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Beziehungspause: Letzte Chance oder der Anfang vom Ende?

Beziehungspause: Letzte Chance oder der Anfang vom Ende?
© Getty Images
Die Trennung auf Zeit ist für manche die Rettung der Partnerschaft, anderen raubt sie die letzten Kraftreserven. Macht eine Beziehungspause Sinn?

Ich brauche eine Pause“ – wer möchte diesen Satz von seinem Partner gerne hören? Die Gründe für eine temporäre Trennung können sehr unterschiedlich sein – doch meistens ist es doch der Wunsch nach Klarheit, die eine Beziehungspause ans Licht befördern soll. Klarheit über die eigenen Gefühle, über den Partner, über die eigene Perspektive, Bedürfnisse und Wünsche. Hört man sich so um, besitzt die Beziehungspause einen schlechten Ruf. Da wird schnell die Nase gerümpft und das definitive Ende der Beziehung prophezeit. Sicher ist eine temporäre Trennung nicht das, was wir uns unter einen intakten Partnerschaft vorstellen. Doch wir sind uns sicher: Hätten manche Paare den Mut für eine Beziehungspause aufgebracht, wären sie vielleicht heute noch zusammen – andere Paare wiederum hätten etwas Abstand definitiv nötig. Klar ist: Vielen hat eine Pause gut getan. Viele haben wieder zusammen gefunden. Vielen ist in der Auszeit einiges klar geworden. Viele sind wieder glücklich.

Was sind die Gründe für eine Beziehungspause?

Du kommst nicht mehr gerne nach Hause?

Der gemeinsame Abend mit deinem Partner löst keine Freude mehr in dir aus? Du verbringst die Zeit viel lieber alleine oder mit Freunden anstatt mit deinem Schatz? Eine Trennung auf Zeit lässt dich herausfinden, ob du noch Gefühle für deinen Partner hast und Sehnsucht entwickelst. 

Du siehst die gemeinsame Zukunft nicht?

Wenn du dir vorstellst, dass die Situation in fünf Jahren die gleiche wäre wie jetzt, willst du sofort Reißaus nehmen? Um herauszufinden, ob es sich gerade um eine schlechte Phase handelt oder die Realität tatsächlich widerspiegelt, kann eine Beziehungspause helfen. Sie bringt Klarheit, aber unter Umständen auch die Veränderung, die du brauchst.

Es ist gerade alles zu viel?

Manchmal liegt es ja wirklich an einem selbst: Job, Familie, Freundschaften – alles unter einen Hut zu bekommen kann einen manchmal überfordern und den eigenen Fokus verlieren. Wenn du dir selbst erst einmal darüber klar werden musst, wo du gerade stehst, kann dich eine Trennung auf Zeit etwas entlasten und dich zu deinen eigenen Bedürfnissen zurückbringen. 

Die Emotionen kochen ständig über?

Dein Partner macht eigentlich alles falsch? Wie er redet, wie er isst, wie er bestimmte Dinge erledigt – und du mäkelst nur noch an ihm rum und ihr zofft euch, dass die Wände wackeln? So bringt eine Beziehung definitiv keine Freude. Eine Weile auf Abstand gehen kann euch zu eurer gemeinsamen Basis führen. Schließlich hast du den Typen doch mal mit all seinen Facetten großartig gefunden, oder nicht?

Ein Streit hat eine große Kerbe geschlagen?

Einer von euch beiden hat so richtig Mist gebaut? Das kann das Vertrauen und die Liebe ganz schön erschüttern. Steht die Beziehung plötzlich auf der Kippe und man braucht einfach Zeit, sich von der Aktion zu erholen und eventuelle Konsequenzen für die gemeinsame Zukunft nachzudenken, kann die Beziehungspause Klarheit bringen.

Du bist dir deiner Gefühle nicht sicher?

Du bist dir zwar im Klaren darüber, dass du einen ganz tollen Menschen an deiner Seite hast und ihr zusammen auch ein fantastisches Team abgebt, dennoch fehlt dir das Gefühl, dass es wirklich Liebe ist. Und nicht nur Freundschaft. Abstand kann helfen, die Gefühle wieder wachzurütteln - oder eben auch Klarheit darüber bringen, dass es für eine lebenslange Partnerschaft nicht ausreicht.

Kein Grund für die Beziehungspause: Die Trennung ist schon besiegelt.

Oft ist es ein Teil der Beziehung, der sich die Pause wünscht. Den anderen trifft diese Entscheidung in der Regel recht hart – und für beide ist eine Auszeit oft eine zusätzliche emotionale Belastung. Sie sollte dafür da sein, sich Gedanken über sich, den Partner und die gemeinsame Zukunft zu machen. Der Wunsch, die Beziehung weiterzuführen, sollte bei beiden Partnern vorhanden sein. Ist einem bereits klar, dass diese Beziehung nicht mehr lange anhalten wird und eine Trennung alternativlos ist, sollte der Schlussstrich direkt gezogen werden. Eine Beziehungspause ist keine Trennung auf Raten – um den Partner vielleicht nicht direkt vor vollendete Tatsachen zu stellen. Sie ist eine Rettungsaktion, zu der auch viel Mut und Wille gehört, an sich und der Beziehung zu arbeiten. Sie sollte nicht das Ziel haben, um sich mal ein paar Wochen „frei“ zu machen, um dann zurück ins ja eigentlich doch ganz nett gemachte Nest zu kehren oder dann bewusst endgültig ins Exitus zu verschwinden.

Regeln für Beziehungspause: Wie soll man sich verhalten?

Jede Trennung auf Zeit ist individuell. Damit die Beziehung nicht unter den unterschiedlichen Vorstellungen einer Beziehungspause leidet, sollte vorab in einem Gespräch geklärt werden, wie die Auszeit aussehen soll. Ja, so unsexy es klingt, aber ein paar Regeln kann man ruhig aufstellen – vorausgesetzt beide sind mit dem „Regelwerk“ einverstanden. So kann Enttäuschungen und falsche Erwartungen vorgebeugt werden.  

Dauer der Beziehungspause:

Wie lange man sich voneinander „trennen“ will hängt sehr von einem selbst und den Bedürfnissen ab. Manch einem ist eine Woche schon zu lange, der andere stellt sich vielleicht mehrere Monate vor. Tatsächlich empfehlen Beziehungsratgeber eine Pause von mindestens zwei bis maximal fünf Monaten. Im Optimalfall findet in der Zeit auch eine räumliche Trennung statt. In dieser Zeit gelingt es, Raum für sich selbst zu schaffen und sich über Dinge im Klaren werden zu lassen. Die Dauer sollte vorab festgelegt und für die Zeit eventuell eine Bleibe zur Zwischenmiete organisiert werden.

Dates, Sex und andere Partner in Beziehungspause:

Für die einen wäre das der sofortige Trennungsgrund, für die anderen Mittel zum Zweck. Manch eine Frau braucht mal ein Date mit einem anderen Mann, um zu sehen, ob es tatsächlich so aufregend ist, wie sie sich das seit Jahren vorstellt. In den meisten Fällen ist es das nämlich gar nicht. Das gilt umgekehrt für den Mann natürlich genauso. Ob man sich diese Freiheit in der Auszeit gegenseitig zugesteht, sollte vorher geklärt werden – und auch, ob es in so einem Fall anschließend zum Gespräch werden oder jeder seine Abenteuer lieber für sich behalten sollte. Grundliegendes Vertrauen ist für diese Entscheidung Voraussetzung.

Funkstille während der Trennung auf Zeit:

Paartherapeuten empfehlen in jedem Fall, die Kommunikation für einige Zeit gänzlich stillzulegen. Das fällt gerade zu Beginn schwer, doch nur so wird der Kopf frei und bringt die Klarheit, die eine Beziehungspause zu Tage befördern soll. Dies sollte unbedingt vorab besprochen und sich auch daran gehalten werden. Nur so entsteht keine Erwartungshaltung, dass der andere sich ja jetzt ruhig einmal melden könnte. Was man tun kann? Sich schon vorab verabreden. Vielleicht das erste Mal nach zwei Wochen. In einem kurzen Kaffeedate können offene Fragen geklärt und Ungesagtes gesagt werden. Doch sollten diese Treffen ebenfalls ohne Erwartungshaltung stattfinden. Vielleicht wird ja mal ein Date mit einem tollen Gespräch – ganz wie früher – draus?

Beziehungspause mit Kindern: Geht das überhaupt?

Eltern fällt es besonders schwer, sich mit dem Thema Trennung auf Zeit zu beschäftigen. Selbst wenn der Wunsch da ist, lässt sich ein Alltag mit Kind oder Kindern schwer allein bewältigen – zudem möchte man diese natürlich nicht mit einer Trennung der Eltern belasten. Hier gilt zum einen die offene und positive Kommunikation: Die Kinder sollten über das Experiment der Eltern Bescheid wissen, aber ihnen Ängste und Sorgen genommen werden. Zudem ist es für sie am besten, wenn sie in ihrer gewohnten Umgebung bleiben können und sich die Eltern sich abwechselnd um die Betreuung kümmern und zu Hause wohnen. Wie die Kommunikation hier aussehen soll, muss unbedingt vorab geklärt und Verabredungen strikt eingehalten werden.

Wie geht es nach einer Beziehungspause weiter?

Auch das sollte nach der Pause keine Überraschung sein und vor der Auszeit geklärt werden. Natürlich gibt es hier ein Wunschszenario und eines, das man sich von der Beziehungspause nicht erhofft: die Trennung. Dennoch muss auch dieses Szenario vorab einmal durchgespielt werden, um große Unstimmigkeiten über einen finalen Auszug, Finanzen oder Sorgerecht zu vermeiden. Wird der Beziehung nach der Pause eine weitere Chance gegeben, ist trotzdem noch ein ausführliches Gespräch nötig. Was sich an der Beziehung ändern muss, damit beide Partner zufrieden sein können ist jetzt Gegenstand des Gesprächs. Und auch, welche Probleme eventuell zur Trennung auf Zeit geführt haben. An dieser Stelle ist es wichtig, dass sich beide kompromissbereit zeigen und offen aufeinander eingehen. Keine Vorwürfe und keine Beleidigungen äußern, sondern Wünsche und Lösungsvorschläge formulieren.


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