft die gleichen Ansichten, was in Anbetracht des langen Zeitraums unserer Freundschaft manchmal schon erstaunlich ist. Beziehung, Job, Familie – es gibt nur wenig Anlass zur Diskussion. Und wenn doch: Diskutieren wir halt darüber. Vermutlich sind wir deshalb auch so gut und lange befreundet. Dennoch entwickelt man sich in manchen Punkten einfach anders. Macken und Spleens kommen dazu, gewohnte Eigenschaften verschwinden plötzlich. Wenn man so eng im Austausch ist, neigt man dazu, den anderen zu einem Klon seiner selbst anzusehen – ist dieser aber nicht. Liebe deine beste Freundin als so wie sie ist - und auch so wie sie vielleicht in zehn Jahren ist!  

Meine beste Freundin und ich sind nun schon fast 30 Jahre befreundet. Hört sich viel an, aber nicht in Anbetracht der Tatsache, dass es vermutlich noch einmal so viele Jahre werden. Prost - auf die Freundschaft! 


Mehr zum Thema