VG-Wort Pixel

BFF Mama – Kann man als Mutter die beste Freundin der Tochter sein?

Freundschaft Tochter
 
"Die beste Freundin meiner Tochter bin ganz klar ich!" Wenn unsere Autorin solche Sätze von Müttern hört, ist sie ein bisschen skeptisch. Sie ist Mutter und Tochter und beste Freundin, ja. Aber alles auf einmal? Geht das überhaupt?

von Marie Stadler

Ich weiß, es ist schändlich, was ich jetzt sage, aber ich tue es doch. Meine Töchter und ich, wir sind absolut keine BFFs. Sind wir einfach nicht. Wir lieben uns. Wir streiten uns. Wir vertragen uns. Wir haben riesigen Spaß miteinander. Aber es gibt ein kleines Detail, das mich dennoch von einer guten Freundin unterscheidet: Alles, was ich über sie weiß, weiß sofort auch ihre Mutter. Kann ich leider gar nix gegen machen, weil ich nun mal eben diese Mutter bin. Außerdem würde ich sie sofort und ohne mit der Wimper zu zucken an ihren Vater verpetzen, wenn sie Mist gebaut haben. Das erwarte ich von mir als Partnerin, weil wir nun mal zu zweit die Verantwortung für unsere Kinder tragen, mein Mann und ich. Aber auch dieser Punkt macht mich einfach mal zur schlechtesten Freundin der Welt, oder nicht?

Die schrecklichste beste Mutter der Welt

Nein, auch ich bin nicht immer gut gewappnet gegen den Wunsch, „die Beste“ zu sein und irgendwie auch sowas wie eine Freundin. Merke dann aber immer, dass das nicht so einfach ist. Kinder sind da ja auch sehr direkt in ihrem Feedback. Gibst du ihnen ein Eis, bist du sofort ganz großartig und wirst mit Liebesbekundungen überhäuft. Findest du nach diesem Eis allerdings, dass es kein zweites geben sollte, ändert sich dieser Status rascher als du dich in ihrer Liebe suhlen konntest. Zack, bist du schrecklich gemein, um genau zu sein, die allerallerallergemeinste von allen. So schnell kann es gehen. Und für eine Freundschaft ist mir das ein bisschen zu wankelmütig. Außerdem sollen meine Freunde verdammt noch mal so viel Eis in sich reinstopfen wie sie wollen. Weil Freundschaft und Erziehung sich in meinen Augen in einigen Punkten nunmal nicht allzu gut vertragen.

Meine Mutter und ich

Ich bin nicht nur Mutter, ich bin auch Tochter, und zwar eine der gesegneten Sorte. Und das, obwohl (oder vielleicht auch weil) wir nicht die besten Freunde waren. Sie hat es geschafft, mich selbstloser loszulassen als eine Freundin das geschafft hätte. Ich hatte nie das Gefühl, sie im Stich zu lassen oder dass ich ihr eine Stütze sein müsste. Nicht, wenn ich lieber mit Freunden rumhing oder auch an dem Tag, an dem ich mit 18 meinen Auszug verkündete. Meine beste Freundin war da anders drauf. Als ich zu einem Auslandsjahr aufbrach zum Beispiel, da lag sie mir heulend in den Armen. Und das war auch genau richtig so. Trotzdem war es gut, dass meine Mutter nicht das gleiche tat. Sie hat mich stolz angelächelt und mich mit einem guten Gefühl gehen lassen. „Flieg los und mach die Welt schöner!“, hat sie mir gesagt und ich bin losgeflogen.

Irgendwann ändert sich alles – ganz bestimmt

Bevor jetzt alle aufschreien: Ich spreche ja nicht von erwachsenen Kindern, ich spreche von Kindern. Auch wenn meine Meinung da vielleicht ein bisschen unpopulär ist, bin ich mir einfach sicher, dass Kinder sich an Eltern nur dann gut orientieren können, wenn sie die auch mal voll uncool, total doof oder auch uninteressant finden dürfen. Ohne das schlechte Gewissen, das man sofort hat, wenn man seine beste Freundin mal blöd findet. Wenn Kinder dann erwachsen sind, dann ändert sich das ja auch wieder. Dann kippt ganz langsam das Verhältnis zwischen Kindern und Eltern in ein Gleichgewicht, das eine Freundschaft im klassischen Sinne zulässt. Klar, als Dreißigjährige kann ich anders damit umgehen, wenn Mama Dampf ablässt über Papa oder wenn ich Geheimnisse erfahre, die mir als Kind den Boden unter den Füßen weggezogen hätten. Ich weiß das, weil meine Mutter mittlerweile eine wirklich wunderbare Freundin von mir ist, weil sie manchmal über meinen Vater meckert und weil sie mir Geheimnisse anvertraut, die ich als Kind nicht gut verkraftet hätte.

Und dann kümmern wir uns

Zum Glück dauert es noch lange bei mir, bis es so weit ist, aber irgendwann werde ich mich um meine Mutter kümmern (na klar auch um meinen Vater, aber über den reden wir ja hier gerade nicht). Ganz ehrlich: Ich glaube, dann sind wir Kinder die, die zum richtigen Zeitpunkt loslassen müssen und nicht zu sehr an dem freundschaftlichen Aspekt hängen dürfen, der uns verbindet. Wenn meine Mutter vielleicht irgendwann vergesslich wird oder wissen wird, dass sie nicht mehr lange da ist, dann will ich nicht, dass sie das Gefühl hat, mich als ihre Freundin im Stich zu lassen. Nein, ich will mit einem Lächeln sagen können: „Flieg los, Mama, ohne schlechtes Gewissen und sei dir sicher: Du hast die Welt, und zwar ganz besonders meine, viel schöner gemacht!“ Und ja, vielleicht ist das auch eine Art Freundschaft. Aber vielleicht ist die Sache mit Müttern und Töchtern eben doch etwas anderes und noch viel größer, komplizierter und verwirrender als das Wort "Freundschaft" es je beschreiben könnte. 


Mehr zum Thema